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Urteil Obergericht des Kantons Zürich (ZH)

Kopfdaten
Kanton:ZH
Fallnummer:PA220006
Instanz:Obergericht des Kantons Zürich
Abteilung:II. Zivilkammer
Obergericht des Kantons Zürich Entscheid PA220006 vom 07.02.2022 (ZH)
Datum:07.02.2022
Rechtskraft:-
Leitsatz/Stichwort:Fürsorgerische Unterbringung
Schlagwörter : Schwer; Beschwerde; Beschwerdeführe; Beschwerdeführer; Unterbringung; Klinik; Fürsorgerische; Behandlung; Beschwerdeführers; Medikamente; Gutachter; Zustand; Januar; Katatone; Seiner; Fürsorgerischen; Besondere; Schizophrenie; Selbstfürsorge; Vorinstanz; Welche; Betreute; Psychische; Zustandsbild; Aktuell; Person; Bestehe; Verwahrlosung; Zürich
Rechtsnorm:Art. 439 ZGB ; Art. 426 ZGB ;
Referenz BGE:-
Kommentar zugewiesen:
Spühler, Basler Kommentar zur ZPO, Art. 321 ZPO ; Art. 311 ZPO, 2017
Weitere Kommentare:
Entscheid

Obergericht des Kantons Zürich

II. Zivilkammer

Geschäfts-Nr.: PA220006-O/U

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, Oberrichter Dr. M. Sarbach und Ersatzrichter Dr. E. Pahud sowie Gerichts- schreiberin MLaw M. Schnarwiler

Urteil vom 7. Februar 2022

in Sachen

A. ,

Beschwerdeführer,

sowie

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Verfahrensbeteiligte,

betreffend

fürsorgerische Unterbringung

Beschwerde gegen ein Urteil der 10. Abteilung (Einzelgericht) des Bezirksgerich- tes Zürich vom 20. Januar 2022 (FF220017)

Erwägungen:

  1. Sachverhalt und Prozessgeschichte

    1. A. (nachfolgend Beschwerdeführer) befindet sich aktuell in seinem

      40. Aufenthalt in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (fortan Klinik); er leidet an einer chronifizierten katatonen Schizophrenie (dazu noch nachfolgend,

      E. 3.2). Zur jüngsten Vorgeschichte des Beschwerdeführers ist bekannt, dass die- ser zuletzt am 27. September 2020 freiwillig in die Klinik eingetreten und tags da- rauf mittels fürsorgerischer Unterbringung zurückbehalten worden war. Schliess- lich war am 19. Januar 2021 ein Übertritt des Beschwerdeführers in das Pflege- heim B. in C. erfolgt, wo er acht Monate lang lebte (vgl. OGer ZH PA210010 vom 12. Mai 2021, E. 1.1.; act. 7/1 u. 7/6). Aus diesem betreuten Wohnen wurde er schliesslich an unbekanntem Datum aufgrund einer gutgeheis- senen Beschwerde gegen die behördlich angeordnete fürsorgerische Unterbrin- gung entlassen und lebte danach bei seiner Frau. Da es offenbar zu bedrohli- chem Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber seiner Frau kam, wurde er mittels fürsorgerischer Unterbringung in der Klinik D. untergebracht. Nach der dortigen Entlassung war der Beschwerdeführer obdachlos (Prot. Vi. S. 14 u. S. 18 f.; act. 7/1).

      Am 28. Dezember 2021 trat der Beschwerdeführer freiwillig zum aktuellen Aufenthalt in die Klinik ein. Beim Eintrittsgespräch schilderte er, seit 20 Tagen auf der Strasse zu leben und sich zunehmend überfordert zu fühlen (act. 7/1). Nach- dem der Beschwerdeführer aus der Klinik austreten wollte, wurde er im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung am 11. Januar 2022 durch Dr. med. E. in die Klinik eingewiesen bzw. zurückbehalten (act. 6).

    2. Mit undatiertem Schreiben (Datum Poststempel: 15. Januar 2022) erhob der Beschwerdeführer beim Einzelgericht, 10. Abteilung, des Bezirksgerichtes Zürich (fortan Vorinstanz) Beschwerde (act. 1). Nach Beizug der Akten und erfolgter Stellungnahme durch die Klinik (act. 2 u. act. 5) fand am 20. Januar 2022 die vor- instanzliche Hauptverhandlung statt, an welcher durch Gutachter Dr. med.

