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Urteil Obergericht des Kantons Zürich (ZH)

Kopfdaten
Kanton:ZH
Fallnummer:SB180023
Instanz:Obergericht des Kantons Zürich
Abteilung:I. Strafkammer
Obergericht des Kantons Zürich Entscheid SB180023 vom 12.07.2019 (ZH)
Datum:12.07.2019
Rechtskraft:Weiterzug ans Bundesgericht, 6B_1220/2019
Leitsatz/Stichwort:Mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf/Rückversetzung
Schlagwörter : Schuldig; Beschuldigte; Schuldigten; Beschuldigten; Verteidigung; Beilage; Vorinstanz; Gespräch; Beweis; Telefon; Heroin; Anklage; Droge; Drogen; Akten; Urteil; Verweis; Gesprächs; Verfahren; Vorstehend; Aussage; Sachverhalt; Vorgang; Vorstehende; Person; Gespräche; Aussagen; Verfahren
Rechtsnorm:Art. 135 StPO ; Art. 404 StPO ; Art. 56 StPO ; Art. 30 BV ; Art. 6 EMRK ; Art. 343 StPO ; Art. 139 StPO ; Art. 318 StPO ; Art. 409 StPO ; Art. 32 BV ; Art. 147 StPO ; Art. 101 StPO ;
Referenz BGE:125 I 119; 134 I 238; 140 IV 40; 141 IV 220; 140 IV 172; 124 I 274; 137 IV 219; 144 IV 345;
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Entscheid

Obergericht des Kantons Zürich

I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB180023-O/U/jv

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. M. Langmeier, Präsident, Oberrichter lic. iur.

S. Volken, Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Bussmann

Urteil vom 12. Juli 2019

in Sachen

A. ,

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X.

gegen

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich, vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. H.-J. Müller Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf/Rückversetzung

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 23. Oktober 2017 (DG160075)

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom

10. November 2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 37).

Urteil der Vorinstanz:

Es wird erkannt:

  1. Der Beschuldigte A. ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.

  2. Vom Vorwurf der Abgabe von 200 Gramm Heroingemisch an B. (VG 40; Anklageziffer 1) wird der Beschuldigte freigesprochen.

  3. Die mit Entscheid des Amts für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 24. Juni 2013 verfügte bedingte Entlassung (Freiheitsstrafen von 16 Monaten [Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 22. August 2007] und 8 Jahren und 6 Monaten [Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 18. Mai 2010]) wird im Sinne einer Rückversetzung widerrufen und der Vollzug der Reststrafe von 3 Jahren und 104 Tagen Freiheitsstrafe angeordnet.

  4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der Reststrafe gemäss Dispositivziffer 3 bestraft mit 11 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe. Hiervon sind 910 Tage durch Untersuchungsund Sicherheitshaft erstanden (gerechnet bis und mit 23. Oktober 2017).

  5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

  6. Folgende bei der Kantonspolizei Zürich unter den Lagernummern B00513-2015 und B01906-2015 sichergestellten Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien werden eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:

    • Kokain in Robidogsäcklein (Asservat Nr. A007'931'795),

    • 1 Knistersack mit Kokain (Asservat Nr. A008'166'992),

    • 1 Knistersack-Ecke mit Streckmittel (Asservat Nr. A008'180'118),

    • 1 Knistersack-Ecke mit MDMA (Asservat Nr. A008'167'020),

    • 2 Knistersack-Ecken mit MDMA (Asservat Nr. A008'180'334).

  7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 4. August 2016 beschlagnahmten Barschaften von Fr. 2'940.- und € 120.- werden zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten herangezogen.

  8. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung wird abgewiesen.

  9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf

    Fr. 12'000.00; die weiteren Kosten betragen: Fr. 10'000.00 Gebühr Vorverfahren

    Fr. 1'044.00 Auslagen (Gutachten)

    Fr. 45'635.00 Auslagen Untersuchung

    Fr. 24'000.00 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Auslagen,

    Fürsprecher X. ; bereits ausbezahlt)

    Fr. 42'559.50 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Auslagen,

    Fürsprecher X. )

    Fr. 135'238.50 Total

    Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

  10. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 9 werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

  11. Mitteilung

  12. Rechtsmittel

Berufungsanträge:

  1. Der Verteidigung des Beschuldigten: (Urk. 191 S. 1 f.)

    1. Das angefochtene Urteil sei wegen Befangenheit der Vorinstanz aufzuheben, und die Sache sei zur Beweisergänzung und neuen Beurteilung an die erste Instanz zurückzuweisen, wobei die mit dem Prozess des Berufungsklägers befassten Richter und Richterinnen lic. iur. A. Oehler, lic. iur.

      C. Jost und lic. iur. Ch. Fischbacher sowie die Gerichtsschreiberin MLaw

      N. Vontobel anzuweisen seien, in den Ausstand zu treten.

    2. Eventualiter (falls die Sache nicht an die erste Instanz zurückgewiesen wird):

      Das angefochtene Urteil sei in den Ziffern 1, 3, 4, 5, 7, 8, und 10 aufzuheben und durch folgende Urteilssprüche zu ersetzen:

      1. Der Berufungskläger wird von Schuld und Strafe freigesprochen.

      2. Auf den Widerruf der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug gem.

        Entscheid des Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 24. Juni 2013 wird verzichtet.

      3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom

        4. August 2016 beschlagnahmten Barschaften von CHF 2'490.00 und EUR 120.00 werden dem Berufungskläger nach Rechtskraft des Urteils zurückbezahlt.

      4. Dem Berufungskläger wird für die erstandene Haft eine Genugtuung aus der Gerichtskasse in der Höhe von CHF 130'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 14. Februar 2017 zugesprochen.

      5. Die Kosten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens werden auf die Staatskasse genommen.

      6. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge.

    3. Der Berufungskläger sei aus der Sicherheitshaft zu entlassen.

  2. Der Staatsanwaltschaft: (Urk. 192 S. 7)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:

  1. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung

    1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 23. Oktober 2017 wurde

      der Beschuldigte A.

      vom Bezirksgericht Winterthur wegen Verbrechens

      gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen und unter Einbezug der Reststrafe aus einer widerrufenen bedingten Entlassung zu 11 ½ Jahren Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt (Urk. 112 S. 113 ff.). Gegen das am

      25. Oktober 2017 mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 70 ff.) liess der Beschuldigte innert Frist Berufung anmelden (Urk. 107). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 110) reichte die Verteidigung des Beschuldigten am

      29. Januar 2018 fristgerecht die Berufungserklärung ein, mit welcher im Wesentlichen ein vollumfänglicher Freispruch beantragt wird (Urk. 115). Mit Präsidialverfügung vom 30. April 2018 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären oder ein Nichteintreten zu beantragen (Urk. 142). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 16. Mai 2018 darauf (Urk. 146). Am 20. April 2018 wurde schliesslich die Sicherheitshaft des Beschuldigten bis zum Entscheid der Berufungsinstanz in der Sache selbst verlängert (Urk. 138). Eine dagegen erhobene Beschwerde des Beschuldigten (Urk. 149/2) wurde vom Bundesgericht am 5. Juni 2018 abgewiesen (Urk. 157).

    2. Der Beschuldigte beantragt primär die Aufhebung des angefochtenen Urteils und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, eventualiter einen Freispruch. Grundsätzlich ist deshalb das ganze Urteil angefochten (Urk. 115, Prot. II S. 13). Die Staatsanwaltschaft hat kein Rechtsmittel erhoben. Für den

      Eventualfall, dass das Gericht die Sache nicht an die Vorinstanz zurückweist, sind aufgrund der Berufungsanträge der Verteidigung die Ziffern 2, 6 und 9 nicht angefochten (Prot. II S. 13). Nachdem - wie noch zu zeigen sein wird - das Verfahren nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, sind damit der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf gemäss VG 40 der Anklageschrift (Ziff. 2), die Einziehung und Vernichtung der beim Beschuldigten sichergestellten Betäubungsmittel und -utensilien (Ziff. 6) sowie die Kostenaufstellung der Vorinstanz (Ziff. 9) in Rechtskraft erwachsen, was im Sinne von Art. 404 Abs. 1 StPO vorzumerken ist.

    3. Mit Eingabe vom 29. Januar 2018 stellte die Verteidigung den Antrag auf Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz wegen Befangenheit der erstinstanzlichen Richter, welche in den Ausstand zu treten hätten (Urk. 107). Dies im Wesentlichen, weil sie Beweisanträge des Beschuldigten abgewiesen hatten. Während die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme dazu verzichtete (Urk. 119), teilten die erstinstanzliche(n) Richter, Richterin und Gerichtsschreiberin mit, es habe in keinem Zeitpunkt eine Befangenheit des Gerichts vorgelegen (Urk. 121). Darauf nahm die Verteidigung mit Eingabe vom 26. März 2018 Bezug und hielt an ihrem Standpunkt fest (Urk. 125). Mit Beschluss vom

      26. April 2018 wies die Kammer den Antrag der Verteidigung auf Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz ein erstes Mal ab (Urk. 140). Dabei wurde festgehalten, dass die Rüge der Befangenheit seitens der Verteidigung zu spät vorgebracht worden sei und diese ohnehin als unbegründet erscheine. Gegen diesen Beschluss erhob die Verteidigung am 30. Mai 2018 Beschwerde an das Bundesgericht (Urk. 155/2). Am 4. Juli 2018 trat das Bundesgericht darauf nicht ein, im Wesentlichen mit der Begründung, das Obergericht hätte nicht in einem Zwischenentscheid, sondern im Urteil über die Frage der Befangenheit entscheiden müssen, und der Beschwerdeführer habe nicht dargelegt, inwiefern ihm durch den angefochtenen Beschluss ein nicht wiedergutzumachender Nachteil rechtlicher Natur drohe (Urk. 162). Hierauf stellte die Verteidigung am

      20. Juli 2018 ein Ausstandsgesuch gegen sämtliche Mitwirkenden des Beschlusses vom 26. April 2018 (Urk. 163). In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung auf den 6. Dezember 2018 vorgeladen, an welcher keine der am

      Beschluss vom 26. April 2018 mitwirkenden Personen teilnahm (Urk. 169, Prot. II S. 11), weshalb sich Weiterungen erübrigen.

    4. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2018 stellte die Verteidigung das Gesuch, die Akten des Mitbeschuldigten C. (SB170263) sowie ein begründetes Urteil

      im (erstinstanzlichen) Verfahren gegen den Mitbeschuldigten D.

      seien

      beizuziehen. Diesem Gesuch wurde am 2. November 2018 stattgegeben und die fraglichen Akten beigezogen (Urk. 171-173, Urk. 175 und 176). Am

      9. November 2018 stellte die Verteidigung sodann den Beweisantrag, es seien verschiedene Stellen der von der Staatsanwaltschaft aufgezeichneten Telefonund Audiogespräche sowie Textnachrichten durch einen Türkischbzw. Zazaki- Übersetzer mündlich und parteiöffentlich neu zu übersetzen, unter Gewährung des Fragerechts der Parteien (Urk. 178). Am 20. November 2018 wurden die Fundstellen der von der Verteidigung bezeichneten Gespräche zusammen mit der Verfahrensleitung präzisiert, wobei festgestellt wurde, dass das Vorspielen sowie sofortige wörtliche Übersetzen der angegebenen Stellen durch eine Dolmetscherin anlässlich der Berufungsverhandlung aufgrund der Dauer der Gespräche sowie der Anforderungen an eine wörtliche Übersetzung nicht sinnvoll und prozessökonomisch umsetzbar ist. Vor diesem Hintergrund wurden die Beweisanträge als gestellt entgegengenommen und die Berufungsverhandlung vom 6. Dezember 2018 - im Einverständnis der Verteidigung - unter Vorbehalt der noch zu beurteilenden Beweisanträge durchgeführt (Urk. 182).

    5. Nachdem gewisse bei den Akten liegende CD's mit im Rahmen des Ermittlungsund Untersuchungsverfahrens erstellten Gesprächsaufzeichnungen nicht (mehr) lesbar und eine CD (Aktion E. , L-5) bei den Akten nicht auffindbar waren, wurden von der Kantonspolizei Zürich erstellte Duplikate der entsprechenden Datenträger zu den Akten genommen und der Verteidigung zur Verfügung gestellt (Urk. 144 f., Urk. 161, Urk. 183-186).

    6. Zur Berufungsverhandlung am 6. Dezember 2018 erschienen sind der Beschuldigte, sein amtlicher Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft (Prot. II

S. 13). Vorfragen waren keine zu entscheiden (a.a.O.). Es wurde der Beschuldigte einvernommen (Urk. 190) und die Parteivertreter hielten ihre Plädoyers,

woraufhin die Parteiverhandlung - unter Vorbehalt der Wiederaufnahme für den Fall, dass sich die Abnahme der von der Verteidigung beantragten Beweise als notwendig erweisen sollte - für geschlossen erklärt wurde (Prot. II S. 14 ff.). In der Folge wurde für den Fall, dass keine Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt, im Einverständnis der Parteien die allfällige schriftliche Fortsetzung des Verfahrens angeordnet. Schliesslich verzichteten die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung und -begründung (Prot. II S. 18). Das Urteil erging am 12. Juli 2019 nach gleichentags durchgeführter Beratung und wurde den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 19 ff., Urk. 195). Ebenfalls unter dem

12. Juli 2019 wurde über die Verlängerung der Sicherheitshaft des Beschuldigten entschieden (Urk. 196).

  1. Prozessuales

    1. Antrag auf Rückweisung an die Vorinstanz wegen Befangenheit
      1. Wie bereits im Rahmen der Berufungserklärung stellte die Verteidigung auch anlässlich der Berufungsverhandlung den Antrag, das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 23. Oktober 2017 wegen Befangenheit aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz in neuer Zusammensetzung zurückzuweisen (Urk. 115 S. 2, Urk. 191 S. 1 ff., Prot. II S. 11). Sie begründete ihren Antrag zusammengefasst damit, dass aus der Abweisung der Beweisanträge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. Oktober 2017 und der schriftlichen Urteilsbegründung des Bezirksgerichts Winterthur vom

        23. Oktober 2017 hervorgehe, dass das erstinstanzliche Gericht die Beweisanträge zur Entlastung des Berufungsklägers deshalb abgewiesen habe, weil es seine Meinung über den Sachverhalt bereits vor Abschluss des Beweisverfahrens gemacht und allem Anschein nach das Urteil auch schon zu einem grossen Teil schriftlich begründet habe. Damit erweise es sich im Nachhinein als befangenes Gericht (Urk. 191 S. 7; vgl. schon Urk. 115 S. 3 f., Urk. 125 S. 1 f.).

      2. Art. 56 StPO zählt verschiedene Gründe auf, die zum Ausstand von in einer Strafbehörde tätigen Person führen. Nach Art. 56 lit. f StPO trifft dies namentlich aus anderen (als den in lit. a-e der gleichen Bestimmung genannten)

        Gründen zu, insbesondere wenn die in der Strafverfolgung tätige Person wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand befangen sein könnte. Art. 56 StPO konkretisiert die Verfassungsbestimmung von Art. 30 Abs. 1 BV sowie Art. 6 EMRK. Danach hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Art. 30 Abs. 1 BV soll zu der für einen korrekten und fairen Prozess erforderlichen Offenheit des Verfahrens im Einzelfall beitragen und damit ein gerechtes Urteil ermöglichen. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters wird verletzt, wenn bei objektiver Betrachtung Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Solche Umstände können entweder in einem bestimmten Verhalten des betreffenden Richters oder in gewissen äusseren Gegebenheiten funktioneller und organisatorischer Natur begründet sein. Bei der Anwendung von Art. 56 lit. f StPO ist entscheidendes Kriterium, ob bei objektiver Betrachtungsweise der Ausgang des Verfahrens noch als offen erscheint. Wird der Ausstandsgrund aus materiellen oder prozessualen Rechtsfehlern abgeleitet, so sind diese nur wesentlich, wenn sie besonders krass sind und wiederholt auftreten, sodass sie einer schweren Amtspflichtverletzung gleichkommen und sich einseitig zulasten einer der Prozessparteien auswirken; andernfalls begründen sie keinen hinreichenden Anschein der Befangenheit (Urteil des Bundesgerichts 1B_75/2018 vom 16. März 2018 E. 3.4). Materielle oder prozessuale Rechtsfehler sind in erster Linie im dazu vorgesehenen Rechtsmittelverfahren zu rügen. Der Anspruch auf ein verfassungsmässiges Gericht umfasst nicht die Garantie fehlerfreien richterlichen Handelns, soweit jedenfalls nicht besonders krasse oder wiederholte Irrtümer vorliegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_811/2010 vom 23. August 2010 E. 4.4.2, BGE 125 I 119 E. 3e).

      3. Krasse Rechtsfehler, die einer (schweren) Amtspflichtverletzung gleichkommen, sind vorliegend nicht ersichtlich. Aus der Abweisung der Beweisanträge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung lässt sich aufgrund objektiver Beurteilung keine Befangenheit des Gerichts ableiten. Das erstinstanzliche Gericht ist bei der Abweisung der Beweisanträge formell korrekt

        vorgegangen (vgl. Prot. I S. 49 ff., S. 54). Aus den Akten sind keine Umstände ersichtlich, die aus objektiver Sicht den Anschein erwecken, dass sich das Gericht durch die Abweisung der Beweisanträge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung in einem Mass festgelegt hätte, das das Verfahren nicht mehr als offen hätte erscheinen lassen. Wie der vorinstanzlichen Urteilsbegrün- dung entnommen werden kann, bestand aus Sicht des erstinstanzlichen Gerichts im Zeitpunkt der Beurteilung der Beweisanträge vor Durchführung der Parteivorträge keine Veranlassung, an der Richtigkeit der Übersetzungen zu zweifeln (Urk. 112 S. 11). Ebenso geht aus der Urteilsbegründung hervor, dass sich die Vorinstanz bei ihrer Urteilsfindung materiell mit den Beweisanträgen auseinandergesetzt hat (Urk. 112 S. 11, S. 54, S. 67 f., S. 75, S. 84; Urk. 121

        S. 2 f.; vgl. auch Urk. 140 S. 7). Bei gegebener Ausgangslage wird nicht der Anschein erweckt, dass die Vorinstanz aufgrund einer vorgefassten Meinung nicht gewillt gewesen wäre, noch Anträge zur Entlastung abzunehmen, wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 191 S. 5). Ebenso ist darin keine Beweislastumkehr zu sehen. Vielmehr geht aus der Urteilsbegründung hervor, dass nach Ansicht des vorinstanzlichen Gerichts keine Zweifel an der Ordnungsmässigkeit der Beweiserhebung im Zusammenhang mit der Übersetzung der Telefonprotokolle angezeigt gewesen seien und auch die Verteidigung keine solchen Zweifel habe zu wecken vermögen, weshalb eine Überprüfung der Übersetzungen als nicht erforderlich erachtet wurde. Mit anderen Worten erachtete die Vorinstanz die bei den Akten liegenden Übersetzungen der TKProtokolle bzw. Audio-Gespräche als ordnungsgemäss erhoben und vollständig im Sinne von Art. 343 Abs. 1 und 2 StPO.

      4. Dem Grundsatz nach ist das Gericht verpflichtet, von den Parteien fristund formgerecht gestellten Beweisanträgen zu entsprechen. Die Parteien besitzen aber keinen uneingeschränkten Anspruch auf Gutheissung ihrer Anträge. Gemäss Art. 6 EMRK besteht nur ein Anspruch auf Berücksichtigung solcher Beweise, welche nach pflichtgemässem richterlichen Ermessen entscheidungserheblich bzw. für die Wahrheitsfindung beachtlich sein könnten. Gemäss Art. 139 Abs. 2 StPO und Art. 318 Abs. 2 StPO können Beweisanträge abgelehnt werden, wenn damit die Beweiserhebung über Tatsachen verlangt wird,

        die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind. Entgegen der Verteidigung bedeutet dies aber nicht, dass die Beweisbehauptung unbesehen als richtig anzusehen ist (Urk. 191

        S. 11, S. 25, S. 32, S. 34). Der Verteidiger spricht damit die sog. Wahrunterstellung an, bei welcher die Abnahme von beantragten Beweisen unterbleiben kann, wenn anstelle dessen die Fiktion tritt, der Beweis sei gelungen (Urteil des Bundesgerichts 6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 2.3). Das ist aber nur eine mögliche Variante eines zulässigen Verzichts auf eine Beweisabnahme. Davon zu unterscheiden sind die in Art. 139 Abs. 2 StPO sowie Art. 318 Abs. 2 StPO ausdrücklich genannten Varianten (unerheblich, offenkundig, bereits bekannt oder rechtsgenügend nachgewiesen) sowie die im Gesetz nicht ausdrücklich geregelte antizipierte Beweiswürdigung.

      5. Wie gesehen ist der vorinstanzlichen Urteilsbegründung zu entnehmen, dass eine Überprüfung der Übersetzung bzw. eine wiederholte Übersetzung ausgewählter Passagen nicht als notwendig angesehen wurde, weil das Gericht die bereits bei den Akten liegenden Übersetzungen als genügend verlässlich erachtete. Damit stellte sich die Vorinstanz sinngemäss auf den Standpunkt, dass die Tatsachen, über welche gemäss Antrag der Verteidigung Beweis erhoben werden sollte, bereits hinreichend bekannt waren. Ob dieser in pflichtgemässer Ausübung des Ermessens erfolgte Entscheid einer Überprüfung in materieller Sicht standhält, wird im Rahmen der Sachverhaltserstellung im Einzelnen zu prüfen sein. Eine krasse Rechtsverletzung, die einer Amtspflichtverletzung gleichkommt, wie es für die Annahme der Befangenheit notwendig wäre, ist darin aber jedenfalls nicht zu sehen.

      6. Ebenso nicht als befangen erscheinen lässt es das vorinstanzliche Gericht, wenn - wie die Verteidigung mutmasst - bereits vor der Hauptverhandlung eine schriftliche Begründung vorgelegen haben sollte (Urk. 191 S. 7). Die Skizzierung eines Urteilsentwurfes im Sinne einer schriftlichen Vorbereitung zur vorläufigen Meinungsbildung im Hinblick auf die Verhandlung ist nach ständiger Rechtsprechung nicht zu beanstanden (vgl. dazu 6B_499/2017 vom 6. November 2017 E. 1.3.3, BGE 134 I 238 E. 2.3).

      7. Mithin ist nicht von einem im Berufungsverfahren nicht zu heilenden wesentlichen Verfahrensmangel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO auszugehen. Entsprechend ist dem seitens der Verteidigung gestellten Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz keine Folge zu leisten.

    1. Anklageprinzip
      1. Die Verteidigung sieht durch den vorinstanzlichen Schuldspruch be-

        treffend Anklageziffer 8 (Sicherstellungen in der Wohnung am F.