F. das Gutachten erstattet wurde und der Beschwerdeführer sowie der zuständige Oberarzt der Klinik, Dr. med. G. , angehört wurden (Prot. Vi.

S. 12 ff.). Mit Urteil vom selben Tag wies die Vorinstanz die Beschwerde ab. Der Entscheid wurde dem Beschwerdeführer im Anschluss an die Verhandlung im Dispositiv eröffnet (vgl. Prot. Vi. S. 21 f.; act. 8 Dispositiv-Ziffer 4) und hernach am

24. Januar 2022 in begründeter Ausfertigung zugestellt (act. 9 = act. 13, nachfol- gend zitiert als act. 13; vgl. act. 11 für die Zustellung).

      1. it Schreiben vom 27. Januar 2022 (Datum Poststempel: 30. Januar 2022) erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen den Entscheid vom 20. Januar 2022 an das Obergericht (act. 14).

      2. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 1-11). Vom Einholen einer Stellungnahme bzw. von Vernehmlassungen wurde abgesehen. Das Ver- fahren ist spruchreif.

  1. Prozessuale Vorbemerkungen

    1. Bei einer ärztlich angeordneten fürsorgerischen Unterbringung kann die be- troffene Person innert zehn Tagen beim zuständigen Gericht Beschwerde erhe- ben (Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 i.V.m. Abs. 2 ZGB). Das Verfahren richtet sich sinn- gemäss nach den Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz, d.h. nach den Art. 450 ff. ZGB (Art. 439 Abs. 3 ZGB). Das Obergericht ist gemäss § 64 EG KESR zur zweitinstanzlichen Beurteilung solcher Beschwerden zuständig.

    2. Auf die innert Frist erhobene Beschwerde des Beschwerdeführers ist ein- zutreten. Aus der Beschwerde geht hervor, dass sich diese gegen die angeordne- te fürsorgerische Unterbringung resp. den in diesem Zusammenhang ergangenen Entscheid der Vorinstanz richtet (vgl. act. 14).

    3. Bei der Prüfung, ob die Voraussetzungen der fürsorgerischen Unterbrin- gung erfüllt sind, verfügt die Beschwerdeinstanz über volle Kognition. Im Rahmen der fürsorgerischen Unterbringung geht es damit nicht bloss um die Rechtskon- trolle des vorinstanzlichen Entscheides. Vielmehr hat die zweite Beschwerdeinstanz selbstständig zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Massnahme nach den Art. 426 ff. ZGB erfüllt sind.

  2. Fürsorgerische Unterbringung

    1. Eine natürliche Person, die an einer psychischen Störung oder an einer geistigen Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist, darf in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann (Art. 426 Abs. 1 ZGB). Eine fürsorgerische Unterbrin- gung setzt somit das Vorhandensein eines materiellen Einweisungsgrundes vo- raus, d.h. eines im Gesetz genannten Schwächezustandes, aus welchem eine besondere Schutzbedürftigkeit des Patienten oder der Patientin resultiert, die eine nur in einer Anstalt erbringbare Behandlung erforderlich macht. Die fürsorgerische Unterbringung muss folglich stets ultima ratio sein, und sie muss sich in Würdi- gung aller Umstände als verhältnismässig - also als geeignet, als erforderlich und als verhältnismässig im engeren Sinne - erweisen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind.

    2. Schwächezustand

      1. Damit von einer psychischen Störung im Sinne der genannten Bestimmung gesprochen werden kann, muss zum einen ein entsprechendes Krankheitsbild vorliegen. Dieses muss sich zum anderen erheblich auf das soziale Verhalten des Patienten auswirken. Massgeblich ist, ob die betroffene Person ihre Entschei- dungsfreiheit behalten hat und am sozialen Leben teilnehmen kann (BSK ZGB I- GEISER/ETZENSBERGER, 6. Aufl. 2018, Art. 426 N 15).