        ... in

        G. ) das Anklageprinzip verletzt, da dieser über das hinaus gehe, was die Anklageschrift behaupte. Grundsätzlicher gehe es darum, dass die Anklageschrift in diesem Punkt dem Anklageprinzip nicht genüge. Da der Vorwurf nicht eindeutig sei, könne man sich dagegen nicht verteidigen, weshalb auf Anklageziffer 8 eigentlich nicht einzutreten sei. Da es keinen Nachteil für den Beschuldigten bedeute, verlange er aber einen Freispruch (Urk. 191 S. 8).

      2. Zur Begründung bringt die Verteidigung vor, dass die Anklageschrift dem Beschuldigten lediglich das Erlangen und Deponieren von 40 Gramm KokainGemisch und weiteren kleineren Portionen Phenacetin und MDMA vorwerfe, nicht aber, dass diese Drogen bzw. das Phenacetin zur Veräusserung bestimmt gewesen seien. Damit fehle die Behauptung, dass die fraglichen Betäubungsmittel zur Weitergabe und nicht bloss zum Eigenkonsum gemäss Art. 19a BetmG bestimmt gewesen seien. Das vorinstanzliche Urteil sei mit ihrem Schuldspruch über den Sachverhalt hinausgegangen, wenn es den Tatbestand von Art. 19 BetmG als erfüllt erachtet habe (a.a.O.).

      3. Die Staatsanwaltschaft entgegnete in ihrer Berufungsantwort, dass sie in Anklageziffer 8 den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln eingeklagt habe, was nach wie vor nach Art. 19 Abs. 1 BetmG strafbar sei (Prot. II S. 15).

      4. Soweit der in Anklageziffer 8 umschriebene Anklagesachverhalt in sachverhaltlicher Hinsicht erstellbar ist, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein, welche Bedeutung dem Umstand zukommt, dass der Anklageschrift nicht zu entnehmen ist, dass die beim Beschuldigten sichergestellten

        Drogen bzw. das Phenacetin zur Veräusserung bestimmt gewesen seien und ob das dem Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten unter die Bestimmung von Art. 19 Abs. 1 BetmG oder aber unter Art. 19a BetmG zu subsumieren ist.

      5. Eine Verletzung des Anklageprinzips ist entgegen der Ansicht der Verteidigung aber nicht ersichtlich. Der Anklagevorwurf ist klar.

    1. Verwertbarkeit der Beweismittel
      1. Zugang zu den Datenträgern betreffend die Überwachungsmassnahmen
        1. Die Verteidigung weist zu Recht darauf hin, dass der beschuldigten Person gestützt auf den Anspruch auf rechtliches Gehör und den Grundsatz des fairen Verfahrens grundsätzlich das uneingeschränkte Recht zukommt, in alle für das Verfahren wesentlichen Akten Einsicht zu nehmen (Urk. 191 S. 9, vgl. dazu etwa das Urteil des Bundesgerichts 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.1 mit Hinweisen und Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO). Ferner hat die beschuldigte Person das Recht, an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (a.a.O.).

        2. Gestützt auf die im Strafverfahren auf sämtlichen Verfahrensstufen geltende Dokumentationspflicht im Zusammenhang mit Überwachungsmassnahmen ist der beschuldigten Person im Rahmen ihres Akteneinsichtsrechts nach Art. 101 f. StPO nicht nur Einsicht in die Protokolle von Gesprächsaufzeichnungen zu gewähren, sondern es sind ihr auch die Archivdatenträger mit den Aufzeichnungen der Fernmeldeüberwachung zugänglich zu machen (Urteil des Bundesgerichts 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.4 mit Hinweisen). Das Akteneinsichtsrecht soll sicherstellen, dass die beschuldigte Person als Verfahrenspartei von den Entscheidgrundlagen Kenntnis nehmen und sich wirksam und sachbezogen verteidigen kann. Die effektive Wahrnehmung dieses Anspruchs setzt mit der Verteidigung notwendigerweise voraus, dass die Akten vollständig sind. In einem Strafverfahren bedeutet dies, dass die

          Beweismittel, jedenfalls soweit sie nicht unmittelbar an der gerichtlichen Hauptverhandlung erhoben werden, in den Untersuchungsakten vorhanden sein müssen und aktenmässig belegt ist, wie sie produziert wurden. Damit soll die beschuldigte Person in die Lage versetzt werden, zu prüfen, ob die Beweismittel inhaltliche oder formelle Mängel aufweisen, um gegebenenfalls Einwände gegen deren Verwertbarkeit zu erheben. Dies ist Voraussetzung dafür, dass sie ihre Verteidigungsrechte überhaupt wahrnehmen kann, wie dies Art. 32 Abs. 2 BV verlangt (a.a.O. E. 2.3.1). Ist die Erhebung der Beweismittel für die beschuldigte Person nicht nachvollziehbar, dürfen diese nicht verwertet werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.3). Entsprechend ist der Verteidigung zu folgen, wenn sie ausführt, dass Protokolle von Gesprächsaufzeichnungen nicht verwertbar sind, solange die Aufzeichnungen in der Form von lesbaren Datenträgern fehlen (Urk. 191 S. 9).

        3. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei der Anklagebegründung hauptsächlich auf die Erkenntnisse aus zahlreichen überwachten Telefonanschlüssen sowie weiterer Überwachungsmassnahmen (Urk. 101/4, Urk. 192, vgl. zum Verfahrensgang Urk. 112 S. 4 f.). Auf Antrag der Verteidigung wurden im vorinstanzlichen Verfahren sämtliche Datenträger der Überwachungsmassnahmen gegen A. A1. , D. D1. und H. H1. der Verteidigung bzw. dem Beschuldigten zur Verfügung gestellt und hernach in die Akten der jeweiligen Zielpersonen integriert (Urk. 112 S. 5 f. mit Verweis auf Urk. 41; Beschuldigter: Aktion I. : TK-Linien 01-02, überführt in Aktion E. [TK-Linien A1-A2, vgl. Urk. 47 und Urk. 1/8 S. 2 f.], TK-Linien A1-A12 [Urk. 47] in die Akten des vorliegenden Verfahrens; TK Linien L1-L8 betreffend D. D1. in die Akten des Verfahrens DG160071, Urk. 33 und TK

          Linien N1-N2 betreffend H.

          H1. in die Akten des Verfahrens

          DG160067, Urk. 36 [vgl. Urk. 48, und Urk. 112 S. 5 f., S. 16]). Ebenso der Verteidigung bzw. dem Beschuldigten auf entsprechenden Antrag zur Verfügung gestellt bzw. in die Akten des vorliegenden Verfahrens integriert wurden die im Rahmen der Aktion E. geführten Überwachungsmassnahmen gegen eine unbekannte Person unter dem internen Pseudonym J. (Urk. 112

          S. 16 mit Verweis auf Urk. 50 und Urk. 85, TK Linien K1-K3 betreffend

          J. [Urk. 88]). Wie gesehen hat sich im Laufe des obergerichtlichen Verfahrens herausgestellt, dass einige Datenträger nicht (mehr) lesbar waren bzw. eine CD ganz fehlte, woraufhin die Kantonspolizei neue lesbare Duplikate der entsprechenden Original-Datenträger erstellte und diese zu den Akten genommen wurden (vgl. vorstehende Erw. 1.5). Damit erweisen sich die Akten hinsichtlich der Überwachungsmassnahmen betreffend die Aktion E. im Sinne der vorstehend skizzierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung als vollständig.

        4. Weitere Datenträger wurden von der Vorinstanz nicht beigezogen. Insbesondere wurde im Vorfeld der Hauptverhandlung einstweilen darauf verzichtet, Datenträger im Zusammenhang mit den Überwachungsmassnahmen gegen

          B.

          sowie K.

          beizuziehen. Die Vorinstanz begründete diesen Entscheid damit, dass nach vorläufiger Einschätzung die Aussagen dieser Personen angesichts des Anklagevorwurfes für die Urteilsfindung als nicht relevant erscheinen bzw. die Gespräche zwischen B. und dem Beschuldigten aufgrund der beigezogenen Datenträger betreffend den Beschuldigten bereits bei den Akten liegen würden (Urk. 94 S. 2 f.).

          Wie aus der Urteilsbegründung der Vorinstanz hervorgeht, hat sich im Zuge der Beratung dann aber herausgestellt, dass es hinsichtlich des unter Anklageziffer 1 zur Anklage gebrachten Vorganges 40 im Wesentlichen ein Gespräch zwi-

          schen B.

          und seinem Mitbewohner L. gegeben hat, welches für

          die Urteilsfindung von ausschlaggebender Bedeutung gewesen wäre. Bei diesem Gespräch war der Beschuldigte weder anwesend noch hatte er es im Untersuchungsverfahren im Originalton abgehört (Urk. 112 S. 17). Da ein Beizug der Originalaufzeichnung im Zeitpunkt der Beratung aufgrund der Alleinstellung des Beweismittels nach Auffassung der Vorinstanz zwar zu begrüssen gewesen wäre, ein solcher aber zu einer Verfahrensverzögerung geführt hätte, verzichtete die Vorinstanz darauf und sprach den Beschuldigten von dem unter Anklageziffer 1 umschriebenen Anklagevorwurf betreffend Vorgang 40 frei (Urk. 112 S. 17).

          Wie gesehen umfasst das Akteneinsichtsrecht im Zusammenhang mit Fernmeldeüberwachungsmassnahmen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur das Recht auf Einsicht in die TK-Protokolle, sondern auch den Zugang zu den Datenträgern mit den Aufzeichnungen der Fernmelde- überwachung (vgl. vorstehende Erw. 2.3.1.2). Entsprechend wäre ein Beizug der Originalaufzeichnung nicht nur begrüssenswert gewesen, sondern Voraussetzung für die Verwertbarkeit. Soweit die Gesprächsaufzeichnungen nicht bei den Akten liegen, dürfen die als Beilage zum Polizeirapport vom 2. September 2015 bei den Akten liegenden Gesprächs-Protokolle sowie die entsprechenden Ausführungen im Polizeirapport mit der Verteidigung damit auch an anderer Stelle nicht zur Sachverhaltserstellung herangezogen werden (Urk. 191 S. 9 f.).

        5. Eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist gleichwohl nicht gegeben. Wie die Vorinstanz unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung richtig dargelegt hat, besteht kein umfassendes Akteneinsichtsrecht in frühere konnexe Verfahren (Urk. 112 S. 5, Urk. 191 S. 9 mit Verweis auf BGE 140 IV 40 E. 4.1). In getrennt geführten Verfahren kommt der beschuldigten Person im jeweils anderen Verfahren keine Parteistellung zu. Es besteht daher kein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme an den Beweiserhebungen und an den Einvernahmen der anderen beschuldigten Personen im eigenständigen Untersuchungsoder Hauptverfahren (Urk. 112 S. 12 mit Verweis auf Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario und BGE 141 IV 220 E. 4.5). Ebenso wenig hat der separat Beschuldigte in den abgetrennten Verfahren einen Anspruch auf Akteneinsicht als Partei (Art. 101 Abs. 1 StPO). Er ist dort nötigenfalls als Auskunftsperson zu befragen bzw. als nicht verfahrensbeteiligter Dritter zu behandeln. Bei getrennt geführten Verfahren ist die Akteneinsicht an (nicht verfahrensbeteiligte) Dritte nur zu gewähren, wenn diese dafür ein wissenschaftliches oder ein anderes schützenswertes Interesse geltend machen und der Einsichtnahme keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (Art. 101 Abs. 3 StPO, Urteil des Bundesgerichts 1B_124/2016 vom 12. August 2016 E. 4.6). Soweit es also um Überwachungsmassnahmen geht, die nicht den Beschuldigten als Zielperson hatten, ist demnach nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz ausführt, dass es am

Beschuldigten gelegen hätte, die seiner Ansicht nach wesentlichen Gespräche zu bezeichnen (Urk. 112 S. 16 f.). Wenn aber zulasten des Beschuldigten auf die entsprechenden Protokolle abgestellt werden soll, umfasst das Akteneinsichtsrecht wie gesehen auch das Recht, die den Protokollen zugrundeliegenden Audioaufzeichnungen zu konsultieren.

      1. Wahrung des Konfrontationsrechtes
        1. Wie gesehen kommt beschuldigten Personen in getrennt geführten Verfahren im jeweils anderen Verfahren keine Parteistellung zu (vgl. vorstehende Erw. 2.3.1.5). Die Verwertbarkeit entsprechender Einvernahmen steht aber unter dem Vorbehalt der Wahrung des konventionsund verfassungsmässigen Konfrontationsrechtes, wonach der beschuldigten Person oder ihrer Verteidigung im Verlauf des gesamten Verfahrens einmal angemessene und hinreichende Gelegenheit zu bieten ist, die sie belastenden Aussagen in Zweifel zu ziehen und Fragen an den (Mit-)Beschuldigten im getrennten Verfahren zu stellen (Urk. 112 S. 12 f. mit Verweis auf BGE 140 IV 172 E. 1.3, vgl. auch BGE 141 IV 220 E. 4.5 je mit Hinweisen).

        2. Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, wurde dieses Recht dem Beschuldigten vorliegend grundsätzlich gewahrt und mit sämtlichen im vorliegenden Verfahren einvernommenen Personen eine Konfrontationseinvernahme durchgeführt (vgl. Urk. 112 S. 12 f.). Hinsichtlich der seitens der Verteidigung vor Vorinstanz noch vorgebrachten Rüge, wonach sein Klient das Fragerecht

          betreffend D.

          materiell nicht habe ausüben können, da dieser an den

          Konfrontationseinvernahmen vom 15. März 2016 wie auch an der Hauptverhandlung mehrheitlich von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht habe, hat die Vorinstanz zutreffend in Betracht gezogen, dass unter gewissen Umständen auch bei Nichtbeantwortung von Ergänzungsfragen belastende Aussagen verwertet werden können (Urk. 112 S. 13 f. mit Verweis auf BGE 124 I 274 E. 5.b). Gleiches gilt in Bezug auf die Aussagen von M. , hinsichtlich welcher die Verteidigung ebenfalls die Unverwertbarkeit geltend macht (Urk. 191 S. 35).

        3. Grundsätzlich verlangt der konventionsrechtliche Konfrontationsanspruch, dass der Beschuldigte in die Lage versetzt wird, sein Fragerecht tatsächlich auszuüben und damit die Glaubhaftigkeit einer Aussage infrage stellen zu können, worauf auch die Verteidigung vor Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat (Urk. 101/7 S. 5). Dies setzt in aller Regel voraus, dass sich die einvernommene Person in Anwesenheit des Beschuldigten (nochmals) zur Sache äussert (Urteil des Bundesgerichts 6B_839/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 1.4.1 und 1.4.2 mit Hinweisen, vgl. auch Urk. 112 S. 13). Dem Anspruch, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, kommt grundsätzlich absoluter Charakter zu. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) kann jedoch auf eine Konfrontation des Beschuldigten mit dem Belastungszeugen oder auf die Einräumung der Gelegenheit zu ergänzender Befragung des Zeugen unter besonderen Umständen verzichtet werden. So unter anderem, wenn der Belastungszeuge berechtigterweise das Zeugnis verweigert. Erforderlich ist in diesen Fällen jedoch, dass der Angeschuldigte zu den belastenden Aussagen hinreichend Stellung nehmen konnte, die Aussagen sorgfältig geprüft wurden und ein Schuldspruch nicht allein darauf abgestützt wurde. In neueren Entscheiden relativierte der EGMR seine bisherige Rechtsprechung insofern, als unter Umständen auch ein streitiges Zeugnis von ausschlaggebender Bedeutung (preuve unique ou déterminante) ohne Konfrontation mit dem Belastungszeugen verwertbar sein kann, wenn ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind, um den Anspruch des Angeschuldigten auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der Verlässlichkeit des Beweismittels zu gewährleisten (Urteil des Bundesgerichts 6B_75/2013 vom 10. Mai 2013

          E. 3.3.1 mit Hinweisen). Die Frage, ob bei widersprüchlichen Aussagen oder späteren Erinnerungslücken eines Zeugen auf die ersten, in Abwesenheit des Beschuldigten erfolgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die Verwertbarkeit, sondern die Würdigung der Beweise (Urteil des Bundesgerichts 6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 2.3.3).

        4. Die Aussagen von D.

          in der Einvernahme vom 8. April 2015

          machte dieser als beschuldigte Person in dem gegen ihn geführten Strafverfahren (Urk. 10/6). Als ihm diese in Anwesenheit des Beschuldigten am

          15. März 2016 - in der Rolle als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. f StPO und unter Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht - nochmals vorgehalten worden waren, verweigerte er die Aussagen und beantwortete auch keine Ergänzungsfragen der Verteidigung des Beschuldigten (vgl. Urk. 9/17

          S. 4 ff.). Zwar trifft es mit der Vorinstanz zu, dass bei den Konfrontationseinvernahmen nicht nur D. von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte, sondern auch der Beschuldigte darauf verzichtete, zu den früheren Aussagen von D.

          Stellung zu nehmen bzw. diesem Ergänzungsfragen zu stellen (Urk. 112 S. 14 mit Verweis auf Urk. 9/17 und Prot. I S. 9 f.). Das war sein gutes Recht. Angesichts des von D. in Anspruch genommenen Aussageverweigerungsrechts muss - entgegen der Vorinstanz (a.a.O.) - indessen eher bezweifelt werden, dass dieser bereit gewesen wäre, Ergänzungsfragen des Beschuldigten zu beantworten. Die von der Verteidigung des Beschuldigten gestellten Ergänzungsfragen beantwortete D. jedenfalls nicht (Urk. 9/17 S. 11 f.). Das macht die früheren Aussagen von D. aber nicht per se unverwertbar. Ob auf die Aussagen vom 8. April 2015 im Sinne der vorstehend zitierten Rechtsprechung zulasten des Beschuldigten abgestellt werden kann, wird im Rahmen der Beweiswürdigung zu prüfen sein (betrifft Anklageziffer 4 [Vorgang 35]).

        5. Gleiches gilt in Bezug auf die Aussagen von C.

          und M. ,

          welche ihre ursprünglichen Geständnisse im Laufe des Verfahrens ebenfalls zurückgezogen hatten (Anklageziffer 6 [Vorgang 10] und 7 [Vorgang 11]).

        6. Mit N. , gegen welchen ebenso ein separates Strafverfahren geführt wurde [vgl. dazu Urk. 35/3], wurde der Beschuldigte nicht konfrontiert. Soweit im Folgenden auf die Vorinstanz verwiesen wird, ist klarzustellen, dass Aussagen von N. nicht zur Erstellung des Sachverhaltes herangezogen werden dürfen und demnach die Verwendung dieser Aussagen von allfälligen Verweisen nicht umfasst ist (vgl. dazu etwa Urk. 112 S. 19 und 26).

      1. Zu den Protokollen der Einvernahmen mit C. (Anklageziffer 6, Vorgang 10, Urk. 18/3-5)
        1. Die Verteidigung macht die Unverwertbarkeit der Einvernahmen von C. geltend (Urk. 191 S. 10 mit Verweis auf Urk. 18/3, 4, 5 und Urk. 32 im

          Verfahren gegen C.

          SB170263, vgl. auch Urk. 191 S. 34). Zur Begründung schliesst sie sich - unter Bezugnahme auf die im vorliegenden Verfahren beigezogenen Akten des gegen C. geführten Strafverfahrens - den Ausführungen der Verteidigung von C.

          an (vgl. zum Beizug der Akten

          Urk. 173). Wie die Verteidigung von C. in jenem Verfahren stellt sich die Verteidigung auch im hiesigen Verfahren auf den Standpunkt, dass C. im Untersuchungsverfahren nicht genügend verteidigt gewesen sei, weshalb die von ihm gemachten Aussagen im Sinne von Art. 131 Abs. 3 StPO nicht verwertbar seien (a.a.O.).

        2. Entgegen der Vorbringen der Verteidigung liegen keine Anhaltspunkte vor, aufgrund derer auf die Unverwertbarkeit der im vorliegenden Verfahren bei

den Akten liegenden Einvernahmeprotokolle von C.

zulasten des Beschuldigten geschlossen werden müsste. C.

war in dem gegen ihn geführten Strafverfahren ab der ersten Einvernahme anwaltlich verteidigt (vgl.

Urk. 18/1). Die Einvernahme vom 6. Juli 2016, in welcher C.

als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. f StPO einvernommen worden war, erfolgte sodann unter anderem in Anwesenheit des Beschuldigten sowie seiner Verteidigung, wobei der Verteidigung Gelegenheit zur Stellung von Ergän- zungsfragen eingeräumt wurde (Urk. 18/5 S. 1 ff., S. 8). Ob C. nicht gehörig verteidigt gewesen sein könnte, wie dies seine Verteidigung in dem gegen ihn geführten Strafverfahren vor Berufungsgericht geltend machte, ist nicht im vorliegenden Verfahren zu entscheiden. Was das vorliegende Verfahren betrifft,

ist von der Verwertbarkeit der Einvernahmen von C.

auszugehen. Aus

den beigezogenen Akten des gegen C.

geführten Strafverfahrens und

dem mittlerweile in Rechtskraft erwachsenen Urteil in jener Sache ergibt sich im Übrigen nichts anderes (beigezogene Akten im Verfahren SB170263 und Urteil des Obergerichts Zürich, II. Strafkammer, vom 24. April 2019 [Urk. 173]).

    1. Beweisanträge der Verteidigung
      1. Wie gesehen stellte die Verteidigung im Vorfeld zur Berufungsverhandlung mit Eingabe vom 9. November 2018 den Beweisantrag, es seien verschiedene Stellen der von der Staatsanwaltschaft aufgezeichneten Telefonund Audiogespräche sowie Textnachrichten durch einen Türkischbzw. Zazaki- Übersetzer neu zu übersetzen (vgl. vorstehende Erw. 1.4 mit Verweis auf Urk. 178 und Urk. 182).

      2. Bereits im Beschluss vom 26. April 2018 wurde dargelegt, dass im schweizerischen Strafprozess das beschränkte Unmittelbarkeitsprinzip gilt, bei welchem sich das Gericht in der Regel auf das Beweisergebnis der Voruntersuchung und damit auf die Akten abstützt, soweit nicht wesentliche umstrittene Tatsachen und neues Beweismaterial zur Diskussion stehen. Beweiserhebungen von Seiten des Gerichts stellen somit die Ausnahme dar, es sei denn, die Beweise sind neu oder unvollständig (Art. 343 Abs. 1 StPO), nicht ordnungsgemäss erhoben worden (Art. 343 Abs. 2 StPO), oder die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels ist für die Urteilsfällung notwendig (Art. 343 Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 331 Abs. 2 Satz 1 StPO sind solche Beweisanträge sodann zu begründen (Urk. 140 S. 6 f.).