      2. Die Vorinstanz erachtet das Vorliegen einer psychischen Störung im Sinne des Gesetzes gestützt auf die Ausführungen des beigezogenen Gutachters (Prot. Vi. S. 13 f.) und mit Blick auf die Diagnose der Klinik (act. 5) insgesamt als gege- ben (act. 13 E. 2., insb. E. 2.3. ff.). Dieser Einschätzung ist aus nachfolgend dar- gelegten Gründen zuzustimmen:

      3. In den Akten finden sich die Austrittsberichte dreier früherer Klinikaufenthal- te des Beschwerdeführers. Ein Bericht datiert vom 27. Mai 2020 und bezieht sich

        auf die stationäre Behandlung vom 16. bis 19. Mai 2020. Der Eintritt war freiwillig erfolgt mit Wunsch auf Krisenintervention und Unterstützung bei langjähriger, mutmasslich unbehandelter Schizophrenie (act. 7/4). Der zweite Austrittsbericht datiert vom 24. September 2020 und bezieht sich auf eine stationäre Behandlung vom 11. bis am 13. September 2020. Der Eintritt war per fürsorgerischer Unter- bringung erfolgt bei schwerem Selbstfürsorgedefizit und katatonem Zustandsbild bei vorbekannter langjähriger katatoner Schizophrenie (act. 7/5). Der dritte Bericht datiert vom 28. Januar 2021 und betrifft einen stationären Aufenthalt vom

        27. September 2020 bis am 19. Januar 2021. Der Eintritt war freiwillig erfolgt bei Verwahrlosung und Selbstpflegedefizit vor dem Hintergrund einer bekannten chronifizierten katatonen Schizophrenie (act. 7/6). Alle drei Austrittsberichte füh- ren als Diagnose die katatone Schizophrenie (ICD-10: F20.2) an (act. 7/4-6).

        Der von der Vorinstanz bestellte Gutachter F. führte in Übereinstim- mung damit aus, der Beschwerdeführer leide an einer schweren psychischen Er- krankung, namentlich an einer katatonen Schizophrenie, welche nun den

        40. Klinikaufenthalt erfordere. Die katatone Schizophrenie zeige sich beim Beschwerdeführer mit Stupor und Mutismus, d.h. mit verminderter Reaktion auf die Umwelt, mitunter Stereotypie. Hinzu komme ein Negativismus, namentlich ein unmotivierter Widerstand gegenüber allen Aufforderungen oder Versuchen, be- wegt zu werden oder stattdessen Bewegungen in eine andere Richtung zu ma- chen. Der Beschwerdeführer mache kaum verbale Äusserungen, ausser in kur- zer, abgehackter Form und oft im Befehlston. Weiter seien krankheitsbedingt deutliche Verwahrlosungstendenzen ersichtlich, namentlich Defizite in der Selbst- fürsorge und der Hygiene (Prot. Vi. S. 14).

        Auch gemäss der aktuellen Stellungnahme der behandelnden Ärzte liege beim Beschwerdeführer eine chronifizierte katatone Schizophrenie vor. Während des Klinikaufenthaltes habe sich der Beschwerdeführer kataton, teils mutistisch, ambivalent und nicht kooperativ gezeigt. Seine Medikamente nehme er nur mit viel Unterstützung ein, und es bestehe ein Selbstfürsorgedefizit (act. 5; Prot. Vi. S. 18 f.).

      4. Die übereinstimmenden und anlässlich der Hauptverhandlung bestätigten fachärztlichen Diagnosen einer katatonen Schizophrenie lassen am Vorhanden- sein einer psychischen Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB keine Zweifel offen. Die geschilderten Symptome bzw. die Diagnose stimmen denn auch mit dem Eindruck an der Hauptverhandlung überein. Dort zeigte sich der Beschwer- deführer in seinem Verhalten und seinen Antworten ausweichend, reagierte auf Fragen teilweise lange nicht, unterbrach aber auch wiederholt den Gutachter und zeigte sich insgesamt unkooperativ (Prot. Vi. S. 12 ff.).