      3. Entgegen der Verteidigung (Urk. 191 S. 6) ist in der beantragten Neu- Übersetzung gewisser Passagen nicht das Anerbieten von neuem Beweismaterial zu sehen. Beweisgegenstand sind die aufgezeichneten Gespräche, welche - soweit für das vorliegende Berufungsverfahren relevant - wie gesehen vollständig bei den Akten liegen. Ob sich eine neue Übersetzung der von der Verteidigung gerügten Passagen für die Sachverhaltserstellung als notwendig erweist, weil sich die Annahme einer falschen Übersetzung oder Interpretation aufdrängt, wie dies die Verteidigung geltend macht, wird im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden sein.

  1. Sachverhalt

    1. Vorbemerkung
      1. Die Verteidigung beantragt wie gesehen einen vollumfänglichen Freispruch (vgl. vorstehende Erw. 1.1 und 1.2). Der Beschuldigte machte während des gesamten Verfahrens von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (vgl. Urk. 112 S. 33 und 55, Urk. 9/1 - 19, Prot. I S. 26 ff., Urk. 190).

      2. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfene Taten, ist der Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime in dubio pro reo ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 137 IV 219 E. 7.3. mit Hinweisen). Nach Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). Sie verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).

      3. Der Beweiswürdigung voraus geht die Sammlung und Sichtung von (prozessual zulässigen) Beweismitteln, die zur Feststellung des tatbestandserheblichen Sachverhalts beitragen können (vgl. Art. 139 ff. StPO). Das Beweismaterial wird zunächst auf seine grundsätzliche Eignung und Qualität hin

        beurteilt: Einerseits müssen die einzelnen Beweismittel ihrer Natur und ihrer Aussage nach tatsächlich zur Klärung der konkreten Tatfrage beitragen können (Beweiseignung). Anderseits muss ihr grundsätzlicher Beweiswert feststehen. Die anschliessende Beweiswürdigung betrifft die inhaltliche Auswertung der aufgenommenen Beweismittel. Der In-dubio-Grundsatz wird erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit stellt er gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, widersprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegeneinander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. Dieses kann je nach Würdigung als gesichert erscheinen - sofern die Widersprüche bereinigt werden konnten - oder aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben. Das Beweisergebnis kann aber auch deswegen zweifelhaft sein, weil es im Kontext der feststehenden Tatsachen verschiedene Deutungen zulässt und damit verschiedene Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt. Zum Tragen kommt die In-dubio-Regel jetzt erst bei der Beurteilung des Resultats der Beweisauswertung, das heisst beim auf die freie Würdigung der Beweismittel folgenden Schritt vom Beweisergebnis zur Feststellung derjenigen Tatsachen, aus denen sich das Tatsachenfundament eines Schuldspruchs zusammensetzt (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1-2.2.3.2).

      4. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein indirekter Beweis (sog. Indizienbeweis) zulässig. Indizien (Anzeichen) sind Hilfstatsachen, die, wenn selber bewiesen, auf eine andere, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache schliessen lassen. Der erfolgreiche Indizienbeweis begründet eine der Lebenserfahrung entsprechende Vermutung, dass die nicht bewiesene Tatsache gegeben ist. Für sich allein betrachtet deuten Indizien jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache hin. Auf das einzelne Indiz ist der In-dubio-Grundsatz denn auch nicht anwendbar. Gemeinsam - einander ergänzend und verstärkend - können Indizien aber zum Schluss führen, dass die rechtserhebliche Tatsache nach der allgemeinen Lebenserfahrung gegeben sein muss. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichgestellt. Zu einer hinreichenden Gewissheit über

das Vorliegen eines Tatbestandsmerkmals führen nur sinnfällige Indizien: Der betreffende Umstand muss im gegebenen Kontext unzweideutig zur sachverhaltlichen Begründung des zu prüfenden Tatbestandsmerkmals beitragen. Dies trifft nicht zu, wenn ein Umstand als ambivalent erscheint, weil er mehrere Lesarten zulässt, also ebenso gut auch zu einem alternativen Szenario passt. Indizien können auch positiv auf eine ganz bestimmte alternative Hypothese hindeuten oder die Ausgangsthese eines tatbestandsmässigen Sachverhalts zugunsten eines nicht näher bestimmbaren Alternativsachverhalts zurückdrängen. Die Unschuldsvermutung ist verletzt, wenn der Grad an Wahrscheinlichkeit, mit welcher ein (inhaltlich oder auch nur seinem Bestand nach umschriebenes) Alternativszenario zutrifft, verkannt oder ein solches gar nicht erst in Betracht gezogen wird. Indizien sind oft nicht von vornherein einschlägig, weil sie nicht ausschliesslich auf ein bestimmtes Szenario hindeuten. Es gilt, die Indizien daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für eine Hypothese sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie je nach Kontext unterschiedlich verstanden werden können. Die In-dubio-Regel weist den Rechtsanwender an, ernsthaften Anhaltspunkten für alternative Sachverhalte nachzugehen und zu prüfen, ob sich daraus allenfalls ein unüberwindlicher Zweifel ergibt, der es verbietet, den tatbestandsmässigen Sachverhalt anzunehmen. Ist die Indizienlage widersprüchlich oder ambivalent, so muss (gegebenenfalls auf erweiterter Beweisgrundlage) geprüft werden, ob die alternative Hypothese genügend greifbar ist, um nachhaltige Zweifel an der Bestandeskraft der tatbestandsmässigen Variante zu wecken (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4-2.2.3.7).

    1. Anklageziffer 1 (Vorgang 01)
      1. Soweit für das vorliegende Berufungsverfahren noch relevant, wird dem Beschuldigten kurz zusammengefasst vorgeworfen, am 14. November 2013

        N.

        (separates Strafverfahren im Kanton Thurgau) beauftragt zu haben,

        nach Holland zu fahren, dort einen (den Strafbehörden unbekannten) Lieferanten zu treffen, von diesem Heroin zu übernehmen und dieses in die Schweiz zu

        bringen, welcher Aufforderung N.

        nachgekommen sei. Hierzu habe der

        Beschuldigte dem unbekannten Lieferanten am 14. November 2013 um

        14:49 Uhr die Rufnummer und den Rufnamen des Kuriers mitgeteilt (1

        N1. ). Am 15. November 2013 habe N.

        die von dem Lieferanten

        übergebenen 1,5 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) mit seinem Personenwagen Audi A6, Kontrollschilder ZH , in die Schweiz gebracht, wo er sich in der Nacht auf den 16. November 2013 an seinem damaligen Logisort an der O. -Strasse in Winterthur mit dem Beschuldigten getroffen habe (vgl. Urk. 37 S. 2 f. und Urk. 112 S. 18).

      2. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachte Vorgang 01 als erstellt, mit der Einschränkung, dass es sich bei der Lieferung - anstatt wie eingeklagt um Heroingemisch - allenfalls auch um Kokaingemisch gehandelt haben könnte (Urk. 112 S. 27).

      3. Sicherstellungen oder Personalbeweise in der Form von belastenden Aussagen bestehen mit der Verteidigung nicht (Urk. 178 S. 2, Urk. 191 S. 17). Die Vorinstanz stützte sich zur Erstellung des Sachverhaltes vorab auf diverse TK-Protokolle, welche dem Beschuldigten in der Einvernahme vom

        29. April 2015 vorgehalten worden waren (Urk. 112 S. 19 ff. mit Verweis auf Urk. 9/1 Beilage 1 - 16, entspricht den Beilagen zu Urk. 1/6).

      4. Der Beschuldigte äusserte sich nicht zu den Auszügen aus den TKProtokollen und verweigerte auch sonst seine Aussagen (vgl. schon vorstehende Erw. 3.1.1, insbesondere Urk. 9/1). Die Verteidigung kritisiert die von der Vorinstanz vorgenommene Interpretation der TK-Protokolle (Urk. 178 S. 2 f., Urk. 191 S. 17 ff.) und erachtet den Polizeirapport vom 2. September 2015 (Urk. 1/13) mit seinen Beilagen als willkürliches (und zielgerichtetes) Durcheinander, das die Vorinstanz trotz entsprechender Kritik der Verteidigung nicht durchschaut habe (Urk. 191 S. 19).

      5. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet. Mit der Vorinstanz kann aus der bei den Akten liegenden Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und dem Unbekannten mit den niederländischen Telefonnummern 2 und 3 (mit dem pol. Pseudonym P. bzw. P1. ) sowie den übrigen aus den Akten hervorgehenden Erkenntnissen nichts anderes geschlossen werden, als dass

        sich N.

        im Auftrag des Beschuldigten nach Holland begeben, die dort

        übernommenen Drogen in die Schweiz gebracht und diese dann dem Beschuldigten übergeben hat:

        1. Der Kommunikationsverlauf zwischen dem unbekannten Gesprächs-

          partner und dem Beschuldigten (TK-Linie 01 A1.

          [4]) liegt wie gesehen

          bei den Akten und kann dem vorinstanzlichen Urteil entnommen werden (vgl. vorstehende Erw. 2.3.1.3 und Urk. 112 S. 18 ff.).

        2. Von der Verteidigung wird anerkannt, dass es der Beschuldigte war, der am 13. und am 14. November 2013 bis um 10:26 Uhr unter der Rufnummer 4 mit einer den Strafbehörden unbekannten Person telefoniert hat (Urk. 191

          S. 18). Zumindest für diesen Zeitraum sind die entsprechenden Gesprächsprotokolle der TK-Linie 01 A1. , überwachter Anschluss 4, eingelöst auf den Namen Q. , dem Beschuldigten zuzuordnen (Urk. 9/1 Beilage 1-3).

        3. Wenn die Verteidigung glauben machen will, dass es beim Gespräch am 13. und 14. November 2013 bis um 10:26 Uhr nicht um N. , sondern um einen Albaner gegangen sei, welcher nach Amsterdam habe fahren oder fliegen wollen (Urk. 191 S. 18), macht dies überhaupt keinen Sinn. Es gibt nichts, was auch nur annähernd auf ein solches Szenario hindeuten würde.

        4. Aus dem Gespräch zwischen dem niederländischen Kommunikationspartner und dem Beschuldigten vom 13. November 2013 um 18:22 Uhr geht mit der Vorinstanz hervor, dass eine Drittperson offenbar einen Unfall hatte und deshalb nicht einsatzbereit war, woraufhin der niederländische Kommunikationspartner den Beschuldigten fragte, ob er jemanden schicken könne, was dieser zunächst in Frage stellte (Urk. 112 S. 19 f. mit Verweis auf Urk. 9/1 Beilage 1). Der Unfall stellte gemäss dem unbekannten Gesprächspartner insbesondere ein Problem dar, weil der Verunfallte nun zuerst wieder ein Auto kaufen und dieses machen müsse (Urk. 9/1 Beilage 1: Ja, dieser Schwuchtel muss jetzt, morgen ein Auto kaufen, das Auto machen, du weisst es doch). Entscheidend war also das Transportmittel Auto, mit welchem noch etwas gemacht werden musste, bevor es für die Reise verwendet werden konnte. Offenbar

          konnte der Beschuldigte dann aber jemanden organisieren (Urk. 9/1 Beilage 2: Ich schicke den Kollegen), woraufhin sich der Gesprächspartner erkundigte, ob dieser Dingsda, um zu verstecken habe, was der Beschuldigte bejahte und erklärte, dass dieser herumreise und immer wieder zurückgehe (Urk. 9/1 Beilage 3). Es ging also darum, etwas im Auto zu verstecken, um es so zu transportieren, wie dies bereits die Vorinstanz erkannt hat (Urk. 112 S. 20). Ob der Beschuldigte daneben noch andere Telefongespräche - unter anderem am

          14. November 2013 um 17:54 Uhr mit einem Benützer einer mazedonischen Rufnummer - geführt hat, wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 101/7

          S. 11, Urk. 178 S. 3 f., Urk. 191 S. 18), kann dahingestellt bleiben. Auch wenn sich aus einem anderen Gespräch ergeben würde, dass der Beschuldigte auf einen Albaner wartete, der nach Amsterdam reisen wollte, lässt sich der Inhalt der vorstehend thematisierten Telefongespräche des Beschuldigten mit dem unbekannten Gesprächspartner vom 13. und 14. November 2013 nicht in diesem Kontext verstehen. Aus diesen Gesprächen und Kurznachrichten geht wie gesehen eindeutig hervor, dass es um den Transport einer zu versteckenden Ware ging. Gesucht wurde ein Transporteur sowie ein Auto mit einem Versteck als Transportmittel.

        5. Unter Verweis auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz ist sodann erstellt, dass es sich beim Transporteur um N. gehandelt haben muss (Urk. 112 S. 20 ff.):

          Dafür spricht zunächst die Kurznachricht vom 14. November 2013 um 14:49 Uhr mit dem Inhalt 1 N1. . Die Kurznachricht wurde versandt von der Rufnummer, welche der Beschuldigte gleichentags und auch am Vortag unbestrittenermassen verwendet hatte, an die Rufnummer des unbekannten Gesprächspartners (Urk. 9/1 Beilage 8) und folgte auf die Frage, was los sei und ob der Kollege schon hier oder erst abgefahren sei, sowie in Ergänzung zu einer weiteren Nachricht, wo in Aussicht gestellt wurde, dass er in einer Stunde dort sei (Urk. 9/1 Beilage 6 und 7, um 14:45 Uhr und 14:47 Uhr).

          Wenn die Verteidigung geltend macht, dass diese drei Nachrichten nicht vom Beschuldigten versandt bzw. empfangen worden seien, sondern von jemandem

          in seinem Umfeld (Urk. 191 S. 18 f.), vermag dies nicht zu überzeugen. Der Zusammenhang der zwischen dem Beschuldigten und dem unbekannten Gesprächspartner geführten Gespräche sowie der versandten Kurznachrichten ist augenscheinlich. Ganz offensichtlich geht es bei sämtlichen bei den Akten liegenden Protokollen der Gespräche und Kurznachrichten vom 13. November bis zum 14. November 2013 um die Organisation sowie Abwicklung der Kurierfahrt sowie dem Treffen des Kuriers mit dem unbekannten Lieferanten.

          Wie dargelegt ergibt sich aus den Gesprächen zwischen dem Beschuldigten und dem unbekannten Gesprächspartner, welche den Kurznachrichten vorausgegangen waren, dass der Beschuldigte jemanden zum Lieferanten geschickt hatte, um etwas in einem Fahrzeug zu verstecken (vgl. vorstehende Erw. 3.2.5.4). Und aus dem diesen Kurznachrichten folgenden Gespräch vom

          14. November 2013 um 16:26 Uhr zwischen wiederum denselben Anschlüssen geht hervor, dass nun offenbar jemand angekommen war, woraufhin der Lieferant erklärte, dass dieser in die Bar hineinkommen solle (Urk. 9/1 Beilage 9).

          Dass es sich dabei um N.

          gehandelt haben muss, ergibt sich aus der

          Kurznachricht 1 N1. . Dass N. diese Telefonnummer verwendete, wird auch von der Verteidigung nicht in Abrede gestellt. Sie kritisiert einzig, dass die Vorinstanz sich im Zusammenhang mit dem Sachverhalt im November

          2013 versehentlich auf eine von N.

          an A.

          versandte SMS vom

          14. Dezember 2013 berufen habe (Urk. 191 S. 19), was wohl zutrifft (vgl. Urk. 112 S. 21 ff.). Jedenfalls findet sich mit der Verteidigung in den Akten keine Nachricht vom November 2013, wo N. dem Beschuldigten mitgeteilt hät- te, dass er sich nun auf den Weg mache. Tatsächlich wurde die Nachricht von 1 an 4 (TK-Linie 01 A1. ) mit dem Inhalt UY TAMAMDUR EVE GIDIYORUM BEN VARINCA ARARIM KENDINE IYUBAK, übersetzt: Alles ist in Ordnung, ich gehe nach Hause. Wenn ich angekommen bin, gebe ich dir Bescheid. Pass auf dich gut auf. erst am 14. Dezember 2013 versandt (Urk. 9/1 Beilage 30, um 21:28:30 Uhr), worauf an sich auch die Vorinstanz verweist (Urk. 112

          S. 21). Dies ändert aber nichts daran, dass die Nummer 1 N. zuzuordnen ist. Denn genau dieselbe vorstehend erwähnte Mitteilung hat N. auch von seinem anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefon mit der Rufnummer 5 an den Beschuldigten versandt (vgl. dazu Urk. 1/13 S. 16 f. mit Verweis auf Urk. 41d [= Urk. 9/6 Beilage 41d], Urk. 12/6 S. 5 f., Urk. 112 S. 21). Wie die Vorinstanz sodann richtig dargelegt hat, war die vom Beschuldigten und dem Lieferanten vereinbarte Adresse für den Treffpunkt mit der vom Beschuldigten zu organisierenden Drittperson ( [Adresse in Holland], vgl. dazu Urk.

          9/1 Beilage 3, 4 und 5) bei der Verhaftung von N.

          im Navigationsgerät

          seines Fahrzeuges Audi A6 (ZH ) als Zieladresse gespeichert (Urk. 112 S. 21 mit Verweis auf Urk. 1/13 Beilage 50b [ [Adresse in Holland]], vgl. auch Urk. 1/13 S. 9).

        6. Aufgrund des weiteren Nachrichtenverlaufs sowie der übrigen Aktenlage kann mit der Vorinstanz sodann nicht anders geschlossen werden, als dass N. die von dem unbekannten Lieferanten übernommene und in seinem Fahrzeug zu versteckende Lieferung anklagegemäss in die Schweiz verbrachte, und sie dort an seinem damaligen Logisort an der O. -Strasse in Winterthur (Wohnung c/o R. ) dem Beschuldigten übergeben hat.

          Auch die zur Erstellung dieses Sachverhaltsteils relevanten TK-Protokolle liegen bei den Akten. Die übersetzten Passagen, welche von der Vorinstanz zur Sachverhaltserstellung herangezogen wurden, können dem vorinstanzlichen Urteil auszugsweise entnommen werden (Urk. 112 S. 22 mit Verweis auf Urk. 9/1 Beilage 10-15, Kurznachrichten vom 15. November 2013):

          22:12:13 Uhr (an A. ):

          Was ist los Ist dein Kollege gekommen

          22:13:55 Uhr (von A. ): Nicht gekommen, ich warte.

          22:15:17 Uhr (an A. ):

          Warum hat er sich so verspätet. Ist der Mann vertrauenswürdig/zuverlässig.

          22:16:17 Uhr (von A. ): Heute sei er abgefahren

          22:18:42 Uhr (an A. ):

          Wenn er heute abgefahren wäre, wäre er längst angekommen. Ich vertraue dem Mann überhaupt nicht.

          22:20:40 Uhr (von A. ):

          Mach dir keine Sorgen, Wenn er da ist, sende ich dir eine·SMS.

        7. Die Verteidigung kritisiert die Übersetzung der TK-Protokolle, insbesondere hinsichtlich zweier Kurznachrichten (Urk. 191 S. 20, Urk. 178 S. 4 mit Verweis auf Beilagen 13 und 14 zu Urk. 1/6, identisch mit Beilagen 13 und 14 zu Urk. 9/1; vgl. vorstehende Nachrichten von 22:15 Uhr und 22:16 Uhr). Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 11) macht sie auch berufungsweise geltend, dass die Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und dem holländischen Gesprächsteilnehmer, anders als von der Staatsanwaltschaft dargestellt, vor dem Hintergrund eines Streites zwischen einer albanisch/mazedonischen Gruppierung und einer türkisch/kurdischen Gruppe zu sehen und zu interpretieren sei. Der Streit habe sich um Geldschulden gedreht, wobei die tür- kisch/kurdische Gruppierung die albanische um einen Betrag in der Grössenordnung von EUR 30'000.- hintergangen haben soll. Der Beschuldigte habe bei diesem Streit als Vermittler fungiert, da er Leute aus beiden Gruppierungen gekannt habe (Urk. 178 S. 2 f., Urk. 191 S. 17 ff.). Zentral für die Regelung des Konflikts sei ein Kurde mit türkischer Staatsangehörigkeit gewesen, der zur zweiten Gruppierung gehört habe und in Istanbul aus der Haft hätte entlassen werden sollen. Dieser sei in der Lage gewesen, eine substantielle Geldzahlung an die albanisch/mazedonische Gruppierung zu veranlassen, was die Beilegung des Konflikts erlaubt hätte. Solange er aber inhaftiert gewesen sei, seien die Verhandlungen stecken geblieben. Nach Darstellung der Verteidigung beziehen sich die Kurznachrichten vom 15. November 2013 ab 22:12 Uhr auf diesen Sachverhalt. Die beiden Textnachrichten gemäss Beilagen 13 und 14 zu Urk. 1/6, also die vorstehend abgedruckten Nachrichten von 22:15 und 22:16 Uhr, sollen sich demnach auf die Entlassung des Kurden beziehen. Entgegen der bei den Akten liegenden Übersetzung bedeute çikmis nicht abgefahren, sondern aus der Haft entlassen (Urk. 101/7 S. 12, Urk. 178 S. 4, Urk. 191 S. 20).

        8. Die Vorinstanz hat sich mit diesen Vorbringen der Verteidigung auseinandergesetzt und überzeugend dargelegt, weshalb die von der Verteidigung dargelegte Sachverhaltsvariante keinen Sinn macht. Mit der Vorinstanz ist näm- lich nicht einzusehen, weshalb sich der unbekannte Gesprächspartner mit der Vertrauenswürdigkeit bzw. Zuverlässigkeit eines aus der Haft entlassenen Kurden hätte befassen sollen (Urk. 112 S. 23). Die Sachverhaltsvariante der Verteidigung scheint konstruiert und findet in den Akten keine Stütze. Entgegen der Verteidigung lässt der Gesprächsinhalt im Kontext der feststehenden Tatsachen nicht die Deutung zu, dass es sich um die Organisation eines Vermittlungsgesprächs gehandelt haben könnte. Es gibt keine Anhaltspunkte, nicht auch die vorstehend abgedruckten Kurznachrichten vom 15. November 2013 im Kontext

          der Kurierfahrt von N.

          zu sehen, wie dies die Vorinstanz überzeugend

          dargelegt hat (Urk. 112 S. 23 f.). Das ergibt sich mit der Vorinstanz auch aus dem in den Akten dokumentierten weiteren Geschehensverlauf (Urk. 112

          S. 24). Um 23:30 Uhr erhielt der unbekannte Gesprächspartner von der vom Beschuldigten verwendeten Telefonnummer die Kurznachricht Angekommen (Urk. 9/1 Beilage 16). Gemäss unbestritten gebliebenem Wahrnehmungsbericht der Kantonspolizei Zürich vom 11. August 2015 machte sich der Beschuldigte in der gleichen Nacht um 00:40 Uhr zusammen mit S. von dessen Liegenschaft an der T. -Strasse in Winterthur mit dem auf N. eingelös- ten Mitsubishi Carisma, ZH , auf den Weg zum Wohnort von N. an der O. -Strasse in Winterthur, wo ihm auf sein Klingeln Einlass gewährt wurde (Urk. 1/13 Beilage 51a-c). Im Kontext dieser feststehenden Tatsache kann die an den unbekannten Gesprächspartner versandte Kurznachricht mit der Vorinstanz nur so verstanden werden, als dass N. zurückgekehrt war, und zwar mit der von ihm transportierten Lieferung (vgl. auch Urk. 112 S. 24). Und der Umstand, dass sich der Beschuldigte mitten in der Nacht auf den Weg

          zu N.

          gemacht hat, dessen Auftraggeber er war, lässt den Schluss zu,

          dass er dort die von N. transportierte Lieferung in Empfang genommen hatte.

        9. Aufgrund der Aktenlage bestehen keine Zweifel, dass es sich bei der Lieferung um einen Drogentransport gehandelt haben muss. Dafür spricht

          schon die verklausulierte, konspirative Art und Weise, wie der Beschuldigte und der unbekannte Gesprächspartner kommunizierten (vgl. auch nachstehende Erw. 3.4.13). Dass Gesprächsteilnehmer lediglich dann zu solchen Verschlüs- selungen greifen, wenn sie den wahren Inhalt des Gesprächs verbergen wollen und die polizeiliche Abhörung ihrer Gespräche befürchten, ist naheliegend und braucht nicht weiter erläutert zu werden. Es fällt zudem auf, wie die Gesprächsteilnehmer bemüht waren, ihre Identität zu verschleiern, indem sie immer wieder andere Telefonnummern von anderen Inhabern verwendeten. Zudem gilt zu beachten, dass es nicht die einzige Drogen-Kurierfahrt von Holland in die Schweiz war, die N. für den Beschuldigten unternommen hatte (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.3 zu Vorgang 12).

        10. Obwohl die Indizien hinsichtlich der Art des Betäubungsmittels mit der Vorinstanz eher auf Heroingemisch schliessen lassen, erachtete es die Vorinstanz nicht als gänzlich ausgeschlossen, dass es sich bei der transportierten Ware auch um Kokaingemisch gehandelt haben könnte (vgl. schon vorstehende Erw. 3.2.2 und Urk. 112 S. 27). Dieser Schluss ist nachvollziehbar, nachdem zweifelsfrei feststeht, dass es sich um Betäubungsmittel gehandelt haben muss und N. bei seinem zweiten Transport nicht nur Heroin, sondern - wenn auch in geringerer Menge - auch Kokain mit sich geführt hatte (vgl. dazu Urk. 112 S. 27 und nachstehende Erw. 3.3 zu Vorgang 12). Die Vorinstanz liess es letztlich offen, ob es sich bei der Lieferung vom November 2013 um Heroinoder allenfalls um Kokain gehandelt hat (Urk. 112 S. 27). Zugunsten des Beschuldigten ist indessen von der Annahme auszugehen, dass N.

          beim

          Transport vom 15. November 2013 Kokaingemisch mit sich geführt und dann an den Beschuldigten übergeben hatte. Dieser Schluss wird von der Verteidigung eventualiter auch nicht kritisiert und wirkt sich im Rahmen der Strafzumessung im Übrigen zugunsten des Beschuldigten aus.

        11. Hinsichtlich der Menge des von N. mitgeführten und an den Beschuldigten übergebenen Kokaingemischs hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt, weshalb die von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebrachten 1,5 kg zu übernehmen sind (Urk. 112 S. 25 f.). Darauf kann vorab verwiesen

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Einzig klarzustellen ist, dass der Beschuldigte mangels verwertbaren Beweisen vom Vorwurf betreffend Vorgang 40 (Verkauf von 200 g Heroingemisch an B. ) erstinstanzlich - wie gesehen (vgl. vorstehende Erw. 1.2 und 2.3.1.4) - freigesprochen wurde, was unangefochten geblieben ist. Vor diesem Hintergrund kann dieser Sachverhaltsteil selbstverständlich nicht zur Bestimmung der fraglichen Drogenmenge herangezogen werden, was angesichts der Zusatzbzw. Alternativbegründung auch der Vorinstanz klar zu sein schien (vgl. Urk. 112 S. 25). Anhaltspunkt, weshalb von 1,5 kg auszugehen ist, bildet der in den Akten dokumentierte Nachrichtenverkehr zwischen dem Beschuldigten (TK-Linie 01 A1. 4) und dem Benutzer der niederländischen Telefonnummer 3, welche von der Ermittlungsbehörde dem angeblichen Lieferanten aus Holland zugewiesen worden war. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang der im Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 4. September 2015 angebrachte Hinweis, dass nicht eruiert habe werden können, ob es sich beim Benutzer dieser Telefonnummer um den angeblichen Lieferanten selbst oder um einen Komplizen gehandelt habe (Urk. 1/13 S. 3,

S. 12). Zwar steht vor diesem Hintergrund nicht mit letzter Sicherheit fest, wer die Kurznachrichten vom 5. Dezember 2013 versandt hat, worauf auch die Verteidigung vor Vorinstanz verwiesen hat (Urk. 101/7 S. 13). Fest steht aber, dass

- wenn es nicht der Lieferant selbst war - es zumindest jemand aus seinem Umfeld gewesen sein muss. Die Anfrage des niederländischen Kontaktes nimmt ganz offensichtlich Bezug auf die zuvor erfolgte Lieferung (Wie viel hast du erledigt, wie viel ist übrig [Urk. 1/13 Beilage 69]). Indem der Beschuldigte - wenn auch eine zu interpretierende - logische Antwort auf diese Anfrage gab (Ich habe für 10 Lira erledigt [a.a.O. Beilage 70a] bzw. Ich habe 5 erledigt [a.a.O. Beilage 71]), wusste der Beschuldigte ganz offensichtlich Bescheid, auf was sich die Anfrage bezogen hatte. Da der niederländische Geschäftspartner seine Antwort nicht verstanden hatte (Ich verstehe es nicht, weshalb du 5 sagst. Es waren doch keine 5 [a.a.O. Beilage 72]), hielt er dann klarstellend fest: Das heisst, 5 von 15 sind weg (a.a.O. Beilage 73). Ausgehend davon, dass 1,5 kg mit der Vorinstanz am unteren Ende der vom Beschuldigten üblicherweise importierten Betäubungsmittelmengen liegen (vgl. dazu die weiteren

Anklagesachverhalte) und angesichts des für den Transport betriebenen Aufwandes (kurzfristig organisierter Ersatz eines Kuriers durch den Beschuldigten wegen Ausfalls des ursprünglich vorgesehenen, Fahrt nach Amsterdam und zurück mit präpariertem Fahrzeug, zu entrichtender Kurierlohn [auch wenn hinsichtlich der Höhe des Kurierlohnes aufgrund der fehlenden Konfrontation mit

dem Beschuldigten nicht auf die Aussagen von N.

abgestellt werden

kann]) kann nicht zuletzt auch angesichts der vom Beschuldigten und seinem Gesprächspartner beigemessenen Wichtigkeit der Lieferung (mehrmaliges Nachfragen, ob der Kurier nun eingetroffen sei und anschliessender Besuch des Beschuldigten noch in der gleichen Nacht) kein Zweifel daran bestehen, dass die Lieferung einen nicht unerheblichen Wert gehabt haben bzw. bei entsprechendem Verkauf ein nicht unerheblicher Gewinn zu erwarten gewesen sein muss. Vor diesem Hintergrund ist überzeugend, wenn die Vorinstanz die vom Beschuldigten angegebenen 15 als 1,5 kg interpretiert (Urk. 112 S. 25 f.). Damit ist auch die eingeklagte Menge von 1,5 kg erstellt.

3.2.6. Damit ist der Anklagesachverhalt betreffend Vorgang 01 erstellt, mit der einzigen Abweichung, dass zugunsten des Beschuldigten anstatt von Heroinvon Kokaingemisch auszugehen ist.
    1. Anklageziffer 2 (Vorgang 12)
      1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten die Organisation eines weiteren Drogentransportes von Holland in die Schweiz zur Last gelegt, wiederum mit N. als Kurier. Hierfür seien der Beschuldigte mit seinem Chauffeur und N.

        in seinem eigenen Fahrzeug am 12. Dezember

        2013 in die Niederlande gefahren, wo 2'000 g Heroin mit einem Reinheitsgehalt von 62 % und 650 g Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 28 % in der hinteren Stossstange des Personenwagens Audi A6, ZH , von N. versteckt worden seien. Der Beschuldigte sei danach am 14. Dezember 2013 mit seinem Chauffeur zurück in die Schweiz gefahren, wo er auf N. gewartet habe. Dieser sei jedoch auf seinem Rückweg in Kreuzlingen am 16. Dezember 2013, 00:05 Uhr, polizeilich angehalten und die Drogen sichergestellt worden (Urk. 37 S. 3 f., Urk. 112 S. 28).

      2. Von der Verteidigung unbestritten und aufgrund der am 16. Dezember

        2013 anlässlich der Verhaftung von N.

        sichergestellten 2 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad 62 %) sowie 650 g Kokaingemisch (Reinheitsgrad 28 %) ist erstellt, dass der Drogentransport anklagegemäss stattgefunden hat (Urk. 24/1-3, Urk. 101/7 S. 16, Urk. 191 S. 24, Urk. 112 S. 28 mit Verweis auf Urk. 12/1, vgl. auch Urk. 12/5 S. 5 und Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen

        vom 24. Oktober 2016 [Urk. 35/3]). N.

        bestätigte in den Einvernahmen

        vom 17. bzw. 19. Dezember 2013 denn auch, am letzten Donnerstagabend, namentlich am 12. Dezember 2013, in Richtung Holland abgereist zu sein und den Drogentransport durchgeführt zu haben (Urk. 12/1 S. 3 ff., Urk. 12/2 S. 3, 6 ff.). Hingegen stellt er eine Beteiligung des Beschuldigten am Drogentransport in Abrede (Urk. 12/2 S. 3, 6; Urk. 12/3 S. 10, 12; Urk. 12/6 S. 3). N. und der Beschuldigte wurden denn auch nicht konfrontiert, weshalb diese Aussagen nur zugunsten des Beschuldigten verwertbar sind.

      3. Dass der Beschuldigte in den Drogentransport vom Dezember 2013 involviert war bzw. diesen organisiert hatte, wird auch vom Beschuldigten und seiner Verteidigung in Abrede gestellt (Urk. 101/7 S. 16 ff., Urk. 191 S. 21 ff., vgl. schon vorstehende Erw. 3.1.1).

      4. Die Vorinstanz wertet den Umstand, dass an dem im Fahrzeug von

        N.

        sichergestellten Handschuh die DNA des Beschuldigten festgestellt

        werden konnte, als Indiz dafür, dass der Beschuldigte beim Einbau der Drogen im Fahrzeug von N. mitgewirkt habe (Urk. 112 S. 28 f.). Diesbezüglich ist aber mit der Verteidigung darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte den Handschuh auch bei einer anderen Gelegenheit als Beifahrer von N. hät- te angefasst haben können (Urk. 191 S. 21 f.). Vor diesem Hintergrund kann

        aus dem Umstand, dass an dem im Fahrzeug von N.

        sichergestellten

        Handschuh die DNA des Beschuldigten festgestellt werden konnte, nichts zulasten des Beschuldigten abgeleitet werden. Dass der Beschuldigte beim Einbau der Drogen mitgewirkt hatte, ist denn auch nicht eingeklagt (Urk. 37 S. 3).

      5. Fest steht, dass das vom Beschuldigten zum anklagerelevanten Zeitraum benutzte Mobiltelefon zwischen dem 12. Dezember 2013, 20:58 Uhr, bis zum

        14. Dezember 2013, 06:50 Uhr, nicht geortet werden konnte (Urk. 112 S. 29 mit Verweis auf Urk. 1/13 S. 16). Mit der Verteidigung zwar keine zwingende Schlussfolgerung, gleichwohl aber eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass der Beschuldigte in diesem Zeitraum ausser Landes weilte (Urk. 191 S. 22), wovon die Vorinstanz unter Verweis auf den Schlussbericht der Kantonspolizei Zürich vom 2. September 2015 ausgegangen ist (Urk. 112 S. 30).

      6. Für die Annahme, dass der Beschuldigte - wie in der Anklageschrift umschrieben - am 12. Dezember 2013, nach Holland reiste, spricht neben dem Umstand, dass sein Mobiltelefon mit der Schweizer Nummer nicht geortet wer-

        den konnte, auch die Tatsache, dass N.

        während seinem Aufenthalt in

        den Niederlanden mit einer Person namens A1. in Kontakt gestanden hatte und beide niederländische Telefonnummern verwendet hatten (Urk. 112

        S. 30 mit Verweis auf Urk. 1/13 Beilage 44a-d, vgl. auch S. 3; N. [6, Telefonnummer anlässlich der Verhaftung sichergestellt, A1.

        [7,]). Aus den

        Beilagen 44 c und d erhellt, dass N.

        am 13. Dezember 2013 um 17:19

        Uhr einen Anruf von der unter dem Namen A1. gespeicherten niederlän- dischen Telefonnummer entgegengenommen und am 14. Dezember 2013 um 13:24 Uhr diese Nummer angerufen hatte. Gemäss den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden war der Beschuldigte bei letzterem Anruf - wenn er denn weg gewesen war, bereits wieder - in der Schweiz (Urk. 1/13 S. 16; [Antennenstandort der TK-Linie A1 am 14.12.2013 um 06:50 Uhr: Winterthur]).

      7. Die Verteidigung weist darauf hin, dass N. in seinen Kontakten in den verschiedenen anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefonen - entgegen der Vorinstanz nicht nur einen (Urk. 112 S. 30), sondern - mindestens fünf A1. 's aufgelistet habe. Aufgrund der den jeweiligen Namen hinzugefügten Spezifikationen mit U. oder V. schliesst sie, dass es sich dabei um verschiedene A1. 's handeln müsse (Urk. 191 S. 23 mit Verweis auf Urk. 9/4 [recte: 9/6] Beilage 41b, 42b, 43b und 44b). Auch N.

        gab zu bedenken, dass es ja nicht nur einen A1.

        auf der Welt gebe

        (Urk. 112 S. 30 und Urk. 12/4 S. 8). Es trifft zu, dass in den verschiedenen anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefonen von N.

        mehrere

        A1. 's gespeichert waren (A1. auf der SIM-Karte 5 [Urk. 9/6 Beilage 41b] sowie auf der SIM-Karte 6; A2. und A1. V. auf der SIM-Karte 8 [Urk. 9/6 Beilage 43b] und A1. U. auf der SIMKarte 9).

      8. Der auf der SIM-Karte 5 unter A1. gespeicherte sowie der auf der SIM-Karte 8 unter A2. gespeicherte Kontakt, jeweils mit der Telefonnummer 4 (Beilagen 41b und 43b), kann gestützt auf die Telefonüberwachung des Beschuldigten (TK-Linie A1 bzw. 01) ohne Weiteres dem Beschuldigten zugeordnet werden. Dass dieser Telefonanschluss dem Beschuldigten zuzuordnen ist, wird von der Verteidigung wie gesehen auch nicht bestritten (vgl. vorstehende Erw. 3.2.5.2). Auf der SIM-Karte 8 ist unter der Telefonnummer 10 auch noch ein A1. V. gespeichert (Urk. 191 S. 23 und Urk. 9/6 Beilage

        43b). Dass es sich bei A1.

        V.

        um eine vom Beschuldigten verschiedene Person handeln könnte, ist möglich. Zusätzlich kann der weiteren beim Beschuldigten sichergestellten SIM-Karte 9 auch noch der Name A1. U. mit der Telefonnummer 11 (Beilage 42b) sowie schliesslich

        auf der niederländischen Rufnummer von N.

        6 eine auf den Namen

        A1. lautende niederländische Rufnummer 7 entnommen werden (Urk. 9/6

        S. 2 Beilage 44a-d).

      9. Dass zwischen N.

        und A1.

        V. bzw. A1.

        U. eine Kontaktaufnahme stattgefunden hätte, ist in den Akten jedoch nicht dokumentiert. Insofern kann dahingestellt bleiben, ob es sich bei diesen Kontakten um den Beschuldigten oder um andere A1. s gehandelt hat.

        Auf dem bei N.

        sichergestellten Telefon mit der niederländischen Telefonnummer 6 war jedenfalls nur ein A1.

        gespeichert und zwar ohne

        irgendwelche Zusätze zum Namen (Urk. 9/6 Beilage 44a-d). Und von dieser

        unter A1.

        gespeicherten Nummer wurde N.

        wie gesehen am

        13. Dezember 2013 kontaktiert, und am 14. Dezember 2013 wurde diese

        Nummer von dem Telefonanschluss von N.

        gewählt (vgl. vorstehende

        Erw. 3.3.6). N. gab an, dass es wahrscheinlich ein Freund von Holland gewesen sei (Urk. 12/4 S. 8). Angesichts der aufgrund der weiteren Ermittlungsergebnissen zahlreichen weiteren nachgewiesenen Kontakten zwischen dem Beschuldigten und N. einerseits sowie dem Beschuldigten und einer weiteren, mutmasslich dem Lieferanten zuzuordnenden niederländischen Telefonnummer, drängt sich aber der Schluss auf, dass es sich auch bei dem unter der niederländischen Telefonnummer 7 gespeicherten A1. - wie von der Vorinstanz angenommen - um den Beschuldigten gehandelt hat und die Beiden zum Zwecke der Abwicklung des Drogentransportes von den Niederlanden in die Schweiz miteinander in Kontakt gestanden haben:

      10. Bereits am 10. Dezember 2013 nahm N. unter der Telefonnummer 5 mit A1. Kontakt auf, und fragte, ob er kommen werde, was dieser bejahte (Urk. 1/6 S. 5 und Beilage 17 und 18, vgl. zu den anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefonen bzw. Nummern von N.

        Urk. 1/13

        S. 3). Am 12. Dezember 2013 fragte die im Rahmen des Ermittlungsverfahrens

        als P. bezeichnete Person unter der auf S.

        zugelassenen Telefonnummer 12 den Beschuldigten, ob sie gehen bzw. abfahren würden, was der Beschuldigte bejahte (Urk. 1/6 S. 5 und Beilage 19 und 20). Am 14. Dezember 2013 um 15:01 Uhr fragte N. den Beschuldigten unter seiner niederländischen Telefonnummer 1, ob sie wieder gegangen seien, was dieser bestätigte (Urk. 1/6 Beilage 23, vgl. Richtigstellung in Urk. 1/13 S. 16). Und um 18:32 Uhr gleichentags schrieb der Beschuldigte N. , dass der Kollege auf ihn warte, woraufhin N. in Aussicht gestellt hatte, gegen 20:30 Uhr dort zu sein (Urk. 1/6 Beilage 24 und 25). Darauf antwortete der Beschuldigte, dass er in der Bar auf ihn warte (a.a.O. Beilage 26). Um 20:39 Uhr schrieb N. dem Beschuldigten, dass er in der Bar sei (a.a.O. Beilage 27). Um 21:23 Uhr fragte der Beschuldigte N. , wie es ihm gehe und ob alles in Ordnung sei, was dieser bestätigte und erklärte, dass er nun nach Hause gehe und ihm Bescheid geben werde (a.a.O. Beilage 29, vgl. dazu schon die vorstehende Erw. 3.2.5.5). Am 15. Dezember 2013 erkundigte sich jemand mit einer niederländischen Rufnummer (13) beim Beschuldigten, was los sei, ob sein Kollege gekommen sei und weshalb er - der Beschuldigte - nicht antworte (a.a.O. Beilage 32). Der nach der Verhaftung von N. in den Akten dokumentierte Nachrichtenverkehr zwischen dem niederländischen Kontakt und dem Beschuldigten und insbesondere die zahlreichen Versuche des Beschuldigten, mit N.

        Kontakt

        aufzunehmen, zeigen deutlich, dass die beiden nervös wurden. Diesbezüglich kann vorab vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 112 S. 30 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend dazu ist auf die weiteren erfolglosen Kontaktversuche des Beschuldigten hinzuweisen, welche bei der Durchsicht der anlässlich der Verhaftung von N. sichergestellten Mobiltelefone ersichtlich wurden. Wie aus der Anrufliste des bei N. sichergestellten Mobiltelefons mit der Nummer 5 hervorgeht, hat der Beschuldigte zusätzlich zu den erfolglosen Anrufversuchen vom 16. Dezember 2013 um 13:34 Uhr und der Mitteilung vom 17. Dezember 2012 um 00:15 Uhr ([übersetzt: Bruder, ich bin in der Klemme. Antworte mir.], vgl. dazu schon Urk. 112 S. 31) am

        16. Dezember 2013 auch noch um 23:48 Uhr sowie dann wieder am 17. Dezember 2013 um 00:14 Uhr vergeblich versucht, N. auf dieser Nummer zu erreichen (Urk. 9/6 S. 2 und Beilage 41c). Um 00:15 Uhr schrieb er N. schliesslich, , ich bin auf der Strasse gelandet, melde dich (übersetzt, Urk. 1/6 Beilage 39).

      11. Aufgrund dieser dokumentierten Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und dem niederländischen Kontakt, und angesichts der zahlreichen und geradezu verzweifelten Versuche des Beschuldigten, N. auf den ihm bekannten Rufnummern zu erreichen, ist völlig unglaubhaft, wenn die Verteidigung als Erklärung vorbringt, dass der Beschuldigte wohl lediglich seinen Logisgeber vermisst habe, da er keinen eigenen Schlüssel gehabt habe (Urk. 191

        S. 23). Wie die Verteidigung vor Vorinstanz noch richtig bemerkt hatte, ist es nicht so, dass der Beschuldigte keinen Schlüssel zu der Wohnung von R. hatte, wo N. und dann zeitweise auch der Beschuldigte gewohnt hatten (vgl. Urk. 101/7 S. 17, Urk. 191 S. 23). Das lässt sich im Übrigen auch nicht mit

        der vom Beschuldigten an N. Klemme stecke, vereinbaren.

        versandten Nachricht, wonach er in der

      12. Vor dem Hintergrund, dass N.

        in der Nacht auf Montag,

        16. Dezember 2013 um 00:05 Uhr mit 2 kg Heroingemisch und 650 g Kokaingemisch an der Grenze Kreuzlingen-Emmishofen angehalten und verhaftet

        wurde, ist klar, weshalb der Beschuldigte und der niederländische Kontakt derart besorgt um den Verbleib von N. waren. Anders als beim ersten Drogentransport im November 2015 (vgl. vorstehende Erw. 3.2, Anklageziffer 1, Vorgang 01 und Urk. 112 S. 30) konnte dieser dieses Mal die von ihm transportierten Drogen aufgrund seiner Verhaftung dem Beschuldigten nicht wie vereinbart übergeben.