        Die Vorinstanz bejaht zudem eine Verwahrlosung des Beschwerdeführers. Zwar erscheint fraglich, inwiefern bzw. in welchem Ausmass beim Beschwerde- führer tatsächlich von einer aktuell bestehenden Verwahrlosung gesprochen wer- den kann. Dass aber jedenfalls deutliche Verwahrlosungstendenzen infolge Selbstfürsorgedefiziten bestehen, ergibt sich sowohl aus den Ausführungen des Gutachters als auch denjenigen der Klinik (Prot. Vi. S. 14 u. 19; act. 5). Dies än- dert aber nichts daran, dass primärer Grund für die Einweisung und die Aufrecht- erhaltung der fürsorgerischen Unterbringung durch die Vorinstanz die festgestellte psychische Störung bildet. Die Verwahrlosungstendenz ist in diesem Sinn Begleit- bzw. Folgeerscheinung der schweren psychischen Störung des Beschwerdefüh- rers.

    3. Schutzbedürftigkeit und Verhältnismässigkeit

      1. Wie bereits erwähnt, wird für die Anordnung einer fürsorgerischen Unter- bringung vorausgesetzt, dass die Betreuung oder die Behandlung der betroffenen Person nötig ist und nicht auf andere Weise als durch eine Unterbringung in einer Einrichtung erfolgen kann (Art. 426 Abs. 1 ZGB). Mit anderen Worten muss die betroffene Person eines besonderen Schutzes bedürfen, der eben nur mit einer Freiheitsentziehung erbracht werden kann; die Freiheitsentziehung muss die per- sönliche Fürsorge für den Betroffenen sicherstellen. Diese umfasst einerseits the- rapeutische Massnahmen und andererseits jede Form von Betreuung, deren eine Person für ein menschenwürdiges Dasein bedarf. Darunter fallen so elementare Bedürfnisse wie Essen, Körperpflege, Kleidung usw. Dem Schutz der Umgebung kommt nur, aber immerhin, eine subsidiäre Bedeutung zu (Art. 426 Abs. 2 ZGB).

        Eine Fremdgefährdung ist damit weder eine Unterbringungsvoraussetzung, noch vermag sie für sich alleine eine fürsorgerische Unterbringung zu rechtfertigen. Der Schutz und die Belastung anderer Personen darf jedoch in die Beurteilung mitein- bezogen werden (vgl. zum Ganzen BSK ZGB I-GEISER/ETZENSBERGER, a.a.O., Art. 426 N 8, 10 und N 41 ff.).

        Schliesslich muss die fürsorgerische Unterbringung verhältnismässig sein. Sie ist nur dann zulässig, wenn keine leichteren Massnahmen der betroffenen Person einen genügenden Schutz gewähren, mit dieser Massnahme hingegen ein solcher voraussichtlich erreicht werden kann (vgl. auch BSK ZGB-GEISER/ETZENS- BERGER, a.a.O., Art. 426 N 22 ff.).

      2. Aus der Stellungnahme der Klinik ergibt sich, dass im Rahmen einer frühe- ren stationären Behandlung eine suffiziente Medikamenteneinstellung erreicht werden und der Beschwerdeführer dann unter Geltung einer behördlichen fürsor- gerischen Unterbringung in ein betreutes Wohnen habe austreten können. Dort habe der Beschwerdeführer über mehrere Monate eine gute Stabilisierung ge- zeigt. Grund für die aktuelle Symptomverschlechterung, welche zum nun erfolgten Eintritt geführt habe, sei nach Ansicht der Klinik der Umstand, dass diese behörd- liche fürsorgerische Unterbringung aufgrund Gutheissung eines Rechtsmittels aufgehoben worden sei. Dadurch habe der Beschwerdeführer seinen Platz im be- treuten Wohnen verloren und die Medikamenteneinnahme sei sistiert worden. Der Beschwerdeführer habe in der Folge zuerst bei seiner Ehefrau gewohnt, sei dann aber unter zunehmender und vorhersehbarer Symptomverschlechterung in die Obdachlosigkeit geraten. Auf der Strasse habe der Beschwerdeführer sich teil- weise von Unbekannten bedroht gefühlt und gelegentlich optische Halluzinationen wahrgenommen. Aufgrund der zunehmenden Überforderungen und Angst, insbe- sondere vor einer weiteren Destabilisierung, sei er dann freiwillig in die Klinik ein- getreten.

        Bei seinem aktuellen Aufenthalt habe der Beschwerdeführer sich kataton, teils mutistisch, ambivalent und nicht kooperativ gezeigt. Seine Medikamente nehme er nur mit viel Unterstützung ein. Würde man den Beschwerdeführer ent- lassen, wäre er ohne Bleibe. Aufgrund des gleichzeitig bestehenden Selbstfürsorgedefizits bestehe beim Beschwerdeführer eine erhebliche Selbstgefährdung. Die Fortsetzung der medikamentösen Wiedereinstellung und erneute Organisation ei- ner betreuten Wohnform seien dringend notwendig. So liesse sich wieder eine Stabilisierung des Beschwerdeführers erreichen. Aufgrund des langjährigen Krankheitsverlaufs sehe man seitens der Klink dazu keine Alternative. Ohne tägli- che Medikamenteneinnahme verschlechtere sich das Zustandsbild, und der Beschwerdeführer könne keine Selbstfürsorge gewährleisten. Er habe keine Kör- perhygiene und die Aufrechterhaltung der eigenen Versorgung sei ihm nicht mög- lich. Ohne Unterstützung und vor dem Hintergrund der Obdachlosigkeit und des Selbstfürsorgedefizits bestehe eine erhebliche Selbstgefährdung (act. 5; Prot. Vi. S. 18 f.).

      3. Nach Ansicht des Gutachters erfordere das aktuelle Zustandsbild des Beschwerdeführers unbedingt die Unterbringung in einer Einrichtung, um die Krank- heitszeichen medikamentös zu reduzieren, eine Platzierung in eine betreute Wohnung vorzubereiten, den Defiziten in der Selbstfürsorge entgegenzuwirken und dem Beschwerdeführer ein Leben auf der Gasse zu ersparen (Prot. Vi.

        S. 14 f.). So sei der Beschwerdeführer zur Zeit aufgrund seines Krankheitsbildes, aber auch weil er auf der Gasse leben würde, nicht im Stande, selbstfürsorglich für sein Wohl zu sorgen. Es sei wahrscheinlich, dass er seine Medikamente nicht einnehmen werde; selbst in der Klinik müsse für eine regelmässige orale Einnah- me der Medikamente gesorgt werden. Zudem sei auch wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer nicht im Stande wäre, selbständig einen Psychiater zwecks Verschreibung der Medikamente aufzusuchen. Zudem sei der Beschwerde auf- grund seiner Erkrankung isoliert, und die finanzielle Versorgung des Beschwerde- führers erscheine ebenfalls als beeinträchtigt.

        Im Falle einer sofortigen Entlassung wäre der Beschwerdeführer - so der Gutachter weiter - obdachlos und würde weiter verwahrlosen. Er wäre seinem psychopathologischen Erleben, wohl mit Verfolgungsideen, aber auch mit nicht ausschliessbaren Sinnestäuschungen, ausgesetzt. Zudem sei bekannt, dass der Beschwerdeführer schwarz fahre und Diebstähle begehe, wodurch er Strafen und Schulden angehäuft habe. Ebenfalls bekannt sei, dass der Beschwerdeführer früher bereits einmal auf Tramgleisen aufgefunden worden sei, was zu einer fürsorgerischen Unterbringung geführt habe. Im Vordergrund stehe insgesamt eine ganz erhebliche Selbstgefährdung des Beschwerdeführers (Prot. Vi. S. 16 f.). Ne- ben dem sehr hohen Risiko der Selbstgefährdung wies der Gutachter zudem auf ein moderates bis deutliches erhöhtes Risiko der Fremdgefährdung hin. So habe sich der Beschwerdeführer nach Angaben von dessen Frau ihr gegenüber ag- gressiv gezeigt und diese nicht mehr aus der Wohnung gelassen. Aus diesem Grund habe auch schon die Polizei gerufen werden müssen (Prot. Vi. S. 16 f).

        Die genannten Risiken liessen sich aus gutachterlicher Sicht sodann ledig- lich durch eine konsequente Weiterbehandlung, eventuell durch eine forcierte Do- siserhöhung der verabreichten Neuroleptika mit anschliessender depotneurolepti- scher Behandlung, welche bis zu drei Monate wirksam sei, eingrenzen. Durch ei- ne solche Behandlung würde die Versetzung in eine betreute Wohnsituation er- möglicht, welche die Selbst- als auch die Fremdgefährdung des Beschwerdefüh- rers positiv beeinflusse. Eine Entlassung sei denn mit Blick auf das langjährig be- stehende Zustandsbild nur in eine betreute Wohnsituation, bei der auch die ambu- lante Weiterbehandlung des Beschwerdeführers möglich wäre, vorstellbar. Nur so lasse sich die Alternative - ein Leben auf der Gasse mit entsprechender Verwahr- losung - verhindern (Prot. Vi. S. 17 f.).