      13. Damit ist der Anklagesachverhalt betreffend Vorgang 12 (Anklageziffer 2) erstellt.

    1. Anklageziffer 3 (Vorgang 30)
      1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zusammen mit seinem Mittelsmann J. (mutmasslicher Name J1. ) eine Heroinlieferung von der Türkei in die Schweiz organisiert zu haben, wobei die Einzelheiten der Lieferung im Zeitraum vom 2. bis 17. Juli 2014 in mehreren Gesprächen zwischen den Beiden besprochen worden seien. Schliesslich sei vereinbart worden, dass vier Kilogramm Heroin zu liefern seien und der Beschuldigte dafür maximal Euro 70'000.- bezahlen werde. Bezogen werden sollen hätte das Heroin gemäss Anklageschrift von einem Lieferanten namens W. . Ebenso in die Organisation involviert gewesen sei D. . Unter anderem sei D. in die Türkei gereist, habe J. und W. getroffen, den Kurier AA. (mutmasslicher Name AA1. ) organisiert und mit diesem die Modalitäten der Lieferung sowie dessen Bezahlung besprochen und diesen teilweise auch bezahlt (vgl. zu den Details Urk. 37 S. 5 und Urk. 112 S. 32 f.). Am 24. Juli 2014 sowie am 31. Juli 2014 seien in Absprache zwischen dem Beschuldigten, D. und J. insgesamt 4 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) an den Kurier AA. geliefert worden, was dieser am 31. Juli 2014 D. telefonisch bestätigt habe. Dieser habe ihn daraufhin angewiesen, das Heroin umgehend in die Schweiz zu bringen, worüber er den Beschuldigten und auch J. informiert habe. In der Folge sei der Kurier AA. mit dem Heroin aber verschwunden und der Beschuldigte sowie D.

        und H.

        seien den Lieferanten die neben der

        Anzahlung noch ausstehende Restbezahlung für das auf Kommission gelieferte

        Heroin schuldig geblieben, wofür u.a. H. (Urk. 37 S. 5 f., Urk. 112 S. 32 f.).

        habe garantieren müssen

      2. Die Verteidigung geht davon aus, dass D. und H. - die wegen des gleichen Sachverhaltes angeklagt und erstinstanzlich verurteilt worden sind, was unangefochten geblieben ist (vgl. in Bezug auf D. beigezogenes Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 23. Oktober 2017 [Urk. 176

        S. 16 ff., 72 ff.]) - tatsächlich einen Herointransport von der Türkei über Bulgarien in die Schweiz geplant hatten, welcher offenbar daran gescheitert sei, dass der vorgesehene Kurier, mutmasslich ein Bulgare, mit dem Heroin verschwunden war. Sie vermutet eine entsprechende Beteiligung der Beiden aufgrund des Umstandes, dass sie je den erstinstanzlichen Schuldspruch akzeptierten. Überdies stehe auch fest, dass D. im Juli 2014 - und später auch H. - in die Türkei gereist sei, wo er sich offenbar mit dem Lieferanten getroffen habe. Tatsache sei auch, dass D. den Kurier AA. schon länger gekannt und für diesen Zweck rekrutiert habe. Bestritten wird hingegen die Beteiligung des Beschuldigten im Sinne der Anklage. Aufgrund der direkten Verbindungen von D. und H. zu den massgeblichen Personen in der Türkei und in Bulgarien frage sich insbesondere auch, welche Rolle darüber hinaus dem Beschuldigten noch hätte zukommen sollen (Urk. 191 S. 24).

      3. Die im Sommer 2014 unbestrittenermassen bestehende Nähe des Be-

        schuldigten zu D.

        und H.

        hat sich nach Darstellung der Verteidigung daraus ergeben, dass der Beschuldigte im anklagerelevanten Zeitraum - angeblich - wie auch seine damalige Freundin AB. im Imbiss von H. gearbeitet habe (Urk. 191 S. 25).

      4. Schliesslich wird nicht in Abrede gestellt, dass der Beschuldigte damals

        mit teilweise den gleichen Personen wie D.

        und H.

        kommuniziert

        hat, insbesondere mit J. (Urk. 101/7 S. 20, Urk. 191 S. 25). Die Verteidigung macht aber - wie schon vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 21 ff.) - auch berufungsweise geltend, dass der Beschuldigte deshalb mit J. in Verbindung gestanden sei, weil er mit ihm zusammen Flüchtlinge unterstützt habe, die damals die Türkei Richtung Griechenland, Bulgarien und/oder Westeuropa

        hätten verlassen wollen (Urk. 191 S. 25, 27). Es liege in der Natur der Sache, dass Flüchtlinge die Türkei in dieser Zeit meist illegal verlassen oder auf jeden Fall die angrenzenden Länder illegal betreten hätten. Somit hätten die Beteiligten aufpassen müssen, unabhängig davon, ob sie darüber hinaus auch noch vom türkischen Regime verfolgt worden seien. Die türkische Polizei setze Telefonkontrollen seit langem sehr breit ein, so dass Vorsicht am Telefon in diesem Land gewissermassen zur Gewohnheit geworden sei. Daraus erkläre sich auch die oft klandestin wirkende Ausdrucksweise der Gesprächsteilnehmer in den Telefongesprächen (Urk. 191 S. 26). Nach Auffassung der Verteidigung lassen sich die Kommunikationen des Beschuldigten mit J. bei richtiger Übersetzung nicht in Übereinstimmung bringen mit dem Narrativ der Polizeirapporte und der Anklageschrift. Zusammenfassend fehle es an einem Nachweis dafür, dass der Beschuldigte an dieser offenbar von D. und H. geplanten Drogeneinfuhr beteiligt gewesen sei (Urk. 191 S. 29).

      5. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet. Eine Beteiligung seitens des Beschuldigten an dem - unbestrittenermassen - in die Wege geleiteten Dro-

        gentransport durch D.

        und H.

        (vgl. vorstehende Erw. 3.4.2) lässt

        sich aufgrund der Ergebnisse der Überwachungsmassahmen nicht in Abrede stellen. Die Verteidigung lässt bei ihrer Argumentation insbesondere unberücksichtigt, dass sich aufgrund der sowohl zeitlich als auch inhaltlich festzustellenden Zusammenhänge in der Kommunikation zwischen J. und D. einerseits sowie J. und dem Beschuldigten andererseits indirekt nachweisen lässt, dass es auch bei den Gesprächen des Beschuldigten mit J. um den (misslungenen) Drogentransport gegangen sein muss, welcher schliesslich zur Verurteilung von D. und H. geführt hat:

        Wie die Vorinstanz unter exemplarischem Verweis auf Urk. 9/14 Beilagen 4-5 zutreffend dargelegt hat, leitete J. das mit D. Besprochene jeweils sogleich an den Beschuldigten weiter und umgekehrt (Urk. 112 S. 34). Dass J. immer wieder das Bindeglied in der Kommunikation zwischen D. und dem Beschuldigten war, ergibt sich auch aus zahlreichen weiteren Stellen (vgl. dazu etwa Urk. 112 S. 40 f. mit Verweis auf Anhang Urk. 11/7

        [= Urk. 9/14 Beilage 13] Telefonat zwischen D.

        und J. am

        10.07.2014 um 20:13 Uhr [D. : Sage doch AC. , er soll ihn anrufen, J. : In Ordnung]; Telefonat zwischen Beschuldigtem und J. um 20:21 Uhr, Beilage 14 [J. : Dein Junge ist schon dort [ ], aber er sagt, niemand sei dort [ ]. Beschuldigter: In Ordnung. Ich rufe ihn jetzt an, er soll aussteigen, um sich zu erkennen geben.]; Telefonat zwischen J. und D. , Beilage 15 [J. : Bruder, ich habe ihn angerufen. Warte 5 bis 10 Minuten ab. Wenn er nicht kommt, ruf mich wieder an, dann werde ich AC. anrufen, in Ordnung [ ] AC. hat mir gesagt, dass er ihn anrufen werde.]; Urk. 112 S. 34 mit Verweis auf Urk. 9/14, Beilage 31a und 32 Telefonat zwischen D. und J. am 11.07.2014 um 22:47 Uhr [D. : J. könne dem Onkel [mütterlicherseits] sagen, dass er die Hälfte geholt habe und die andere Hälfte am Montag holen werde], um 22:53 Uhr Telefonat zwischen J. und dem Beschuldigten [J. : Dein Junge hat angerufen. Er hat nur die Hälfte bezahlt [ ] den Rest wird er am Montag bezahlen.] Beschuldigter: [ ] Wenn er die Hälfte bekommen hat, dann ist es Okay. [ ] Er kann den Rest am Montag erledigen]; Urk. 9/14 Beilage 150 und 151 Telefonat zwischen D. und J. am 3.08.2014 um 18:09 Uhr [J. : Ok, ich rede mal mit dem Onkel (mütterlicherseits)]; Telefonat zwischen Beschuldigtem und J. am 3.08.2014 um 18:14 [J. : Ich habe mit deinem Jungen gesprochen]). Wie die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, ergibt

        sich aus den Gesprächen zwischen D.

        und J. , wo jeweils vom

        Onkel (mütterlicherseits) die Rede ist und den anschliessenden Telefonaten zwischen J. und dem Beschuldigten im Kontext, dass - zumindest in diesen Gesprächen - mit Onkel (mütterlicherseits) nur der Beschuldigte gemeint sein konnte (vgl. dazu Urk. 112 S. 34 insbesondere auch mit dem Verweis auf das TK-Protokoll betreffend das Gespräch zwischen D.

        und

        J. , Urk. 9/14 Beilage 189 [recte: 187] [J. : Wo ist A1. , der Onkel [mütterlicherseits]] und Urk. 112 S. 39). Daran ändert nichts, wenn die

        Verteidigung vorbringt, dass auch noch andere Personen als AC. zeichnet worden seien (Urk. 101/7 S. 18 f.).

        be-

      6. Wenn der Beschuldigte nicht in die Organisation des Drogentransportes involviert gewesen wäre, wäre nicht einzusehen, weshalb er am Verbleib des offenbar untergetauchten Kuriers AA. hätte interessiert sein sollen (vgl. dazu Urk. 112 S. 35, vgl. auch Urk. 9/14 Beilage 173) und sich offenbar für den ausstehenden Betrag betreffend die Lieferung verantwortlich fühlte. Am

2. August 2014 gab der Beschuldigte gegenüber J. zu bedenken: Es gibt nur Dreck. Nur Dreck. Ein Zigeuner spielt mit uns um den Finger. [ ] Ich sage dir, er wickelt uns alle um seinen kleinen Finger (Urk. 9/14 Beilage 147). Am Abend des 3. August 2014 um 18:14 Uhr erklärte J. gegenüber dem Beschuldigten, dass W. ihn angerufen und gesagt habe, dass sie es morgen erledigen müssten, woraufhin der Beschuldigte erklärte, dass wenn das Arschloch komme, sie keine Probleme hätten. Sodann forderte J. den Beschuldigten auf, dass er W. anrufen solle, da dieser immer wütender werde, woraufhin der Beschuldigte antwortete: Was sollen wir ihm sagen, der Zigeuner hat alle blamiert. Du sollst mit dem Onkel reden, das sind unsere Fehler, aber wir bezahlen, was möglich ist (Urk. 9/14 Beilage 151). Weiter dokumentiert sind die unmittelbar anschliessenden Gespräche bzw. Nachrichten sowie jene des Folgetages zwischen D. und J. bzw. H. , wo J. und H. sich erkundigten, ob schon eine Nachricht gekommen sei bzw. ob jemand angerufen bzw. ob er ihn erreicht habe bzw. was los sei (Urk. 9/14 Beilage 152, 153, 155, 161, 162, 165, 168, 169, 171, 172) und die

Versuche D. s, AA. zu erreichen bzw. etwas über dessen Verbleib zu erfahren, indem er mit seiner Ehefrau Kontakt aufnahm (a.a.O. Beilage 154, 156, 158, 159, 170). Am Morgen des 4. August 2014 mutmasste der Beschuldigte gegenüber J. : [ ] Ich sage dir, er ist verschwunden (a.a.O. Beilage 167) und um 18:22 Uhr meldete er erneut, nichts vom Zigeuner gehört zu haben, woraufhin J. ihm sagte, er müsse es bis Mittwoch erledigen. Der Beschuldigte gab zu bedenken, kein Geld zu haben und dass sie die Wohnung

nehmen sollten (a.a.O. Beilage 173). Um 22:05 Uhr erklärte D.

gegenüber J. , dass er mit dem Onkel (mütterlicherseits) am warten sei (Urk. 9/14 Beilage 175), und am 5. August 2014 um 11:14 Uhr forderte J. den Beschuldigten auf, ihm die Adresse zu schicken, da er sie an

W. weitergeben müsse, woraufhin der Beschuldigte fragte, ob er jemanden kenne, den er dorthin schicken könne. J. erwiderte, dass er schauen werde, und fügte an: [ ] aber dein Junge antwortet mir nicht. Daraufhin erklärte der Beschuldigte, dass er ihm sagen werde, dass er ihn

- J. - anrufen solle (a.a.O. Beilage 182). Keine zehn Minuten später sandte D. J. eine Adresse und den Namen AA1. sowie der

Name von dessen Frau, AD.

(a.a.O. Beilage 184). Gleichentags um

13:34 Uhr beauftragte J. D. , mit dem Onkel (mütterlicherseits) das weitere Vorgehen zu besprechen und ihm den Grundbuchauszug von der

Wohnung zuzusenden. Wenn sie (D.

und der Onkel [mütterlicherseits])

damit einverstanden seien, dann mache er es so und wenn sie nicht einverstanden seien, dann könne er auch nichts machen, dann könne er ihn nicht hindern (a.a.O. Beilage 185b). Um 14:28 Uhr sprachen der Beschuldigte und J. erneut miteinander und J. erklärte, dass er mit AE. gesprochen habe und sein Typ bei ihm sei und mit ihm - dem Beschuldigten - sprechen wolle. Der Typ fragte den Beschuldigten, wie diese Sache erledigt werden könne, woraufhin der Beschuldigte erklärte: Bruder, ehrlich gesagt, seine Frau hat gesagt, dass er weggegangen sei. [ ] Es ist ein Unglück passiert, jedenfalls sagen sie es so. Was soll ich machen, ich kann es langsam, langsam abbezahlen. [ ]. Nach einem Abbruch des Gesprächs telefonierten J. und der Beschuldigte abermals und der Beschuldigte fragte: Was können wir machen Will er mich umbringen Wenn er will, weiss er wo ich lebe. J. fragte daraufhin, ob er nicht mit D. zusammenarbeite und dass der Onkel von D. reich sei und Geld ausleihen könne, woraufhin der Beschuldigte antwortete: Er habe Grundbuchauszug. Sonst können wir nichts machen. Wir müssen jemanden nach Bulgarien schicken um ihn zu finden. Was können wir noch machen J. antwortete: Sein Onkel mag ihn sehr, er solle von seinem Onkel Geld ausleihen. Dein Junge hat alles kaputt gemacht, ich habe ihn gewarnt aber er habe diesen Typ organisiert, ist es nicht so

(a.a.O. Beilage 190).

3.4.7. Vor dem Hintergrund dieser dokumentierten Gespräche ist der Einwand der Verteidigung entkräftet, wonach D. und H. je selber Kontakt zu

den vermuteten Lieferanten in der Türkei gehabt hätten, und zwar offensichtlich unabhängig vom Beschuldigten, weshalb nicht einzusehen sei, welche Rolle dem Beschuldigten darüber hinaus noch hätte zukommen sollen (vgl. vorstehende Erw. 3.4.2). Es mag zwar sein, dass D. und H. (auch) direkten Kontakt zu den Personen in der Türkei hatten (vgl. dazu etwa Urk. 9/14 Beilage 2b, wo J. gegenüber dem Beschuldigten erklärte, er - wohl W. gemeint -, sage, H. solle ihn anrufen). Fest steht aber, dass nicht nur D. , sondern eben auch der Beschuldigte im ständigen Kontakt mit J. gestanden hatte und J. den Beschuldigten wie gesehen jeweils über das mit D. Besprochene informierte (vgl. vorstehende Erw. 3.4.5). Sodann geht aus den Gesprächen zwischen J. und dem Beschuldigten hervor, dass es der Beschuldigte war, der D. in das dem Vorgang 30 zugrundeliegende Geschäft einführte. So bezeichnet J.

D.

im Gespräch mit dem Beschuldigten stets als dein Junge und hat

J. den Beschuldigten am 2. Juli 2014 gefragt, ob dein Junge kommen werde (Urk. 9/14 Beilage 1b, vgl. etwa auch Beilage 10, 12, 14 und vorstehende Erw. 3.4.5 und 3.4.6). Die tragende Rolle des Beschuldigten bei der Organisation des - von der Verteidigung im Grundsatz unbestrittenen Drogentransportes (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.2) - kommt insbesondere auch dadurch zum Ausdruck, dass sich der Beschuldigte - wie vorstehend aufgezeigt (vgl. vorstehende Erw. 3.4.6) - für den Ausfall der Bezahlung aufgrund der verschwundenen Lieferung verantwortlich fühlte und auch verantwortlich gemacht wurde.

      1. Die dem Beschuldigtem gemäss Anklageschrift zugeschriebene Rolle als Organisator des in die Wege geleiteten und dann aber misslungenen Herointransportes von der Türkei in die Schweiz vom Juli 2014 (Anklageziffer 3, Vorgang 30) ist angesichts der sich aus den in den Akten dokumentierten Gesprä- che ergebenden Verbindung des Beschuldigten zu den weiteren unbestrittenermassen in den in Anklageziffer 3 umschriebenen Drogentransport involvierten Personen sowie insbesondere auch aufgrund seiner Reaktion auf das Verschwinden des Kuriers AA. erstellt (vgl. zur Art der Droge, dem Umfang der Lieferung sowie zum geschuldeten Entgelt nachfolgende Erw. 3.4.9). Die Telefonate zwischen dem Beschuldigten und J. einerseits und D.

        und J. andererseits sind nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich derart aufeinander abgestimmt und lassen sich zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen, dass kein Raum bleibt für einen Alternativsachverhalt, wie ihn die Verteidigung geltend macht. Die Vorbringen der Verteidigung, wonach die Kontakte zwischen dem Beschuldigten und J. den Transport von Flüchtlingen zum Gegenstand gehabt hätten (so schon vor Vorinstanz, vgl. dazu Urk. 112 S. 42 f. mit Verweis auf Urk. 101/7 S. 21 f., Urk. 191 S. 25), vermögen vor diesem Hintergrund nicht zu überzeugen und lassen sich mit den in den Akten dokumentierten Gesprächen zwischen J. und dem Beschuldigten nicht vereinbaren. So vermag etwa auch nicht zu überzeugen, wenn die Verteidigung unter Verweis auf das Protokoll betreffend das Telefongespräch vom

        20. Juli 2014 um 21:41 Uhr (Urk. 9/14 Beilage 101) geltend macht, dass mit dem Vorschlag des Beschuldigten gegenüber J. , wonach sie es in der Erde verstecken könnten gemeint gewesen sei, dass der betreffende Reisende unterirdisch, d.h. klandestin, unter Umgehung von Polizeioder Grenzkontrollen reisen sollte (Urk. 191 S. 28). Die Verteidigung blendet auch hier die vorund nachgehenden Gespräche zwischen J. und dem Beschuldigten sowie zwischen J. und D. aus. Der Versuch der Verteidigung, den Gesprächen eine andere Bedeutung zuzumessen, indem sie losgelöst aus dem Gesamtzusammenhang einzelne Gesprächsfetzen herausnimmt und darum herum einen zum Anklagesachverhalt alternativen Lebenssachverhalt aufstellt, entbehrt nicht nur jeglicher Grundlage (wie dies bereits die Vorinstanz festgestellt hat, vgl. Urk 112 S. 43), sondern lässt sich insbesondere nicht mit der erstellten Verbindung der Gespräche zwischen dem Beschuldigten und J.

        einerseits sowie den Gesprächen zwischen J. und D.

        andererseits vereinbaren. Daran ändert mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 192 S. 2) auch nichts, wenn - wie die Verteidigung vorbringt (Urk. 191 S. 25 ff.) - einzelne im Gesprächsbzw. Nachrichtenverlauf ursprünglich in Zazaki gesprochene bzw. geschriebene Wörter auch noch anders übersetzt bzw. gedeutet werden könnten, als dies von dem im Untersuchungsverfahren beigezogenen Dolmetscher getan wurde (Urk. 192 S. 3). Das erhellt etwa, wenn man die von der Verteidigung beigemessene Interpretation des Telefongespräches vom 20. Juli 2014

        um 21.24 Uhr (Urk. 9/14 Beilage 100) in den Gesamtzusammenhang der aufgezeichneten Gespräche stellt. Die Verteidigung stellt sich diesbezüglich auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte nicht - wie im entsprechenden TKProtokoll übersetzt - gefragt habe, ob es in der Tasche sei, bzw. ob sie es eingepackt hätten, sondern: Hat er seine Sachen gepackt, wobei mit er ein jugendlicher PKK-Aktivist in Istanbul gemeint gewesen sei, der nach Griechenland habe reisen wollen und mit all seinen Sachen und Habseligkeiten habe aufbrechen müssen (Urk. 101/7 S. 25, Urk. 178 S. 5). Schon aus der zeitlichen Einbettung dieses Gesprächs erhellt aber, dass sich das Gespräch zwischen J. und dem Beschuldigten um den Transport jener Gegenstände gehandelt haben muss, die in Etappen hätten nach Bulgarien gebracht werden sollen und die in der Folge verschwunden sind (vgl. dazu Urk. 9/14 Beilage

        103a, Gespräch vom 21. Juli 2014 zwischen D.

        und AA. ,

        AA. : Der Mann möchte es nicht auf einmal bringen. In 2 oder 3 Systemen/Etappen, das heisst in einer Woche wird es hier sein, in einer Woche werden die Türen und Fenster hier sein). Ein PKK-Aktivist kann aber nicht in Etappen geliefert werden. Sodann ist nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte beim Onkel (väterlicherseits) Schulden hätte haben sollen, wenn der PKKAktivist verschwunden wäre (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.7). Von einer nochmaligen Übersetzung der von der Verteidigung beanstandeten Passagen (vgl. dazu Urk. 178 S. 4 f.) kann vor diesem Hintergrund abgesehen werden.