      4. Aus dem Verlaufsbericht geht hervor, dass der Beschwerdeführer sich zu- rückgezogen und verschlossen bzw. teilweise blockiert und im Affekt abgeflacht zeige, mit niemandem sprechen wolle und nur einsilbig auf Fragen antworte. Zu- dem ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seine Körperpflege vernachlässige und verwahrlost erscheine; er habe denn auch mehrmals aufgefordert werden müssen, sich zu duschen. Seine ihm angebotenen Medikamente nehme er ge- mäss Bericht grundsätzlich ein, wenn auch teilweise erst beim zweiten Anlauf bzw. nach anfänglichem Widerstand. Den Tag hindurch ist der Beschwerdeführer offenbar oft im Ausgang, komme aber zuverlässig zurück. Bezüglich einer ge- planten Blutentnahme zeigte sich der Beschwerdeführer konsequent unkoopera- tiv, worauf ihm die Gewährung des Ausgangs offenbar von seiner Kooperation abhängig gemacht wurde (act. 7/3).

      5. Ausgehend von den übereinstimmenden Ausführungen der involvierten Fachpersonen und den dargelegten Umständen - insbesondere auch mit Blick auf den Verlaufsbericht - ist, wie dies bereits die Vorinstanz tat (vgl. act. 13

        E. 3.2 ff.), davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Er- krankung schutzbedürftig ist und der Behandlung in der Klinik bedarf. Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver- handlung erscheint zudem fraglich, inwieweit seinerseits Einsicht in seine Be- handlungsbedürftigkeit besteht (vgl. Prot. Vi. S. 19 f.), antwortete er auf die Fra- gen des Gerichts doch weitgehend ausweichend und wollte er sich insbesondere auch nicht zu seiner Medikamenteneinnahme in der Zeit vor Klinikeintritt äussern. Auch zeigt der Beschwerdeführe im Rahmen seiner an die Kammer erhobenen Beschwerde, dass er keine Einsicht in seinen Zustand, insbesondere das von den Fachärzten übereinstimmend geschilderte Selbstfürsorgedefizit hat, macht er doch geltend, durchaus in der Lage zu sein, seine Angelegenheiten selbst erle- digen zu können (vgl. act. 14). Aufgrund dessen, des Umstandes, dass der Beschwerdeführer vor Klinikeintritt offenbar überfordert war, sowie mit Blick auf sein aktuelles Zustandsbild ist ernsthaft zu befürchten, dass er im Falle einer Entlas- sung nicht in der Lage wäre, für sich selbst zu sorgen und die notwendigen Medi- kamente weiterhin einzunehmen, wodurch seine psychische Gesundheit ernsthaft der Gefahr einer erneuten Verschlimmerung ausgesetzt würde, mit der Folge der zunehmenden Verwahrlosung und von selbstgefährdendem Verhalten. Damit ist mit der Klinik und dem Gutachter das Bestehen einer erheblichen Selbstgefähr- dung zu bejahen. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer im Falle der Entlas- sung obdachlos wäre. Zwar behauptete der Beschwerdeführer anlässlich der Hauptverhandlung, über eine Anschlusslösung bzw. über Möglichkeiten zu ver- fügen; was er damit genau meint, wollte er nicht erläutern (Prot. Vi. S. 19 ff.). Im Rahmen seiner Beschwerde an die Kammer weist er immerhin darauf hin, über eine reguläre Adresse ( [Adresse]) zu verfügen. Um was für eine Adresse es sich konkret handelt, und ob er tatsächlich an diesem Ort wohnen könnte, ist aber nicht ersichtlich. Zudem handelt es sich bei der genannten Adresse wohl um die- selbe, welche er bereits in der Beschwerde vor der Kammer am 28. April 2021 als Unterkunft nannte (vgl. act. 29 in PA210010). Bereits im damaligen Verfahren

        wurde festgehalten, dass detaillierten Angaben und Belege zur Unterkunft fehlten und daher nicht geprüft werden könne, inwieweit es sich tatsächlich um eine An- schlusslösung handle (vgl. OGer ZH PA210010 vom 12. Mai 2021, E. 2.3.4.). Überdies wäre dem Beschwerdeführer alleine mit einer Wohnmöglichkeit nicht geholfen, ist bei ihm doch nicht nur das Wohnen, sondern auch die Sicherstellung des Medikamentenerhalts und der -einnahme ebenso wie die Selbstpflege prob- lematisch.