      2. Hinsichtlich der Art der Drogen, des Umfangs der Lieferung sowie der dafür geschuldeten Gegenleistung kann vorab vollumfänglich auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 112 S. 36 - 39):

        1. Wie gesehen bestreitet auch die Verteidigung - abgesehen von der dem Beschuldigten zugeschriebenen Rolle - nicht, dass der Herointransport wie in Anklageziffer 3 (Vorgang 30) umschrieben stattgefunden hat (vgl. vorstehende Erw. 3.4.2). Die Annahme, dass es sich bei der letztlich verschwundenen Lieferung um Heroin gehandelt haben muss, deckt sich mit den - dem Beschuldigten in der Einvernahme vom 15. März 2016 vorgehaltenen (Urk. 9/17

          S. 4 ff.) - Aussagen von D. in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme

          vom 8. April 2015, wonach Hintergrund der Schulden von AF. der Verlust einer Menge Heroin aus der Türkei gewesen sei (Urk. 10/6 S. 3 ff. sowie angehängte Notizen [Schreiben von D. vom 1. April 2015, versandt an die fallführende Staatsanwältin im Verfahren gegen D. , A-1/2014/184400113], vgl. auch Urk. 112 S. 37 und 56 ff.). Dass mit AF. der Beschuldigte gemeint war, ergibt sich aus der Übereinstimmung der Aussagen D. s mit den Erkenntnissen aus der Telefonüberwachung und mit der Vorinstanz insbesondere auch aus den Ausführungen D. s, wonach AF. eine Wohnung gemietet habe, die auf den Namen von AG. gelautet habe, was unbestrittenermassen auf den Beschuldigten zutrifft (Urk. 112 S. 61 und 93 mit Verweisen, vgl. insbesondere Urk. 14/1 S. 2 ff. [Ausführungen von AG. ] und Urk. 29/34 [wo die Ausführungen von AG. zum Aufenthaltsort des Beschuldigten von der Verteidigung als richtig anerkannt werden] sowie nachstehende Erw. 3.9.2 zu Anklageziffer 8). Im Übrigen hatte D. gemäss dem Einvernahmeprotokoll vom 15. Juni 2015

          auch bestätigt, dass es sich bei AF. _ um A1.

          handle (Urk. 10/7

          S. 1 f.), wovon er in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten dann aber nichts mehr wissen wollte und geltend machte, dass dies falsch protokolliert worden sei (Urk. 9/17 S. 10 f.). Auch wenn D. bei seiner Darstellung des vorliegend zu beurteilenden Vorganges im Sommer 2014 seine Rolle im Drogentransport zu verschweigen versuchte, besteht kein Grund, die Aussage, wonach Hintergrund der Geldschuld eine verschwundene Heroinlieferung war, anzuzweifeln. Ganz offensichtlich lässt sich das Aussageverhalten von D. mit der Vorinstanz damit erklären, dass dieser sich selbst zu entlasten versuchte und nur soweit Zugeständnisse machte, als dass die Sachlage aus seiner Sicht erstellt war (vgl. Urk. 112 S. 59 f.). Die Darstellung von D. , wonach sein Vater schliesslich ihre Wohnung in der Türkei als Sicherheit für die vom Beschuldigten erwähnte Schuld gegeben habe, deckt sich denn auch mit dem übrigen Beweisergebnis (vgl. vorstehende Erw. 3.4.6 sowie Urk. 112

          S. 35). Der Umstand, dass der Beschuldigte diese Ausführungen in späteren Einvernahmen nicht mehr bestätigen wollte, vermag keine Zweifel an der Richtigkeit der ursprünglichen Aussage zu wecken, zumal D.

          auch keinen

          plausiblen Grund für eine mögliche Falschaussage angeführt hatte und überdies auch nicht einzusehen wäre, weshalb er von einer verschwundenen Heroinlieferung im Sommer 2014 hätte berichten und so den Beschuldigten - und damit je nach Beweisergebnis auch sich selbst - unnötigerweise hätte belasten sollen, wenn dem nicht so gewesen wäre. Für die Annahme, dass es sich (auch) bei der verschwundenen Lieferung im Juli 2014 um eine Heroinlieferung gehandelt haben muss, spricht mit der Vorinstanz auch der Umstand, dass nur gerade zwei Monate danach von den gleichen Akteuren (Beschuldigter,

          D. , H.

          sowie J. ) wiederum eine Heroinlieferung von der

          Türkei in die Schweiz transportiert (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.5 zu Anklageziffer 4 [Vorgang 35]) und D. im Januar 2015 mit 2 kg Heroingemisch im Fussraum des Beifahrersitzes angehalten wurde (Urk. 112 S. 37 mit Verweis auf Urk. 2 S. 3, vgl. dazu beigezogenes Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 23. Oktober 2017 in Sachen Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich gegen D. [DG160071, Urk. 176 S. 15]).

        2. Gemäss Anklageschrift hatten H. , D. und der Beschuldigte für die vereinbarte Drogenlieferung von 4 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) wie gesehen eine Anzahlung in der Höhe von rund Euro 36'000.- (entspricht 110'000 türkische Lira) geleistet und blieben bei einem Totalbetrag von Euro 70'000.- Euro 34'000.- (entspricht 90'000.- türkische Lira) schuldig.

        3. Wie die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, ist hinsichtlich der Menge der abhanden gekommenen Lieferung aufgrund des aufgezeichneten

          Gesprächs zwischen D.

          und dem Kurier AA. von 4 Einheiten

          auszugehen (Urk. 112 S. 37 mit Verweis auf Urk. 9/14 Beilage 116 AA. : [ ] 2 sind hier und nächste Woche kommen noch 2 [ ]. Wenn 4 hier sind, werden wir uns auf den Weg machen). Ebenso überzeugend ist die Herleitung der Vorinstanz, wonach angesichts des für die Lieferung zu bezahlenden Entgelts eine Einheit nicht für weniger als 1 kg stehen könne (Urk. 112 S. 38):

        4. Hinsichtlich des für die Drogenlieferung vom Juli 2014 zu leistenden Entgelts multipliziert die Vorinstanz in Übereinstimmung mit den Ausführungen im Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 8. Februar 2016 zu Vorgang 30

          (Urk. 1/16) die in den Gesprächsprotokollen genannten Beträge mit dem Faktor 1'000 und erachtete vor diesem Hintergrund die in der Anklageschrift genannten Zahlen als erstellt (Urk. 112 S. 38).

        5. Die Verteidigung kritisiert die von der Vorinstanz übernommene Interpretation aus dem Polizeibericht. Der von der Untersuchungsbehörde bzw. der Vorinstanz für die Bestimmung des Kaufpreises herangezogene Dialog passe überhaupt nicht zu einer Drogenlieferung. Vielmehr sei die Aussage des Beschuldigten gegenüber J. , wonach er mit 70 rechnen solle, vor dem Hintergrund einer geplanten Reise zu verstehen, von jemandem, der offenbar einen Umweg (dorthin) machen müsse, so dass die nötigen Ausgaben steigen würden (Urk. 191 S. 28 f.). Das überzeugt nicht. Wie die Vorinstanz richtig aufgezeigt hat, hat der Beschuldigte am 19. August 2014 gegenüber J. erwähnt, dass sie 70 - 80 Tausend verloren hätten, was nicht wenig Geld sei (Urk. 112 S. 38 mit Verweis auf Urk. 11/13 Beilage 4b = Urk. 9/11 Beilage 4b), woraufhin J. antwortete: Sie sagen 70 Tausend. Die Wohnung ist wertlos. Wir haben damals denen gesagt, die Wohnung macht 130. Im gleichen Gespräch erwähnte J. gegenüber dem Beschuldigten, dass er mit dem Onkel [offensichtlich der Onkel väterlicherseits] gesprochen habe, und sie nicht 34 Papiere, sondern 30 Papiere bezahlen müssten (Urk. 11/13 Beilage 4a). Auch im Gespräch vom 7. Oktober 2014 zwischen dem von H. benutzten Anschluss und jenem von J. ist die Rede von 30'000 Euro bzw. 34'000 (Urk. 112 S. 38 mit Verweis auf Urk. 11/15 [recte: 11/14] Beilage 123b = Urk. 9/11 Beilage 123b). Vor diesem Hintergrund überzeugt, wenn die Vorinstanz in Übereinstimmung mit der Untersuchungsbehörde das Gespräch vom 15. Juli 2017 zwischen J. und dem Beschuldigten dahingehend interpretiert, dass der Beschuldigte J. gegenüber mitgeteilt habe, maximal Euro 70'000.- für die Lieferung bezahlen zu wollen, zumal - wie von

          der Vorinstanz aufgezeigt - auch an anderer Stelle, dort von D.

          und

          J. - bei der Nennung von Beträgen jeweils drei Nullen weggelassen wurden (Urk. 112 S. 38 mit exemplarischem Verweis auf Urk. 9/14 Beilage 34 und 191, vgl. zu den angegebenen Beträgen von 34 bzw. 70 Urk. 1/16 S. 1, 13, 36; Urk. 9/14 Beilage 56 und 185). Sodann erhellt aus den Gesprächen,

          dass es bei den 34 Papiere bzw. 34 bzw. 34'000 um die Schuld geht, für welche sie mit der Wohnung gebürgt hätten. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Alternativsachverhalt der Verteidigung, wonach es um Mehrauslagen eines Reisenden gehe, zu verwerfen ist, was schon angesichts der Höhe des Betrages einleuchtet.

        6. Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte bereit war, für vier Einheiten insgesamt Euro 70'000.- zu bezahlen, wobei Euro 36'000.- im Voraus bezahlt und der Rest auf Kommission hätte bezogen werden sollen. Ausgehend von dem im Jahr 2014 gemäss dem Bundesamt für Polizei bestehenden durchschnittlichen Strassenpreis für ein Gramm Heroin von Fr. 57.- (je nach Region und Qualität zwischen Fr. 20.- und Fr. 120.-, S. 38) und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Preise tiefer sind, je näher der Händler in der Handelskette beim Hersteller ist, kann mit der Vorinstanz nur der Schluss gezogen werden, dass eine Einheit (mindestens) einem Kilogramm entsprochen haben muss. Auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 112 S. 38 f., Art. 82 Abs. 4 StPO).

      1. Insgesamt bestehen keine Zweifel daran, dass sich der in Anklageziffer 3 umschriebene Sachverhalt betreffend Vorgang 30 so ereignet hat, wie er zur Anklage gebracht wurde, mit der einzigen Einschränkung, dass sich nicht er-

        stellen lässt, dass die von D.

        an J1.

        bzw. J. geleisteten

        Zahlungen (vgl. dazu Urk. 37 S. 5) als Anzahlung für die Drogenlieferung bestimmt waren. Auch hier kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 112 S. 44), zumal die Verteidigung nichts dagegen einzuwenden hatte.

      2. Zu verwerfen sind bei dieser Ausgangslage - wie vorstehend schon aufgezeigt und auch von der Vorinstanz überzeugend dargelegt (vgl. dazu Urk. 112 S. 42 f., S. 47 f., S. 52 ff.) -, die von der Verteidigung aufgeworfenen Alternativsachverhalte (vgl. dazu Urk. 101/7 S. 21 ff. und Urk. 191 S. 24 ff.), die sich nicht in den Gesamtzusammenhang der bei den Akten liegenden Gesprächsaufzeichnungen einbetten lassen.

      3. Ebenso nicht gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie das Narrativ des Polizeirapportes und damit der Anklageschrift sowie des vorinstanzlichen Urteils deshalb als falsch erachtet, weil im Polizeirapport vom

        8. Februar 2016 (Urk. 1/16 S. 27) AH. , der angeblich eine wichtige Rolle gespielt haben soll, einmal als Schuldner des Beschuldigten und dann eine Personengruppe, zu der auch AH. gehört, plötzlich als Gläubiger bezeichnet worden sei (Urk. 191 S. 27). Aus dem aufgezeichneten Telefonat vom

        13. Juli 2014 um 18:49 Uhr zwischen dem Beschuldigten und J. geht hervor, dass der Beschuldigte offenbar geplant hatte, dass AH. den Lieferanten hätte bezahlen sollen, da er, also AH. - bzw. die Personengruppe zu der er und auch AI. gehörte - offenbar noch Schulden beim ihm - dem Beschuldigten - hatte(n) (Urk. 9/14 Beilage 43a, Urk. 1/16 S. 11). Der Beschuldigte erklärte J. , dass sie - also AH. und seine Leute - ihnen das Geld geben würden, J. ihm im Gegenzug aber etwas Taschengeld überlassen müsse (Beschuldigter: Ich habe ihn angerufen. Wir erhalten das Geld von ihnen, sie schulden uns 38 aber du musst ihm etwas Taschengeld geben. 3-6 Papiere. Du sollst nur Taschengeld geben. Wir erledigen den Rest. [ ]. Du musst nicht dorthin gehen. Ich telefoniere zuerst, sie holen es und bringen hierher. Du sollst es ihnen überlassen, sie machen alles. Sie werden von dir 38 nehmen [Urk. 9/14 Beilage 43a]). Wenn die Verteidigung ausführt, dass es doch überhaupt keinen Sinn mache, dass AH. 38 zur Schuldentilgung bezahlen müsse und J. dann trotzdem noch 38 geben müsse (Urk. 101/7 S. 21), hat dies nichts mit der Logik des Narrativs des Polizeirapportes zu tun, sondern ist dies auf die verklausulierte Gesprächsweise zurückzuführen. Aus dem Gesamtzusammenhang des Gespräches ist zu schliessen, dass AH. nicht Geld, sondern im Gegenzug für das von ihm zu leistende Geld etwas anderes im Wert von 38 bzw. Euro 38'000.- vom Lieferanten hätte übernehmen sollen (sie holen es und bringen hierher). Hierfür hätte J. AH. 3-6 Papiere Taschengeld geben sollen. Im Lichte aller Erkenntnisse liegt der Schluss nahe, dass es sich bei dem zu übernehmenden etwas um Drogen handelte. Vor diesem Hintergrund macht durchaus auch Sinn, wenn J. am 18. Juli 2014 um 11:03 Uhr gegenüber dem Beschuldigten erwähnte, dass er AJ. 2 Papiere geben würde (Urk. 9/14 Beilage 63). Offenbar funktionierte der Plan des Beschuldigten aber nicht oder zumindest nicht sogleich, wie aus einem weiteren Gespräch zwischen J. und dem Beschuldigten vom 15. Juli 2014 um 20:32 Uhr hervorgeht (Urk. 1/16

        S. 13). J. : Die Sache von AJ. ist noch nicht erledigt. [ ]. Die Sache von AJ. , es geht nicht. (Urk. 9/14 Beilage 56). Gemäss den Ausfüh- rungen des Beschuldigten im Telefongespräch vom 13. Juli 2014 ist AJ. der älteste Bruder von AH. (Urk. 9/14 Beilage 43a). AJ. hatte das Geld offenbar (noch) nicht dem Lieferanten übergeben.

      4. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte und auch die anderen Akteure des Drogentransportes mit ihrer konspirativen Gesprächsweise und ihren Code-Wörtern offensichtlichst zu vermeiden versuchten, dass ihre Gespräche für allfällige Mithörer, namentlich die Polizeiund Untersuchungsbehörden, einen Sinn machten, erstaunt nicht, dass im Untersuchungsverfahren nicht immer sämtliche Passagen in den aufgezeichneten Gesprächen zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden konnten bzw. dass letztlich gewisse Abläufe im Dunkeln bleiben. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte und auch die weiteren Akteure des Drogentransportes nachweislich verschiedene Telefonanschlüsse verwendet hatten, von denen allenfalls nicht alle abgehört worden waren. Jedenfalls steht fest, dass zumindest der Beschuldigte teilweise auch öffentliche Telefonkabinen verwendete (vgl. dazu etwa Urk. 1/16 S. 10 und Urk. 9/14 Beilage 38). Schon deshalb erhellt, dass sich der im Sommer 2014 abgespielte Lebenssachverhalt nicht lückenlos in den Akten spiegelt. Das tut aber der Beweiseignung jener bei den Akten liegenden Gesprächsaufzeichnungen, welche zusammen betrachtet ein sinnvolles Ganzes ergeben und letztlich das Fundament des Anklagesachverhaltes bilden, keinen Abbruch.

      5. Zusammengefasst bleibt es damit bei der vorinstanzlichen Sachverhaltserstellung, wonach auch der unter Anklageziffer 3 umschriebene Sachverhalt im Wesentlichen erstellt ist. Nicht erstellt ist wie gesehen einzig, dass

(auch) die in der Anklageschrift aufgeführten Zahlungen von D. an

J1. per Western Union im Zusammenhang mit dem Drogentransport gestanden haben (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.10).

    1. Anklageziffer 4 (Vorgang 35)
      1. Auch in diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten vorgeworfen, mit J. eine Heroinlieferung in die Schweiz organisiert zu haben. Hierfür sei H. anfangs August 2014 in die Türkei gereist, um J. zu treffen und mit dem Heroinlieferanten die Modalitäten der Heroinlieferung abzusprechen. Es sei zwischen dem Beschuldigten, D. , H.

        und

        J. vereinbart worden, dass zwei Kilogramm Heroin auf Kommissionsbasis durch AK.

        geliefert werden sollten. Am 22. September 2014 habe

        D. den Beschuldigten nach St. Margrethen chauffiert und sei anschliessend über die Grenze nach Bregenz gefahren, wo er AK. mit dem Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) getroffen habe. Zusammen seien sie wieder in die Schweiz eingereist, hätten den Beschuldigten abgeholt und seien zu

        dritt nach G.

        gefahren, wo AK.

        ihnen das Heroingemisch zwecks

        Weiterverkauf übergeben habe. Aus dem Erlös hätten auch die Schulden von

        H.

        beim Heroinlieferanten in der Türkei bezahlt werden sollen (Urk. 37

        S. 6, Urk. 112 S. 55).

      2. Die Verteidigung stellt - wie schon beim Vorgang 30 - auch diesen Drogentransport nicht in Frage, bestreitet aber wiederum, dass neben D. und

        H.

        auch der Beschuldigte eine Rolle gespielt haben soll. Zwar treffe es

        zu, dass der Beschuldigte am 22. September 2014 zusammen mit D. nach St. Margrethen gefahren sei, allerdings nicht für die Abwicklung eines Drogentransportes, sondern um seine Cousine zu treffen. Die Rückfahrt habe der Beschuldigte - entgegen der Anklageschrift - nicht zusammen mit D. angetreten (Urk. 191 S. 29 f.).

      3. Die Vorinstanz erachtete den in Anklageziffer 4 zur Anklage gebrachten Sachverhalt als erstellt, mit der einzigen Korrektur, dass der Beschuldigte seine Rückfahrt von St. Margrethen nach G. nicht zusammen mit AK. und D. angetreten habe (Urk. 112 S. 65).

      4. Die Verteidigung wendet gegen die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung insbesondere ein, dass die abgehörten Telefongespräche, die die Vorinstanz auf Seite 60 f. für die entscheidende Phase zitiere, von D. geführt worden seien. Die Telefongespräche des Beschuldigten hingegen würden keinen plausiblen Zusammenhang zur Heroinlieferung aufweisen. Vielmehr gehe es um mindestens zwei verschiedene Sachverhalte. Die Gespräche zwischen dem Beschuldigten und J. hätten von der geplanten Ausreise J. s aus der Türkei gehandelt. Nach der Darstellung der Verteidigung ist aus dem Gespräch vom 20. August 2014 zu schliessen, dass J. für seine Ausreise aus der Türkei Bargeld gebraucht habe, das der Beschuldigte aber nicht hatte (Urk. 191 S. 30 f. mit Verweis auf Urk. 178). Auch die übrigen vom Beschuldigten in diesem Zeitraum geführten Telefongespräche hätten nichts mit einer Heroinlieferung zu tun (Urk. 191 S. 31).

      5. Die Vorbringen der Verteidigung überzeugen nicht. Wie aus den in den Akten dokumentierten Telefongesprächen hervorgeht, war der Beschuldigte die treibende Kraft bei der Organisation des am 22. September 2014 unbestrittenermassen durchgeführten Drogentransportes. Die Kommunikation des Beschuldigten mit D. erfolgte - gleich wie schon bei Vorgang 30 - wiederum über J. (vgl. schon vorstehende Erw. 3.4.5 - 3.4.8). Am 20. September 2014 erklärte der Beschuldigte unter Verwendung der Telefonnummer 14 seinem Gesprächspartner mit niederländischer Telefonnummer, dass er - eine nicht namentlich genannte Drittperson - kein Auto habe, da dieses renoviert werden müsse. Er könne erst am Montag. Der Beschuldigte fragte weiter, ob man es auf Montag (d.h. den 22. September 2014) verschieben könne, was der Gesprächspartner bejahte. Sodann fragte der Beschuldigte, wie viel es sei und nahm Bezug auf ein früheres Gespräch, bei welchem der Gesprächspartner ihm gesagt haben soll, dass er dem Jungen 2'500 geben würde. Der Gesprächspartner stellte ihm daraufhin 2'000 in Aussicht (Urk. 112 S. 62 f. mit Verweis auf Urk. 11/14 Beilage 33a = Urk. 9/11 Beilage 33a). Am

        21. September 2014 telefonierte der Beschuldigte - nunmehr wiederum unter Verwendung des Telefonanschlusses, welcher er bereits im Zusammenhang mit Vorgang 30 verwendet hatte (15) - mit J. . Dieser erklärte ihm, dass

        er mit dem Jungen gesprochen habe, woraufhin der Beschuldigte fragte, ob das Auto bereit sei. J. antwortete, dass es repariert sei, aber noch bezahlt werden müsse, woraufhin der Beschuldigte die Übernahme der Rechnung in Aussicht stellte und anmerkte: Wir müssen ihn dorthin schicken, verstehst du (Urk. 9/11 Beilage 34a, vgl. schon Urk. 112 S. 63 mit Verweis auf identische Beilage [Urk. 11/14 Beilage 33a]). Dass es sich bei der Drittperson um D. gehandelt haben muss, ergibt sich einerseits aus den weiteren Gesprächsaufzeichnungen und andererseits auch aus dem Umstand, dass D.

        • wie

          von der Vorinstanz dargelegt und bereits im Zusammenhang mit Vorgang 30 (Anklagziffer 3) gesehen - stets als der Junge bzw. der Junge des Beschuldigten bezeichnet worden war (Urk. 112 S. 61). Dass D. am 22. September 2014 dann tatsächlich nach Bregenz gefahren war, ergibt sich aus dem Telefongespräch vom 22. September 2014 um 17:25 Uhr zwischen D.

          (gleiche Telefonnummer wie bei Vorgang 30) und seinem Gesprächspartner mit der Nummer 16, wo D. erklärte: Ich bin im Bahnhof, im Bahnhof. Bregenz, ok (Urk. 9/11 Beilage 41). Schon um 18:03 Uhr des gleichen Tages bat der Beschuldigte J. , ob er nachfragen könne, ob der Junge abgefahren sei. Ferner soll er ihm sagen, dass sie zu ihm kommen und ihn abholen sollten (Urk. 9/11 Beilage 42). Um 18:43 Uhr informierte J. den Beschuldigten, dass der Junge in 15 Minuten bei ihm sein werde (Urk. 9/11 Beilage 46, vgl. auch Urk. 112 S. 61 mit Verweis auf identische Beilage, Urk. 11/14 Beilage 47 [recte: 46]). Gemäss dem Antennenstandort der TK-Linie A3 (15) befand sich der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt in St. Margrethen (a.a.O.). Um 18:44 Uhr wurde er auf die Rufnummer 14 von einer österreichischen Nummer angerufen und gefragt, wie der Name der Stadt laute, wo er sich aufhalte, er/sie könne es nicht finden, woraufhin der Beschuldigte erklärte, in St. Margrethen zu sein (Urk. 9/11 Beilage 47). Zeitgleich rief J. D. an, und berichtete diesem, den Beschuldigten über seine baldige Ankunft informiert zu haben (Urk. 9/11 Beilage 48: Ich habe gesagt, in 10 Minuten.). Um 18:46 Uhr fragte der Beschuldigte bei J. nach, ob AJ. komme und wo er sei, woraufhin J. ihn darüber informierte, dass er auf ihrer Seite sei (Urk. 9/11 Beilage 49).