        Unter Würdigung all dessen erscheint die notwendige Behandlung gegen- wärtig nur im Rahmen eines stationären Aufenthalts möglich; in diesem Rahmen wird es denn möglich sein, den Beschwerdeführer wieder medikamentös zu stabi- lisieren und eine tragfähige Anschlusslösung in Form eines betreuten Wohnens zu organisieren, wie dies bereits schon einmal erfolgreich gelungen ist. Insbeson- dere ist den Fachärzten auch zuzustimmen, dass keine anderen - insbesondere keine milderen - Massnahmen ersichtlich sind, um dieses Ziel zu erreichen und dem Beschwerdeführer die erforderliche Fürsorge zukommen zu lassen.

      6. Es ist sodann davon auszugehen, dass mit der fürsorgerischen Unterbrin- gung in der Klinik auch tatsächlich eine Verbesserung bzw. Stabilisierung des Zu- standes des Beschwerdeführers erreicht werden kann. Der Gutachter bezeichne- te die Klinik als für die Behandlung des bestehenden Beschwerdebildes uneinge- schränkt geeignet (Prot. Vi. S. 15). Ein Behandlungsplan der Klinik liegt zudem vor. Dieser nennt als Ziel das Durchbrechen des katatonen Zustandsbildes und die Wiederherstellung der Selbstversorgungskapazität, welches mittels psycho- pharmakologischer Therapie und psychotherapeutischer Behandlung erreicht werden solle. Als weiteres Ziel wird das Erarbeiten einer stabilen und geeigneten Wohnform genannt (act. 7/2). Diesen Behandlungsplan, insbesondere die darin vorgesehene Behandlung mit den Neuroleptika Risperidon und Olanzapin, erach- tete der Gutachter als für die Behandlung des Beschwerdeführers geeignet. So diene die Gabe des Neuroleptikums vermutlich dazu, zunächst das katatonische Zustandsbild des Beschwerdeführers zu mildern und das weitere Ziel zu verfol- gen, ihm später ein Depotneuroleptikum zu geben. Dass ein solches Depotneuro- leptikum nützlich sei, sei in den letzten Aufenthalten deutlich geworden. Da habe der Beschwerdeführer in den Zustand versetzt werden können, dass es ihm möglich gewesen sei, in ein betreutes Wohnen zu ziehen. Ebenfalls als angezeigt bei der Behandlung einer Katatonie erachtete der Gutachter sodann die Behandlung mit Benzodiazepinen (Prot. Vi. S. 15).

        Insgesamt ergibt sich, dass die Klinik als geeignete Einreichung wie auch die Massnahme an sich als geeignet erscheint, das Zustandsbild des Beschwer- deführers zu verbessern.

      7. Die Aufrechterhaltung der fürsorgerischen Unterbringung erweist sich nach dem Gesagten als verhältnismässig.

    4. Fazit

Die Voraussetzungen für die fürsorgerische Unterbringung sind demnach heute insgesamt erfüllt, und die dagegen erhobenen Beschwerde ist abzuweisen.

5. Kostenfolgen

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde der Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Umständehalber ist auf das Erheben von Kosten zu verzichten.

Es wird erkannt:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

  2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz.

  3. Schriftliche Mitteilung an

    • den Beschwerdeführer,

    • die verfahrensbeteiligte Klinik,

    • die KESB Stadt Zürich, z.H. Herr H. ,

    • die Beiständin,

    • das Einzelgericht, 10. Abteilung, des Bezirksgerichtes Zürich, je gegen Empfangsschein.

      Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmit- telfrist an die Vorinstanz zurück.

  4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesge-

richt, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.

Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit.

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Obergericht des Kantons Zürich

II. Zivilkammer

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw M. Schnarwiler versandt am:

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