      6. Damit ist erwiesen, dass der Beschuldigte und D. , nachdem D. den Beschuldigten am 22. September 2014 in St. Margrethen abgeladen hatte und nach Bregenz gefahren war, ständig in Kontakt gestanden hatten, wenn auch nur indirekt über J. . Ebenso erstellt ist, dass sich der Beschuldigte und D. - und offenbar auch AJ. - nach der Rückkehr von D. aus Bregenz wieder in St. Margrethen getroffen hatten.

      7. Dass D.

        nach Bregenz gefahren war, um eine Heroinlieferung in

        die Schweiz zu transportieren, wird von der Verteidigung wie gesehen nicht angezweifelt (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.5.4). Gemäss den von D. in seinen der fallführenden Staatsanwältin eingereichten und in der Einvernahme vom 8. April 2015 bestätigten, hernach dann aber widerrufenen, Ausführungen in den schriftlichen Handnotizen (vgl. Urk. 112 S. 56 ff.) ging D. und spä- ter auch AK'. und AF. - also der Beschuldigte (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.9.1) - nachdem sie in St. Margrethen waren, nach G. , wobei die Drogenübergabe von AK'. an AF. unterwegs erfolgt sei. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, zu dritt, also zusammen mit

        AK.

        und D.

        nach G.

        gefahren zu sein, wo das Heroin von

        AK. an den Beschuldigten und D. zum Zwecke des Weiterverkaufs übergeben worden sein soll (Urk. 37 S. 6). Dass der Beschuldigte, D. und AK. nicht zu dritt nach G. gefahren sind, hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt (vgl. Urk. 112 S. 65 und nachstehende Erw. 3.5.8). Darüber hinaus ist aber auch nicht ganz klar, ob sich die drei überhaupt nach G. begeben haben. Aufgrund der aufgezeichneten Gespräche und der jeweiligen Antennenstandorte der von D. und dem Beschuldigten an diesem Abend

        verwendeten Telefonanschlüsse ist jedenfalls erstellt, dass sich D.

        und

        der Beschuldigte am Abend des 22. September 2014 in der Wohnung von H. in Winterthur getroffen hatten (vgl. nachstehende Erw. 3.5.8). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch die Übergabe des Heroingemischs in Winterthur erfolgte, nachdem dieses von D. dorthin transportiert wurde (vgl. nachstehende Erw. 3.5.8). Für die Tatschuld ist aber letztlich entscheidend, dass kein Zweifel daran besteht, dass das Heroingemisch in die Schweiz eingeführt wurde und der Beschuldigte massgeblich an der Organisation dieser Einfuhr beteiligt war. Dafür sprechen nicht nur die über Umwege geführten Telefongespräche und damit das sehr ähnliche Vorgehen wie bei Vorgang 30, sondern auch die - allerdings hernach widerrufenen - Ausführungen von D. (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.5.10)

      8. Nach dem Treffen in St. Margrethen trennten sich die Wege des Beschuldigten und D. offensichtlich wieder (vgl. auch Urk. 112 S. 65). Denn um 19:31 Uhr bat D. J. , ob er den Onkel fragen könne, ob er - D. - auch alleine gehen könne, woraufhin J. den Beschuldigten anrief, der dann aber erklärte, dass es besser sei, wenn sie - offenbar der Beschuldigte und D. - zusammen gehen könnten, was J. Letzterem umgehend mitteilte (Urk. 9/11 Beilagen 50-52). Gemäss den Antennenstandorten der überwachten Telefonanschlüsse war D. zu diesem Zeitpunkt unterwegs. Um 19:31 Uhr in 9200 Gossau und um 19:35 Uhr in 9203 Oberbüren (Urk. 9/11 Beilagen 50 und 52). Der Beschuldigte hielt sich gemäss dem Antennenstandort des von ihm benutzten Telefonanschlusses zu dieser Zeit in St. Gallen auf, obwohl er J. gegenüber angegeben hatte, im Laden seines Vaters zu sein und J. beauftragte, ihm zu sagen, dass er dorthin kommen solle (Urk. 9/11 Beilage 51). Aus dem Gesamtzusammenhang ergibt sich, dass es sich nur um den Imbissladen von H. in G. gehandelt haben kann. Um 20:17 Uhr rief D. J. an und sagte ihm, er soll sich beim Onkel erkundigen, wo dieser geblieben sei, da er auf ihn warte (Standort: Winterthur). Kurz darauf rief J. zurück und erklärte D. , dass er in der Wohnung seines Vaters bleiben solle, da er - der Beschuldigte - kommen werde (Urk. 9/11 Beilage 58 und 59). Um 22:10 Uhr war D. dann offenbar in Adliswil (Urk. 9/11 Beilage 61) und stellte seinem Vater H. , welcher im Imbissladen in G. war, kurz darauf in Aussicht, dass es etwas später werde. Wir werden nach Winterthur fahren und kommen dann wieder. Das wird eine halbe Stunde bis Stunde dauern. Ok (Urk. 9/11 Beilage 62). Um 22:46 Uhr, also eine halbe Stunde später, war der Beschuldigte gemäss Antennenstandort des von ihm benutzten Telefonanschlusses ebenfalls in Winterthur, was den Schluss nahe legt, dass er zu diesem Zeitpunkt mit D. unterwegs war (Urk. 9/11 Beilage 65). D. blieb dann aber offenbar in Winterthur. Jedenfalls rief der Beschuldigte tags darauf um 07:43 Uhr J. an und forderte ihn auf, seinem Jungen mitzuteilen, dass er angekommen sei

        (Standort: Winterthur, Urk. 9/11 Beilage 66). D.

        nahm den Anruf von

        J. entgegen und führte aus, gerade aufgestanden zu sein und zum Onkel zu gehen (Standort: Winterthur, Urk. 9/11 Beilage 67).

      9. Dass der Beschuldigte, D.

        und AK.

        nicht zu dritt von

        St. Margrethen nach Winterthur gefahren waren, macht auch Sinn. Wie die Verteidigung zu Recht bemerkte, hätte sich der Beschuldigte bei einem solchen Vorgehen unnötig dem Risiko ausgesetzt, zusammen mit den Drogen in eine Polizeikontrolle zu geraten (Urk. 101/7 S. 30). Vielmehr spricht gerade der Umstand, dass der Beschuldigte nachgewiesenermassen separat nach Winterthur gefahren war mit der Vorinstanz dafür, dass er sehr wohl vom Drogentransport gewusst hatte und ganz bewusst nicht zusammen mit D. zurückgefahren war, um eben dieses Risiko, erwischt zu werden, zu umgehen (Urk. 112 S. 65). Wie gesehen wurde der von D. unbestrittenermassen durchgeführte Drogentransport vom Beschuldigten und J. über das Telefon aber engmaschig begleitet. Die Behauptung der Verteidigung, wonach die Telefonate des

        Beschuldigten mit J.

        nicht im Zusammenhang mit dem Drogentransport

        gestanden hätten, ist damit widerlegt.

      10. Richtig ist die Feststellung der Verteidigung, wonach sich aus den vorinstanzlichen Feststellungen eine wesentlich bedeutsamere Rolle D. s ergebe, als dies von diesem in seiner ursprünglich und hernach aber widerrufenen Darstellung des Sachverhaltes dargestellt worden ist (Urk. 191 S. 30 mit Verweis auf Urk. 112 S. 59 und 61 sowie Urk. 10/6, vgl. zur Sachdarstellung D. s Urk. 112 S. 56 ff. mit Verweis auf Urk. 10/6 S. 3 ff.). Daraus kann aber nichts zugunsten des Beschuldigten abgeleitet werden, und dies tut - wie dies die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat (vgl. dazu Urk. 112 S. 59 f.) - der Glaubhaftigkeit der Aussagen D. s zumindest solange keinen Abbruch, als dass sich diese mit den Erkenntnissen aus den Überwachungsmassnahmen übereinstimmen lassen bzw. diese verstärken. Und das ist der Fall. Die Ausführungen D. s lassen sich mühelos mit den übrigen sich aus den Akten ergebenden Erkenntnissen vereinbaren und zu einem Ganzen zusammenfügen. D. spricht aus, was ansonsten aufgrund der konspirativen Vorgehensweise, dem Inhalt der Telefongespräche, der nachgewiesenermassen involvierten Personen, sowie der dem Transport bzw. dem jeweiligen Aufenthaltsort D. s beigemessenen Wichtigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden müsste, nämlich, dass es sich bei den 2'000, welche dem Beschuldigten von seinem niederländischen Gesprächspartner in Aussicht gestellt worden waren, um Heroingemisch gehandelt haben muss. Es ist mit der Vorinstanz sodann nicht einzusehen, weshalb D. von einem Herointransport ohne reellem Hintergrund hätte berichten sollen. Ebenso ist kein Grund ersichtlich, weshalb er den Beschuldigten zu Unrecht hätte belasten sollen. Insbesondere ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass im Zeitpunkt der schriftlichen Handnotiz im März 2015 die Ausführungen D. s noch sehr vage waren, weshalb er nicht davon ausgehen konnte, dass er aufgrund dieser Ausführungen aus der Untersuchungshaft entlassen werden würde, zumal seine Rolle bei seinen Ausführungen ja gerade im Dunkeln geblieben war (Urk. 112 S. 59 f.). Dass er sich in einem günstigen Licht darzustellen versuchte bzw. seinen Tatbeitrag in Abrede stellte, ist angesichts des bei einer Verurteilung wegen eines Herointransportes drohenden Strafe nicht erstaunlich.

      11. Entgegen der Verteidigung überzeugen die vorinstanzlichen Feststellungen zur Sachverhaltserstellung und es kann vollumfänglich auf sie verwiesen werden (Urk. 112 S. 55 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung bringt denn auch nichts vor, was daran zweifeln liesse, sondern wiederholt lediglich jene Vorbringen, die die Vorinstanz bereits überzeugend entkräftet hat.

      12. Wie gesehen bestreitet auch die Verteidigung nicht, dass am 22. September 2014 2 kg Heroingemisch über St. Margrethen in die Schweiz importiert worden waren (vgl. vorstehende Erw. 3.5.2). Dass dem so war, hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt (Urk. 112 S. 60 ff.). Entgegen der Darstellung der Verteidigung ist - wie vorstehend verdeutlicht - aber auch die Mitwirkung des Beschuldigten an diesem Drogentransport erstellt. Ob der Beschuldigte in St. Margrethen - wie dies die Verteidigung, allerdings ohne nähere Aus-

        führungen, behauptet - unter anderem auch noch seine Cousine getroffen hatte (Urk. 191 S. 29 f.), kann mit der Vorinstanz letztlich dahingestellt bleiben. Denn ein etwaiges Treffen mit der Cousine schliesst nicht aus, dass der Beschuldigte daneben auch noch beim Drogentransport mitgewirkt hat (Urk. 112 S. 65 f.). Ebenso verfängt nicht, wenn die Verteidigung im angeblichen Transportweg einen Hinweis darauf sehen will, dass die Anklageversion nicht stimmen könne (Urk. 191 S. 64). Es ist keineswegs zwingend anzunehmen, dass bei einem Drogentransport immer der aus geographischer Sicht günstigste Weg gewählt wird. Vielmehr ist naheliegend, dass auch taktische Gründe für einen reibungslosen Ablauf die Routenwahl beeinflussen können, so etwa nicht oder nur selten kontrollierte bzw. wenig genutzte Grenzübergänge.

      13. Bei diesem Beweisergebnis kann letztlich dahingestellt bleiben, was der genaue Inhalt des Telefongesprächs zwischen dem Beschuldigten und J. vom 20. August 2014 um 10:39 Uhr war. Zur Sachverhaltserstellung wird es nicht benötigt, und umgekehrt vermag es den Beschuldigten angesichts der weiteren Gespräche auch dann nicht zu entlasten, wenn der Inhalt so zu übersetzen wäre, wie es die Verteidigung geltend macht (Urk. 178 S. 6, Urk. 191 S. 30). Es ist aber unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz zu bemerken, dass die Interpretation der Verteidigung - wonach es darum gegangen sei, dass J. die Türkei habe verlassen wollen und dafür Geld benötigt habe - keine Stütze in den Akten findet (Urk. 112 S. 67). Auch wenn der Beschuldigte bei der fraglichen Stelle tatsächlich nicht für 2, 3 Tausend gesagt haben sollte, sondern 2 mehr oder weniger, erhellt nicht, wie dann auf einen geplanten Wegzug J. s aus der Türkei geschlossen werden kann (vgl. dazu und zum Inhalt des Gesprächs, wie es in die Akten übernommen wurde Urk. 112 S. 67 mit Verweis auf Urk. 10/17 Beilage 6 = Urk. 9/11 Beilage 6).

      14. Damit bleibt es auch hinsichtlich des vierten Anklagesachverhaltsteils bei der von der Vorinstanz vorgenommenen Beweiswürdigung und ist der Anklagesachverhalt betreffend Vorgang 35 erstellt, mit der einzigen Korrektur, dass der Beschuldigte nicht gemeinsam mit, sondern unabhängig von

AK. und D. von St. Margrethen zurückgereist war und zwar nicht - zumindest nicht direkt - nach G. , sondern nach Winterthur.

    1. Anklageziffer 5 (Vorgang 51)
      1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich zwischen dem 11. und dem 26. November 2014 mehrmals bei einem Unbekannten nach dem Eintreffen einer Heroinlieferung erkundigt zu haben, wobei er sich mit diesem Unbekannten auch persönlich im Raume Dietikon getroffen haben soll. H. sei mit diesem unbekannten Lieferanten ebenfalls in Kontakt gestanden. Nachdem H.

        seinem Sohn D.

        am 26. November

        2014 mitgeteilt habe, dass der Unbekannte mit dem Heroin am Warten sei („Mein Sohn, der Mann wartet dort auf euch. Er sei in der Bäckerei“), hätten

        sich der Beschuldigte und D.

        nach /Dietikon begeben, wo sie am

        26. November 2014, ca. 20:55 Uhr, vom Unbekannten 500 g Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) übernommen hätten, wofür Fr. 17'500.- habe bezahlt werden müssen. Dieses Heroin sei in der Folge durch den Beschuldigten und D. an verschiedene Abnehmer verkauft worden (Urk. 37 S. 7).

      2. Die Vorinstanz erachtete auch diesen Anklagesachverhaltsteil als erstellt. Zur Sachverhaltserstellung herangezogen wurden von der Vorinstanz wiederum diverse Gesprächsaufzeichnungen. Ferner wurde das von D. zu diesem Zeitpunkt verwendete Fahrzeug (Audi A6, SH ) audioüberwacht sowie die entsprechenden GPS-Daten ausgewertet (vgl. dazu den Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 17. April 2016 [Urk. 1/19 S. 3 f.] sowie Urk. 112 S. 69 ff.). Wiederum - wie bereits bei den Vorgängen 30 und 35 - hatten es der Beschuldigte und D. , zumindest soweit dies aus den aufgezeichneten Telefongesprä- chen hervorgeht, auch vorliegend unterlassen, direkt miteinander per Telefon zu kommunizieren. Teilweise dokumentiert sind aber die im Fahrzeug von D. geführten Gespräche zwischen dem Beschuldigten und D. (vgl. dazu insbesondere Urk. 1/19 Beilage 7 - 8 [Beginn der Aufzeichnung 16:42 Uhr], Beilage 13 [Beginn der Aufzeichnung: 20:50]; identisch mit den Beilagen zu Urk. 9/13).

      3. Die Vorinstanz kam nach Würdigung der Beweise zum Schluss, dass der Beschuldigte und D. am Abend des 26. November 2014 ein erstes Mal nach Dietikon gefahren waren, um dort eine Probe abzuholen, und danach ein zweites Mal, um die Lieferung entgegenzunehmen (Urk. 112 S. 74). Das ergebe sich insbesondere aus dem Umstand, dass sich D. und der Beschuldigte am Abend des 26. November 2014 kurz nacheinander, namentlich um ca. 18:00 Uhr und dann wieder um ca. 21:00 Uhr nur kurz an den gleichen Örtlichkeiten in Dietikon aufgehalten hatten, und zwischendurch nach Winterthur gefahren waren (Urk. 112 S. 73 f.: AL. -Strasse und Restaurant [vgl. dazu Urk. 9/13 Beilage 14.1 und 14.2]). Sodann sei aufgrund der Gesprächsaufzeichnungen in dem von D.

        benutzten Fahrzeug sowie der GISAuswertung der GPS-Daten erstellt, dass es kurz vor 21:00 Uhr in der zur Übergabe eines Paketes gekommen sei (Urk. 112 S. 70 mit Verweis auf Urk. 1/19 Beilage 13a [Audioaufnahme aus dem von D. benutzten Fahrzeug, Zeit: 20:50] und S. 73 f. mit Verweis auf GPS-Auswertung [Urk. 1/19 Beilage 14.2]). Dass es sich dabei um ein Paket mit Drogen gehandelt haben müs- se, ergebe sich aus dem konspirativen Verhalten des Beschuldigten und D. s sowie angesichts der Tatsache, dass D. und der Beschuldigte im Drogengeschäft tätig waren und die abgeholte Sache für den Weitertransport zudem hätte versteckt werden sollen (Urk. 112 S. 70).

      4. Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 34 f.) kritisiert die Verteidigung auch berufungsweise die Übersetzung der diesem Sachverhalt zugrunde gelegten Gesprächsaufzeichnungen bzw. dessen Interpretation (Urk. 178 S. 6, Urk. 191 S. 32 f.). Zum einen seien die von der Polizei gemäss dem Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 7. April 2016 für ihre Hypothese herangezogenen Telefongespräche ab dem 11. November 2014 in einem völlig anderen Sachzusammenhang zu verstehen als die von D. geführten Telefongespräche, und zum anderen seien gewisse vom Beschuldigten bzw. D. in den Gesprächen verwendeten Begriffe mehrdeutig, weshalb die von der Vorinstanz gezogenen Schlüsse sich nicht mit der Unschuldsvermutung vereinbaren liessen (Urk. 191 S. 32 f).

      5. Zunächst ist zu bemerken, dass es - entgegen der Verteidigung (Urk. 191 S. 32) - nicht so ist, dass ohne eine erneute Übersetzung der von der Verteidigung beanstandeten Stelle zwingend von der seitens der Verteidigung geltend gemachten Interpretation der entsprechenden Passagen auszugehen ist. Anders als bei der Wahrunterstellung ist vorliegend auch bei Verzicht auf eine erneute Übersetzung nicht von der Fiktion auszugehen, der Beweis sei gelungen (vgl. zur Wahrunterstellung vorstehende Erw. 2.1.4). Zumindest was die von der Verteidigung beanstandete Interpretation des Gesprächstextes in Beilage 13 betrifft, macht auch die Verteidigung nicht eine eigentlich falsche Übersetzung im Sinne einer Schlechtleistung geltend. Vielmehr bemängelt sie die Interpretation des Übersetzten, da die Begriffe zum Teil mehrdeutig seien (Urk. 178 S. 6 f., Urk. 191 S. 33). Wenn aber ein Begriff verschieden interpretiert werden kann - vorliegend also in dem Sinne, wie er unter Zugrundelegung der im Untersuchungsverfahren übersetzten TK-Protokolle von der Vorinstanz verstanden worden ist (Es ist gross, man kann es nicht verstecken und Du musst aufpassen, damit die Packung nicht beschädigt wird; Urk. 112 S. 70,

        S. 73 f.) und gleichzeitig auch anders, wie dies die Verteidigung macht (die Hand passt nicht, sie ist zu gross und die Abdeckung, nicht die Packung könnte kaputt gehen), wäre aus einer erneuten Übersetzung nichts gewonnen. Bei mehreren Deutungsmöglichkeiten eines Wortes ist entscheidend, welche Bedeutung dem Gesprochenen im Kontext beizumessen ist. Bei der Beurteilung des Resultats der Beweisauswertung wird dann zu prüfen sein, ob sich aus einer anderen Deutung als der von der Untersuchungsbehörde vorgenommenen eine genügend greifbare Alternativhypothese ergibt, um nachhaltige Zweifel an der Bestandeskraft der tatbestandsmässigen Variante zu wecken (vgl. auch vorstehende Erw. 3.1.2 - 3.1.4).

      6. Vorliegend würde auch eine Interpretation, wie sie die Verteidigung vornimmt, nicht zu unüberwindlichen Zweifeln am tatbestandsmässigen Sachverhalt führen:

        1. Zwar stützt bzw. verstärkt die Übersetzung, wie sie sich aus dem TK-Protokoll ergibt, die Annahme, dass der Beschuldigte - wie ihm dies in der

          Anklage zur Last gelegt wird - am 26. November 2016 kurz vor 21:00 Uhr das Fahrzeug in der tatsächlich verlassen hatte, um ein Paket mit Drogen abzuholen (vgl. dazu Urk. 112 S. 70, S. 73 f.). Dafür sprechen aber auch weitere Indizien:

        2. Zunächst ergibt sich aus einem am frühen Abend des 26. November 2016 im Fahrzeug aufgenommenen Gesprächs zwischen dem Beschuldigten

          und D.

          eindeutig, dass die Beiden nach Möglichkeiten suchten, wie die

          Drogengeschäfte - welche sie ja erwiesenermassen zusammen betrieben hatten (vgl. dazu die Vorgänge 30 und 35) -, wieder profitabler gemacht werden könnten. Aus dem Kontext des Gespräches kann sodann geschlossen werden, dass sie im Begriff waren, ihre Pläne umzusetzen und Drogen zu beschaffen:

          Um 16:42 Uhr unterhielten sich der Beschuldigte und D.

          darüber, dass

          das Geschäft schlecht laufe. D. : Das Geschäft ist nur noch Scheisse. Beschuldigter: Vergiss jetzt unser Geschäft. Unser Geschäft läuft nicht. Dieser Andere, weisst du, wir sind einfach dazu gezwungen, also in Winterthur, Zürich, St. Gallen, wir müssen auch mehr in die AM. -Strasse gehen, und wir müssen es noch bei anderen Leute holen. D. : Wenn wir eigenes Material hätten, und es für 50-60 abgeben könnten. Beschuldigter: Du kannst nicht zu 50-60 abgeben, mein lieber Bruder, das geht nur dann, wenn du es direkt bringen kannst. Wir können es nicht zu diesem Preis abgeben, wenn wir die Qualität verringern würden, geht es nicht. Wenn wir es zu 70 abgeben, müssen wir es dann selber hierher bringen. Wir können 20% für Spesen abziehen. So müssen wir es machen. Wir haben keine andere Möglichkeit. (Urk. 9/14 Beilage 7). Nachdem der Beschuldigte für kurze Zeit ausgestiegen war, stieg er wieder ein und führte gemäss dem übersetzten TK-Protokoll unter anderem aus: [ ] gehen wir und holen es dort ab. Ruf doch deinen Vater an und frag ihn, mal schauen was er gesagt hat, er weiss, wer das ist, ein Typ von AE. . [ ] Er sagt, ich solle das Material sofort bringen, er würde es sich anschauen und sofort einen Bescheid geben [ ]. Sie sind sehr Profi. Deswegen benutzen sie kein Telefon. [ ] AE. und die Anderen sind seine Typen. Seit 4 Monaten sind wir am Ende. Wir haben nichts verdient. Ich glaube, dass wir wieder

          mit AN. arbeiten müssen. D. sagte zum Beschuldigten unter anderem: Wenn AK. s Sache gehen würde, würde er sofort nehmen. Gehen wir dorthin, zur [Restaurant], woraufhin der Beschuldigte antwortete: Neben der [Restaurant]. Auf die Frage von D. , wo sie mit dem Jungen abgemacht hätten, erklärte der Beschuldigte: In der Bäckerei. Er werde um 18 Uhr dort sein. Er komme gegenüber, wir können es zum Testen holen und fahren (Urk. 9/13 Beilage 8).

          Von Drogen ist zwar nicht ausdrücklich die Rede. Dass der Beschuldigte und D. von Drogengeschäften gesprochen haben, ist aber schon deshalb offensichtlich, weil der Beschuldigte ausführt, dass sie seit 4 Monaten nichts verdient hätten und am Ende seien. Vier Monate zurückgerechnet, also im Juni ereignete sich der Vorgang 30, bei welchem sie wegen des untergetauchten Kuriers vier Kilogramm Heroingemisch verloren hatten (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4). Dass von Drogengeschäften die Rede war, ist aber auch unschwer zu erkennen, wenn man sich vor Augen führt, dass sie von Material sprechen, vom Absatzweg und von der Qualität, welche man verringern könne, was dann Einfluss auf den Preis habe und von Profis die Rede ist, die kein Telefon benutzen. Sodann ist von AE.

          und seinen Typen die Rede sowie von

          AK. . AK.

          war der Lieferant bei Vorgang 35 (vgl. vorstehende

          Erw. 3.5.7) und AE.

          offenbar involviert auf der Lieferantenseite im Zusammenhang mit der verloren gegangenen Heroinlieferung bei Vorgang 30 (vgl. Urk. 9/11 Beilage 123b [Telefongespräch zwischen H. [N], und J. [K] sowie einer weiteren Person Onkel [U], wohl Onkel [väterlicherseits]: U: Du kennst den AE. . Kennst du den AE. N: Hee. Ich kenne ihn, ich habe ihn gesehen. [ ] U: Und sie sagen, AE. sagt, es sei 34'000.-, weisst du vgl. auch vorstehende Erw. 3.4.6).

          Im Kontext dieses vorangegangenen Gespräches zwischen dem Beschuldigten

          und D.

          kann kein Zweifel daran bestehen, dass auch der von D.

          vorgeschlagene Plan (Wenn AK. s Sache gehen würde, würde er sofort nehmen. Gehen wir dorthin, zur [Restaurant]) sowie das vom Beschuldigten in Aussicht gestellte Treffen um 18:00 Uhr (In der Bäckerei. Er werde um

          18 Uhr dort sein. Er komme gegenüber, wir können es zum Testen holen und fahren) bzw. dann auch der zweite Aufenthalt in Dietikon kurz vor 21:00 Uhr, wo der Beschuldigte dann ja für kurze Zeit das Auto verlassen hatte, im Zeichen dieser Drogengeschäfte gestanden haben.

        3. Dafür spricht auch, dass auch hier - wie das auch bei den anderen vorliegend zu beurteilenden Vorgängen üblich war - über Umwege kommuniziert worden war, mit dem naheliegenden Ziel, Kontaktwege zu verschleiern und das

          Abhörrisiko zu minimieren. So war es nämlich H. , der D. um

          19:21 Uhr darüber informiert hatte, dass der Mann dort auf euch warten würde bzw. dass er in der Bäckerei sei (Urk. 112 S. 69 mit Verweis auf Urk. 1/19 Beilage 12 = Urk. 9/13 Beilage 8).

        4. Nicht zu überzeugen vermag, wenn die Verteidigung auch hier vorbringt, dass das ab 17:43 Uhr geführte Gespräch zwischen D. und dem Beschuldigten im Fahrzeug ([ ] Er werde um 18 Uhr dort sein. Er komme gegenüber, wir können es zum Testen holen und fahren) insofern falsch übersetzt worden sei, als von Testen keine Rede gewesen sei, sondern nur von kaufen/holen. Zunächst ist - wie dies bereits die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat (Urk. 112 S. 73) - völlig unglaubhaft, dass D. und der Beschuldigte lediglich dorthin gegangen seien, um (ausgerechnet in einer Bäckerei!) Tabak zu holen/kaufen, wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 101/7 S. 35 und Urk. 178 S. 6). Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Übrigen überzeugt der Einwand der falschen Übersetzung auch deshalb nicht, weil sich auch aus einer weiteren Stelle im gleichen Gespräch ergibt, dass es der Plan war, etwas zu holen, um es dann einem potentiellen Abnehmer zu zeigen (Er sagt, ich solle das Material sofort bringen, er würde es sich anschauen und sofort einen Bescheid geben).

        5. Damit bleibt es bei der vorinstanzlichen Würdigung, wonach aufgrund des Beweisergebnisses erstellt ist, dass der Beschuldigte wie in Anklageziffer 5 umschrieben, am 26. November 2014 um kurz vor 21:00 Uhr in Dietikon Drogen übernommen hatte.

        6. Hinsichtlich der Art der Drogen sowie der Menge kann vollumfänglich auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 112 S. 70 f.), mit der Einschränkung, dass angesichts der von der Verteidigung behaupteten Mehrdeutigkeit des Gesprochenen hinsichtlich des Pakets bzw. der Abdeckung offen gelassen werden muss, wie gross das vom Beschuldigten abgeholte Paket tatsächlich war. Verwiesen werden kann aber auf die übrige Herleitung der Vorinstanz zur fraglichen Menge sowie die Begründung, weshalb von Heroingemisch und nicht von einer anderen Droge auszugehen ist. Ausgehend von dem im Fahrzeug von D. aufgezeichneten Gespräch am Tattag um 20:50 Uhr zwischen D. und dem Beschuldigten (Wir kön- nen ihm 150 geben. Wir müssen ihm 17,5 bezahlen, also 2,5, und 5 Lira bleibt für uns, Urk. 9/13 Beilage 13a) kurz bevor der Beschuldigte das Auto verlassen hatte, um die Drogen entgegenzunehmen, ergibt sich ein Kaufpreis von Fr. 17'500.- (Urk. 112 S. 71). Geht man mit der Vorinstanz - unter Verweis auf den Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 7. April 2016 - von einem Verkaufspreis im Absatzmarkt des Beschuldigten von (maximal) Fr. 40.-/g (vgl. dazu Urk. 112 S. 70 mit Verweis auf Urk. 1/19 S. 9 f.) aus, was sich mit den Angaben aus dem aufgezeichneten Gespräch von D. und dem Beschuldigten um 16:42 Uhr deckt (Du kannst nicht zu 50-60 abgeben, [ ]), und auch dem Verkaufspreis entspricht, den der Beschuldigte im Zusammenhang mit Vorgang 10 verlangt hatte (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.7), muss es sich entsprechend um eine Menge von mehr als 437.5 g gehandelt haben, da nicht anzunehmen ist, dass der Beschuldigte bereit gewesen wäre, den Handel ohne Gewinnaussichten beim Weiterverkauf abzuschliessen. Wie sich aus dem aufgezeichneten Gespräch im Auto von D. um 20:50 Uhr ergibt, erwartete der Beschuldigte zumindest einen Gewinn von Fr. 3'000.- (Urk. 9/13 Beilage 13a, Ich bin auch mit 3 einverstanden). Bei dieser beweismässigen Ausgangslage ist die angeklagte Drogenmenge von 500 g Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) erstellt.

      7. Dass dieses Heroin in der Folge durch den Beschuldigten und D. an verschiedene Abnehmer verkauft worden ist, wie dies in der Anklageschrift behauptet wird (Urk. 37 S. 7), ist zwar anzunehmen, wurde von der

Untersuchungsbehörde aber nicht konkret dargelegt (vgl. auch die Vorinstanz, Urk. 112 S. 98). Aufgrund des Umstandes, dass die beiden im Drogenhandel tätig waren und wie gesehen Pläne schmiedeten, wie sie ihre Tätigkeit wieder erfolgreicher gestalten könnten (vgl. vorstehende Erw. 3.6.6.2), kann aber als erstellt erachtet werden, dass das von ihnen übernommene Heroingemisch zumindest zum Verkauf bestimmt war.

    1. Anklageziffer 6 (Vorgang 10)

      1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, im Zeitraum vom 20. Oktober 2014 bis zum 11. Februar

        2015 C.

        insgesamt mindestens ca. 700 Gramm Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt), zum Preis von Fr. 38.- bis Fr. 40.- pro Gramm verkauft zu haben, in Portionen zwischen 100 und 200 Gramm, wobei das Heroin meistens durch D. , aber auch durch den Beschuldigten an C. nach Winterthur, La Chaux-de-Fonds und Dietikon geliefert worden sei. Insgesamt habe der Beschuldigte von C. für das gelieferte Heroin ca. Fr. 15'000.- erhalten und ca. Fr. 13'000.- sei C. ihm schuldig geblieben (act. 37 S. 7).

      2. Die Vorinstanz erachtete den in Anklageziffer 6 umschriebenen Sachverhalt als erstellt. Zur Erstellung des Sachverhaltes stützte sie sich zum einen auf das von C. im Verlaufe des gegen ihn geführten Strafverfahrens abgegebene, hernach aber widerrufene Geständnis, und zum anderen auf die im Zusammenhang mit dem Vorgang 10 durchgeführten Überwachungen der vom

        Beschuldigten sowie von D. schlüsse (Urk. 112 S. 75 ff.).

        zu diesem Zeitpunkt benutzten Telefonan-

      3. Der von der Verteidigung geltend gemachte Einwand der Unverwertbar-

        keit der Einvernahmen von C.

        zulasten des Beschuldigten wegen nicht

        gehöriger Verteidigung desselben wurde bereits im Rahmen des Prozessualen verworfen (vgl. vorstehende Erw. 2.3.3).

      4. Abgesehen vom Einwand der Unverwertbarkeit setzt sich die Verteidi-

        gung des Beschuldigten mit den belastenden Aussagen von C.

        berufungsweise nicht auseinander. Vor Vorinstanz machte sie noch geltend, dass C. mit Ach und Krach, offensichtlich unter Entzugserscheinungen leidend, schliesslich ungefähr das abgenickt habe, was der polizeiliche Sachbearbeiter ihm vorgehalten habe (bezüglich die Einvernahmen Urk. 18/1-4). Erst in der letzten Einvernahme, nach einer kurzen Pause, während er mit seiner Verteidigung gesprochen habe, habe er den Widerstand aufgegeben und pauschal zugegeben, dass er insgesamt ca. 900 Gramm Heroin vom Beschuldigten bezogen habe, wobei diese Einvernahme unmittelbar danach wegen psychischer

        Probleme von C.

        abgebrochen worden sei (Urk. 101 S. 37 mit Verweis

        auf Urk. 18/4 S. 6). Anlässlich der Fortsetzung der Einvernahme habe C. dann einsilbig die verschiedensten Vorhalte des polizeilichen Sachbearbeiters abgenickt, ohne je irgendwelche Details von sich aus zu schildern. Aufgrund von zahlreichen Widersprüchen in den Aussagen von C. sei die angeblich verkaufte Menge Heroin in der Anklageschrift dann auch auf 700 g reduziert und der Sachverhalt entsprechend sehr vage formuliert worden (Urk. 101/7 S. 37 f.).

      5. Entgegen der Verteidigung waren die den Beschuldigten belastenden Aussagen von C. weder pauschal noch einsilbig:

        1. In der polizeilichen Einvernahme vom 26. April 2016 hatte D. noch bestritten (Urk. 18/1 S. 6), dass der Beschuldigte sein Drogenlieferant gewesen sei, und auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. April 2016 gab er an, den Beschuldigten lediglich zu kennen, weil sie aus dem gleichen Dorf seien und er ihn hier einige Male gesehen habe (Urk. 18/2 S. 3). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 23. Mai 2016, welche am 30. Mai 2016 fortgesetzt wurde, erklärte er hingegen nach einer kurzen Besprechung mit seinem damaligen Verteidiger, reinen Tisch machen zu wollen und gab zu, insgesamt ca. 900 Gramm Heroin vom Beschuldigten (genannt A1. ) bezogen zu haben. Er sei stark heroinsüchtig gewesen, und einen Teil des bezogenen Heroins habe er selbst konsumiert. Den anderen Teil habe er verkaufen müssen, um seine Sucht zu finanzieren (Urk. 18/4 S. 6). Für das Heroin habe er zwischen Fr. 38.- bis Fr. 40.- pro Gramm bezahlt und es für ca. Fr. 5.- mehr

          weiter verkauft (Urk. 18/4 S. 13). Er habe es jeweils in Portionen von 100 g oder 30 g in Pulverform in einem Pack erhalten. Dann habe er es auf die Bestellungen aufgeteilt, in Portionen von 0,3, 0,5 oder auch von 5 Gramm (Urk. 18/4

          S. 17). Dabei erwähnte C.

          zumindest in Bezug auf einen Grossteil der

          Lieferungen, dass das Heroin von schlechter Qualität gewesen sei (Urk. 18/4

          S. 12 f. betreffend die Lieferung vom 6.11.2014, Urk. 18/4 S. 20 betreffend die Lieferung vom 3.02.2015 sowie Urk. 18/5 S. 10 Nur einmal war es ok und sonst immer scheisse). Er habe sich nur zwei oder drei Mal mit dem Beschuldigten (genannt A1. ) getroffen. Die anderen Male habe er sich mit einem Kollegen des Beschuldigten getroffen, der aber seinen Namen nicht habe sagen wollen (Urk. 18/4 S. 10, S. 14, S. 16; vgl. auch Urk. 112 S. 76). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten und D. erkannte C. Letzteren als derjenigen, der ihm vom Beschuldigten vorgestellt worden sei und ihm ein zwei Mal etwas gebracht habe. Er habe ihm schlechtes Material gebracht, und er habe Probleme mit seinen Kunden bekommen (Urk. 18/5 S. 4). Auch in der Folge bestätigte er, dass D. ihm Heroin geliefert habe und erwähnte wiederum die schlechte Qualität desselben. Auf die Frage, wie es jeweils geliefert worden sei, erklärte C. , dass es so eine Kugel gewesen sei. D. habe behauptet, dass es hundert Gramm gewesen seien, was er - C. - aber nicht geglaubt habe, er habe aber keine Waage dabei gehabt. Es sei eine Handvoll gewesen. Auf die Frage, wo die Übergaben jeweils stattgefunden hätten, antwortete er: Ein, zwei Mal in Winterthur und zwei, drei Mal in Neuchâtel. Auf die Frage, ob er mit Neuchâtel La Chaux-de-Fonds meine, antwortete er: Ja, genau, gratuliere. Er habe das Heroin zu einem Preis von Fr. 40.- pro Gramm übernommen (Urk. 18/5 S. 5). Als Antwort auf die Frage, bei wem er das Heroin jeweils bezogen habe, zeigte er auf D. . Die Frage, ob er jeweils auch beim Beschuldigten Heroin bezogen habe, verneinte er zunächst, räumte dann aber ein, ihn schon gefragt zu haben, woraufhin ihm dieser gesagt habe, dass er schauen könne (Urk. 13/5 S. 6). Auf Ergänzungsfrage der Verteidigung des Beschuldigten stellte C. klar, dass er das Heroin jeweils beim Beschuldigten bestellt, es aber nicht direkt von ihm erhalten habe (Urk. 18/5 S. 8). Auf Vorhalt seines Geständnisses in der Einvernahme vom 23. Mai 2016 (Ich will reinen Tisch machen. Ich gebe zu, dass ich insgesamt ca. 900 Gramm Heroin von A1. bezogen habe), entgegnete er: Irgendetwas stimmt nicht. Ich habe gesagt, ich wisse nicht, wie viel. (Urk. 13/5 S. 6). Unter Bezugnahme auf die Einvernahme vom 23. Mai 2016

          und den damaligen Vorhalt des im Fahrzeug von D.

          aufgenommenen

          Audiogespräches vom 30. November 2014 um 15:19 Uhr (vgl. dazu Urk. 18/4

          S. 17) antwortete er: Er hat mir ein oder zwei Mal etwas gebracht. Ein Mal hat er gesagt, es seien 100 Gramm, ein anderes Mal waren es 150 Gramm, dann war es einmal 200 Gramm. Bei diesen 200 Gramm habe ich nachgeschaut und festgestellt, dass es nur 170 Gramm waren. Ich sagte, dass ihr mich verarscht und es gab Streit. Erstens haben sie mir nicht genug gegeben und zweitens war die Ware nicht gut (Urk. 18/5 S. 6 f.). In der Folge warf er dann die Frage auf, wie man denn darauf komme, dass es 900 Gramm hätten gewesen sein sollen (Urk. 18/5 S. 7). Auf die Frage, wie viel es denn etwa gewesen sei, gab

          C.

          zu Protokoll: Sie haben mir gesagt einmal gesagt 100, einmal 150,

          einmal 200 und dann habe ich es gewogen und es war weniger und die Ware war ganz schlecht. Bei guter Ware schlafe ich ein und bei dieser Ware schlief ich nicht ein. Er habe nie mehr als 170 g bekommen. Ein zwei Mal in Winterthur und zwei, drei Mal in Neuchâtel (Urk. 18/5 S. 9). [ ] Nur einmal war es ok und sonst immer scheisse. [ ] Ich konnte mit dem Zeugs nicht einschlafen.

          (a.a.O. S. 10). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung in dem gegen ihn geführten Strafverfahren gab C. dann an, bei der Konfrontationseinvernahme vom 6. Juli 2016 nicht die Wahrheit gesagt zu haben (vgl. beigezogene Akten im Verfahren SB170263 [Urk. 175]: Prot. I S. 19). Er habe nur eine ganz kleine Menge erhalten und nicht 900 Gramm (Urk. 175: Prot. I S. 22, S. 26). Er sei von seinem damaligen amtlichen Verteidiger und der Polizei unter Druck gesetzt worden. Sein Verteidiger habe ihm gesagt, er solle einfach jaja sagen bei der Polizei, obwohl er die ihm vorgeworfenen Taten gar nicht begangen habe (Urk. 175: Prot. I S. 12, S. 21, S. 27 und S. 32). Anzeichen dafür, dass

          C.

          unter Druck gesetzt bzw. dass seine früheren Aussagen nicht der

          Wahrheit entsprochen hätten, sind jedoch nicht erkennbar. Angesichts der konkreten und detaillierten Schilderungen des Geschehens ist vielmehr von tatsächlich Erlebtem auszugehen, zumal er auch von sich aus Angaben machte, die den Gesprächsaufzeichnungen nicht zu entnehmen waren (etwa zur Höhe des Kaufpreises, dass er keine Waage dabei gehabt habe und dass er wegen der schlechten Qualität des Heroins nach dem Konsum jeweils nicht eingeschlafen sei). Es ist denn auch nicht einzusehen, weshalb er den Beschuldigten oder auch D. zu Unrecht hätte belasten sollen. Aufgrund des Umstandes, dass C. ganz zu Beginn des Verfahrens zunächst noch angegeben hatte, den Beschuldigten einfach so (unabhängig vom Drogenhandel) aufgrund ihrer gemeinsamen Herkunft zu kennen und er erst nach Vorhalt der aufgenommenen Telefongespräche reinen Tisch machen wollte (Ich will reinen Tisch machen. Ich gebe zu, dass ich insgesamt ca. 900 Gramm Heroin von A1. bezogen habe. Ich habe die Telefongespräche gehört, insbesondere ein Geschäft. Es ist nicht nötig, alle Telefonate mir vorzuhalten. [Urk. 18/4

          S. 6]), ist vielmehr davon auszugehen, dass das Geständnis von C. unter dem Eindruck der für ihn und eben auch für den Beschuldigten und D. erdrückenden Beweislage erfolgte und wohl in der Erwartung, dass sich eine entsprechende Kooperation günstig auf die Höhe der Strafe auswirken würde, was aus dem Umstand zu schliessen ist, dass das Geständnis nach kurzer Rücksprache mit seiner damaligen Verteidigung erfolgte.

        2. Insgesamt erweisen sich die von C. zulasten des Beschuldigten gemachten Aussagen als glaubhaft. Insbesondere auch, weil sie sich mühelos mit dem übrigen Beweisergebnis in Einklang bringen lassen und den aus den

Telefon- und Audioüberwachung im Fahrzeug von D.

gezogenen Erkenntnissen entsprechen, was auch schon die Vorinstanz dargelegt hat (Urk. 112 S. 76). Unklarheiten ergeben sich hinsichtlich der Aussagen von C. einzig hinsichtlich der von ihm bezogenen Menge Heroingemischs. Die diesbezüglichen Angaben variierten, je nachdem, ob er von der Gesamtmenge gesprochen oder Angaben zu den einzelnen Lieferungen gemacht hatte. Immer wieder erklärte er auch, sich nicht mehr im Detail erinnern zu können (vgl. dazu etwa Urk. 18/4 S. 7, Urk. 18/5 S. 7). In Anbetracht der Tatsache, dass C. gemäss eigenen Angaben im anklagerelevanten Zeitpunkt in schwerem Masse heroinabhängig war und im Zeitpunkt der Einvernahmen seit dem Tathergang

bereits mehr als eineinhalb Jahre verstrichen waren, sind gewisse Ungereimtheiten in den Mengenangaben ohne weiteres nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass C. sich mit seinen Angaben selber direkt belastete und wie gesehen im Verfahren auch immer wieder versuchte, seine Tatschuld möglichst gering darzustellen. Vor diesem Hintergrund stellt es die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht per se in Frage, wenn sich aufgrund der Überwachungsmassnahmen tatsächlich eine andere Drogenmenge feststellen liesse, als sie von C. zugegeben worden war. Hinsichtlich der Anzahl Treffen gab C. wie gesehen an, dass es - ungefähr - fünf gewesen seien (vgl. vorstehende Erw. 3.7.5.1). Genau diese Anzahl von Übergaben können gestützt auf die Überwachungsmassnahmen hinreichend konkret nachgewiesen werden (vgl. nachstehende Erw. 3.7.6 und 3.7.10, vgl. auch Urk. 112 S. 76 ff.).

      1. Hinsichtlich der sich aus den Telefonüberwachungen so

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